Lesen als Beschäftigung, wenn das öffentliche Leben eingeschränkt ist

Mit einem Buch in andere Welten reisen

Wir sind aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben und unseren sozialen Kontakte einzuschränken. Lesen ist jetzt die perfekte Idee, damit es nicht langweilig wird.
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Wir sind aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben und unseren sozialen Kontakte einzuschränken. Lesen ist jetzt die perfekte Idee, damit es nicht langweilig wird.
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Das Corona-Virus hat das Kulturleben lahmgelegt. Kein Theater, keine Ausstellungen, kein Kabarett. Kinos und Volkshochschulen haben geschlossen. Ministerpräsident Markus Söder hat die bayerische Bevölkerung aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben. Jetzt wäre also die ideale Zeit fürs Lesen. Denn lesend lässt sich einiges unternehmen, wie ein Besuch im ehemaligen Münchner Familienbad Floriansmühle oder eine Reise in die italienischen Marken.

Peter Zaningh: „Nach Mattias“. Diogenes

Es ist die Zeit "nach Mathias". Peter Zaningh erzählt aus wechselnder Perspektive von der Zeit nach dem überraschenden Tod eines Mannes in seinen Dreißigern. Jede Figur erinnert sich an etwas Anderes, denn ein Mensch hat unterschiedliche Identitäten, abhängig davon, ob er der Freund oder Sohn ist. Die Information, warum Mattias sterben musste, hält der Autor Peter Zaningh lange zurück, so dass sich die einzelnen Kapitel erst ganz am Ende zu einem Ganzen fügen. So wie auch die Gesamtheit eines Menschen sich aus vielen Rollen zusammensetzt, die er im Leben spielt. ve

Georg M. Oswald: „Vorleben“. Piper

Die 38-jährige Sophia ist mit dem zehn Jahre älteren Münchner Cellisten Daniel Keller zusammen. Sie, als freie Journalistin beruflich gerade wenig erfolgreich; er, angesagter Musiker bei den Staatlichen Symphonikern, der in der Münchner Kunst-Schickeria verkehrt. Sophia, die zuvor in Berlin lebte, fühlt sich in dieser Szene nicht wohl. Obwohl sie in Daniel verliebt ist, verliert sie an seiner Seite immer mehr ihr Selbstbewusstsein. Als Daniel auf einer Konzertreise ist, stößt Sophia in Daniels Wohnung auf Indizien, dass dieser ein „Vorleben“ hatte. Das gehört ja bei einem Paar, das erst in seinen Dreißigern beziehungsweise Vierzigern zusammenkommt, mit dazu. Doch je mehr Nachforschungen Sophia anstellt, desto verdächtiger wird Daniels Rolle in einem Mordfall, der sich vor vielen Jahren ereignet hat. Je mehr sie ihm misstraut, desto mehr gewinnt Sophia an Selbstwertgefühl zurück. In Zeiten des Internets mag das Recherchieren einfach sein. Doch als Leser geht einem das Stöbern in der Vergangenheit des anderen dennoch zu schnell. Kaum erhärtet sich Sophias Verdacht, schon ist der Georg M. Oswalds Roman „Vorleben“ auch schon wieder zu Ende. ve

Steffen Schroder: „Mein Sommer mit Anja“. Rowohlt Berlin

Das Familienbad Floriansmühle war bis zu seiner Schließung 1994 ein Münchner Naturschwimmbad gespeist aus dem Schwabinger Bach in Freimann. Bis heute steht das Kassenhäuschen, sogar die Becken sind noch zu erahnen, auch wenn aus dem Boden Bäume sprießen und die Einstiegsleitern längst verrostet sind. Für Konrad, den Protagonisten von Steffen Schroeders Roman „Mein Sommer mit Anja“, ist die Zeit, die er in den 1980er- Jahren im Floriansbad und am Eisbach im Englischen Garten verbrachte, auch lange vorbei. Unvergessen ist aber dieser Sommer, in dem er mit seiner große Liebe Anja die ersten Zigaretten rauchte, die „nach Abenteuer, nach Sommer und nach Erwachsensein“ schmeckten. Dass das Schwimmbad, das privat von einer Familie betrieben wurde, nochmals öffnet, ist unwahrscheinlich. Ebenso ist für Konrad das Erwachsenwerden ein unwiederbringlicher Lebensabschnitt, in dem er sich sehr lebendig fühlte. Dies beschreibt Schroeder so treffend, dass der Leser das alte Schwimmbad am liebsten wieder aufsperren würde, um auch nochmal den Zauber jener Jahre zu erleben, auch wenn es manchmal schmerzvoll war. ve

Anna Hope: „Was wir sind“. Hanser Verlag

Jeder Abschnitt im Leben hält unterschiedliche Herausforderungen bereit: Hannah, Lissa und Cate sind drei Freundinnen, die eine Zeit lang gemeinsam ein Haus in London Fields bewohnen. Mittlerweile sind die frei Frauen Mitte 30 und stehen in ihren Leben an unterschiedlichen Punkten: Cate ist überforderte Mutter eines Kleinkindes. Lissa ist Schauspielerin, bisher ohne viel Erfolg. Nun könnte sich ihr beruflicher Traum endlich verwirklichen. Und Hannah, die dritte Protagonistin, führt mit ihrem Partner das perfekte Leben, wäre da nicht der unerfüllte Kinderwunsch. Autorin Anna Hope erzählt in immer wechselnder Perspektive aus dem Leben dreier unterschiedlicher Frauen. Dabei springt sie in der Zeit vor und zurück. Hope gibt dabei ganz persönliche Einblicke und erzählt von Vorstellungen, Wünschen, Enttäuschungen und davon, was Frauen sind, was sie prägt und wo sie hin wollen.ve

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