Max Greger 2.0: Ein Schwabinger führt das Genre mit seinen Musikern in die poppige Neuzeit

Musiker Max Steinbach (50) von A bis Z

„Fink & Steinbach“-Jubiläumskonzert Mittwoch, 3. Januar, Carl-Orff-Saal im Gasteig, Rosenheimer Straße 5, Beginn: 20 Uhr, Tickets ab 34,90 Euro unter Telefon 54 81 81 81.

An Silvester zu arbeiten – für Max Steinbach seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Nur gut, dass er seinen Beruf liebt und lebt – und es gar nicht anders haben möchte. Er ist Gründer, Vordenker, Entwickler und Produzent der Münchner Bigband „Fink & Steinbach“. Und die spielt nicht nur vor 500 Gästen eine Silvestergala im Allgäu, sondern feiert in wenigen Tagen auch noch mit einem Konzert im Carl-Orff-Saal ihren 15. Geburtstag. Eine Bigband in der heutigen Zeit: Macht das noch Sinn?

Steinbach strotzt vor Energie und Begeisterung für seine Sache. Genau diese vermittelt die Bigband auch auf der Bühne. Statt auf klassischen Swing und Jazz setzen Steinbach und sein Bandleader Gerd Fink auf Popsongs von Robbie Williams, Tina Turner, Bruno Mars und Co. Denen drücken sie mit sattem Bläsersound ihren eigenen Stempel auf. Davon konnten sich die Münchner in den vergangenen Jahren nicht nur bei diversen Galas und Bällen überzeugen, sondern auch bei Musical- und Sinatra-Tribute-Abenden. Jetzt, zum Geburtstag, soll aber die Marke „Fink & Steinbach“ in den Vordergrund rücken. Wie schwer es aber trotz aller Innovation in der heutigen Zeit ist, eine Bigband wirtschaftlich erfolgreich zu machen, mit welchen Stars man bereits zusammengearbeitet hat, und warum sie jüngst vor „Nackerten“ gespielt haben, verrät Steinbach von A bis Z. 

Anfänge: Im Februar 1993 habe ich das erste Mal eine Bigband erlebt. An diesem Sonntagnachmittag wurde ich sofort mit dem Virus infiziert – auch wenn es bis zur Gründung von „Fink & Steinbach“ noch einige Jahre gedauert hat.

Bigband: Auf die Bühne – Licht aus – spielen – Applaus. Für einen Künstler gibt es nichts, Entschuldigung, geileres. Das gemeinsam mit einem Bigband-Ensemble erleben zu können ist einzigartig.

Coverband: Ja, wir sind eine Coverband. Dazu stehe ich. Unser Anspruch ist es aber, den Liedern unsere Identität einzuhauchen und noch mehr Energie zu verleihen.

Deutsches Theater: Dort haben wir schon oft Galabälle gespielt und machen das immer wieder gerne. Es ist eine tolle Location und ich bin auch privat ein Fan. Es ist schön, dass man für gute Musicals nicht nach Stuttgart oder Hamburg reisen muss.

Entertainer: Also ich würde mich jetzt nicht als Entertainer bezeichnen. Eher als Produzent und Vordenker. Die eigentlichen Entertainer und Showstars sind unsere Gesangssolisten. Aber ein gewisser Drang zur Selbstdarstellung, und der Wille zu entertainen sind natürlich auch bei mir vorhanden.

Fasching war früher die Hochsaison für Bigbands. Allerdings gibt es seit Jahren ein großes Gala­sterben. Eine neue Hochsaison gibt es nicht. Stattdessen spielen Bigbands auf Betriebsfeiern, bei Tribute-Shows – und geben eigene Konzerte.

Gerd Fink ist ein Glücksfall. Ich habe ihn seinerzeit auf dem Tulpenball des Deutschen Theaters gefragt, ob er den Bandleader machen würde. Er meinte: „Wenn, dann richtig.“ Der Rest ist Geschichte.

Hochgefühl: Habe ich auf der Bühne – und wenn ein Konzept aufgeht.

Improvisationstalent ist im großen Stil wichtig. Es kann schon vorkommen, dass im Vorgespräch Dinnermusik gewünscht ist, man vor Ort aber Weihnachtslieder spielen soll.

Jahreswechsel: Seit etwa zehn Jahren spielen wir an Silvester im Hotel Sonnenalb im Allgäu. Wir spielen etwa von 22 bis 2 Uhr. Mitternachts stoßen wir kurz an, aber das Telefonieren mit Familie und Freunden muss bis 2 Uhr warten. Da geht der Job einfach vor.

Kollegen: Bei 15 Berufsmusikern und vier Gesangssolisten kommt natürlich ein großer Pool an Freigeistern zusammen. Dennoch halten wir alle fest zusammen – sind keine Telefonband, bei der bei jedem Auftritt jemand anderes spielt. Ich würde nie ein Konzept entwickeln, das nicht alle mittragen.

Locations: Ich erinnere mich sehr gerne an unsere Auftritte im Prinzregententheater. Im Sommer ist der Brunnenhof der schönste Konzertsaal der Stadt, aber auch der Carl-Orff-Saal ist wunderbar. Eine der ausgefallensten Locations war heuer unser Konzert im Sauna­bereich der Therme Erding. Wir haben davor noch nie für Nackerte gespielt.  

Motivation: Ich habe Bock auf die Bühne und Bock auf unser Produkt – dafür muss mich niemand motivieren. 

Notenblätter: Klar könnte man viele Lieder auswendig spielen. Bedingt durch den großen Apparat an Musikern sind wir trotzdem notengebunden. Aber wir haben genügend Notenblätter dabei, um den Abend flexibel zu gestalten.

Online ist für uns super-wichtig. Die Webseite ist die Visitenkarte schlechthin. Das wichtigste Verkaufsargument ist aber die Bühne. Dort müssen wir durch Energie, Leidenschaft und Qualität überzeugen.

Parodie: Unser Sänger Sandro Luzzo hat grandioses parodistisches Talent – und verblüfft als Pep Guardiola genauso wie als Dean Martin. Wir setzen das aber nur dosiert ein, schließlich wollen wir unsere eigene Originalität bewahren.

Querdenker: Man muss etwas in sich haben, für das man brennt. Dann hat man auch den künstlerischen Mut, etwas anders zu machen. Ich habe mich einfach gefragt: Muss Bigband immer nach Swing klingen, oder geht es nicht auch poppig?

Revolution: Am Ende des Tages geht es immer um Energie. Kaum etwas könnte energetischer sein als die Bläser einer Bigband. Es wäre viel zu schade, diese Energie verpuffen zu lassen und weiterhin nur swingende Musik im Stil von Max Greger und Co. zu machen.

Stefan Dettl hat seinerzeit bei uns vorgespielt und mitgeprobt. Genau dann hatte er allerdings die Idee zu La Brass Banda. Er hat sich nicht von Plattenfirmen verbiegen lassen, sondern sein Ding gemacht. Klasse!

Trompete habe ich 1980 gelernt und mich seitdem intensiv damit beschäftigt. Ich freue mich, bei unserem Trompetensatz dabei zu sein, noch mehr schätze ich aber die Qualität meiner Kollegen.

Unrentabel: In der heutigen Zeit ist es definitiv eine Herausforderung eine Bigband wirtschaftlich ins Ziel zu bringen. Wir bekommen keine Zuschüsse und als Produzent stehe ich für Verluste gerade. Aus manchen Veranstaltungen geht man mit einem Minus raus, aufs Jahr gesehen reicht es aber, um weiter zu machen.

Vorbilder: Vor 20 Jahren waren das Max Greger, Hugo Strasser und James Last. Heute ist es eher Michael Bublé.

Weltstars: Natürlich freue ich mich, wenn wir mit Stars wie Kim Wilde, Roger Hodgson, David Garrett oder Chris de Burgh auf der Bühne stehen. Das ist es aber nicht, was mich antreibt.

Xylophon: Beim Weihnachts-Programm „Adeste Fideles“ hatten wir ein Xylophon. Wenn es passt, sind wir auch in dieser Hinsicht Ungewöhnlichem aufgeschlossen.

Yen: In Japan sind wir noch nicht aufgetreten, aber beispielsweise beim Presseball in Zürich oder einer Weihnachtsgala in St. Moritz. Dort ist unserem Busfahrer einmal bei -30 Grad der Winterdiesel eingefroren und wir mussten um 2 Uhr nachts einen Ersatzbus organisieren. Letztendlich standen wir mit all unseren Instrumenten bis 5 Uhr früh in der Lobby. 

Zweites Standbein: Ich bin gelernter Ingenieur und arbeite bei einer Unternehmensberatung. Zeitlich gesehen halten sich beide Berufe die Waage, meine Erfüllung ist aber ganz klar die Bigband.

Marco Litzlbauer

Auch interessant:

Meistgelesen

München: Mann schubst am Stachus 37-Jährigen vor fahrende S-Bahn - Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung
München Mitte
München: Mann schubst am Stachus 37-Jährigen vor fahrende S-Bahn - Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung
München: Mann schubst am Stachus 37-Jährigen vor fahrende S-Bahn - Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung
München: Omikron-Virusvariante das i-Tüpfelchen? Söder will Bundesnotbremse
MÜNCHEN
München: Omikron-Virusvariante das i-Tüpfelchen? Söder will Bundesnotbremse
München: Omikron-Virusvariante das i-Tüpfelchen? Söder will Bundesnotbremse
U-Bahn in München: Von Sonntag- bis Donnerstagabend nur Busse auf Teilstück der U1
MÜNCHEN
U-Bahn in München: Von Sonntag- bis Donnerstagabend nur Busse auf Teilstück der U1
U-Bahn in München: Von Sonntag- bis Donnerstagabend nur Busse auf Teilstück der U1
München: Vater und 4-jähriger Sohn tot in Wald gefunden - Mordkommission ermittelt
MÜNCHEN
München: Vater und 4-jähriger Sohn tot in Wald gefunden - Mordkommission ermittelt
München: Vater und 4-jähriger Sohn tot in Wald gefunden - Mordkommission ermittelt

Kommentare