Emotionslose Botschaften?

Bundestagswahl: Expertin vergleicht Münchner Wahlplakate 

Annika Sehl, Professorin an der der Bundeswehr-Universität, analysiert Wahlplakate exklusiv für Hallo.
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Annika Sehl, Professorin an der der Bundeswehr-Universität, analysiert Wahlplakate exklusiv für Hallo.
  • Andreas Schwarzbauer
    VonAndreas Schwarzbauer
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Münchner Wahlplakate werden durchleuchtet. Eine Kommunikationswissenschaftlerin analysiert exklusiv für Hallo Plakate zur Bundestagswahl.

München - An zahlreichen Laternen, Bäumen und Verkehrsschildern hängen derzeit wieder Wahl-Plakate. Für insgesamt 45 300 hat das Kreisverwaltungsreferat die Erlaubnis erteilt, wie Sprecher Johannes Mayer verrät. Die Kommunikationswissenschaftlerin Annika Sehl hat einige davon für Hallo unter die Lupe genommen.

Sehl ist Professorin an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg. Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist Publikumsforschung. Daher weiß sie, wie Slogans und Bilder wirken. „Die Parteien bedienen sich unterschiedlicher Techniken.

Einige Plakate wollen mit Themen überzeugen, andere fokussieren sich auf die Persönlichkeit des Kandidaten. Insgesamt emotionalisieren die Plakate nicht besonders stark“, sagt sie.

Starker Fokus auf den Kandidaten

„Das Rot der SPD kommt durch das Schwarz-Weiß-Foto klar zur Geltung. Weil sich das Design auf drei Farben konzentriert, wirkt das Plakat sehr sauber und edel. Der Fokus liegt klar auf der Kandidatin, die sich in ihrer Arbeitskleidung als Krankenschwester zeigt. Die Botschaft: Sie ist eine Kandidatin, die der Gesellschaft hilft. Weitere Inhalte finden sich nicht auf dem Plakat.“

Wahlplakat von Seija Knorr-Köning (SPD).

Der Kandidat im Münchner Norden, Florian Post, weicht mit seinen Plakaten vom SPD-Layout ab. „Es ist interessant, dass bei einer Partei so unterschiedliche Umsetzungen vorliegen“, sagt Sehl. Post liegt nicht immer auf Parteilinie und hatte keinen sicheren Platz auf der SPD-Liste erhalten. Er muss seinen Wahlkreis gewinnen. Auch bei seinem Plakaten liege der Fokus stark auf der Person.

Wahlplakat von Florian Post (SPD).

Jüngere Wähler werden angesprochen

„Das Plakat enthält relativ viele Elemente. Es gibt keine dominierende Stellung des Parteilogos, aber durch die Farbe und die Sonnenblume ist klar, dass es ein Plakat der Grünen ist. Der Slogan ,Für ehrliche Politik‘ beinhaltet implizit den Vorwurf, dass andere eine unehrliche Politik machen.

Durch ,Bereit, wenn Ihr es seid‘ sprechen die Grünen den Wähler direkt an. Der Link verweist auf weitere Informationen. Die Plakate richten sich nicht an eine bestimmte Generation. Durch das Rosa und die Sonnenblume sollen aber insbesondere auch die Jüngeren angesprochen werden.“

Wahlplakat von Jamila Schäfer (Grüne).

Zentrale Themen platziert

„Das Parteilogo ist etwas dominanter als bei anderen Parteien. Die Linken haben ihre Kernthemen Bildung, Mieten und Vermögenssteuer untergebracht. Die Kandidatin steht weniger im Fokus. Die Partei arbeitet mit Symbolen: Der Mann mit Business-Anzug und der teuren Uhr verkörpert hier den Kapitalismus.“

Wahlplakat (Linke)

Klare Farbgebung, offene Frage

„Das Logo bleibt etwas mehr im Hintergrund, aber durch die Farbgebung wird deutlich, dass es sich um die CSU handelt. Das Plakat zeigt den Kandidaten in einer vermeintlichen Alltagssituation, im Gespräch mit Bürgern.

Das zentrale Thema ist Altersarmut, allerdings bleibt die Frage, ob das Zuhause auf dem Plakat für Altersarmut steht. Durch den Ausdruck ,Mit aller Kraft‘ will der Kandidat sein Engagement für Benachteiligte hervorheben.“

Wahlplakat von Stephan Pilsinger (CSU).

Macher ohne Agenda

„Mit Magenta und Gelb sind die FDP-Farben klar erkennbar. Der Spitzenkandidat steht im Mittelpunkt und hebt sich durch das Schwarz-Weiß-Bild optisch vom Hintergrund ab. Daniel Föst präsentiert sich als zupackend und als Macher, der sprichwörtlich die Ärmel hochkrempelt. Aber was er genau inhaltlich machen will, bleibt offen.“

Wahlplakat von Daniel Föst (FDP).

Keine Polarisierung

„Es gibt keine dominierende Farbgebung und keinen Spitzenkandidaten auf dem Plakat. Der Slogan spielt auf die aktuellen Corona-Maßnahmen an und wendet sich gegen die Einschränkungen. ‚Freiheit‘ ist ein starker Begriff. Er polarisiert aber nicht, darauf können sich alle Parteien einigen – zumindest ohne den Kontext der Corona-Maßnahmen.“

Wahlplakat (AfD)

München-Fakten & Kandidaten

Auf www.hallo-muenchen.de/wahl2021 stellen wir alle Direktkandidaten der Münchner Wahlkreise vor – mit Steckbrief und Kurzinterview. Außerdem interessiert uns Ihre Meinung: Wen würden Sie aktuell ins Kanzleramt wählen? Und welche Themen sollte die neue Regierung besonders dringend angehen? Machen Sie mit bei unserer Hallo München-Umfrage.

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