Keine Trendwende im Frühjahr

Arbeitslosigkeit in Bayern steigt wegen Corona-Krise – höchster Wert für einen Mai seit zehn Jahren

Die Corona Pandemie zeigt sich jetzt am Arbeitsmarkt in Bayern. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und weniger Jobangebote sind die Folge. Eine Wende ist noch nicht in Sicht.

  • Corona-Krise lässt Arbeitslosigkeit in Bayern weiter steigen.
  • Höchster Wert für Mai seit zehn Jahren.
  • Unternehmen nutzen Kurzarbeit, Gastronomie sucht weniger Mitarbeiter

Die Corona-Krise macht sich deutlich auf dem bayerischen Arbeitsmarkt bemerkbar. Im Mai stieg der Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum April um 6,9 Prozent auf 290 580. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um 44,4 Prozent, wie die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,8 Prozent - dem höchsten Wert für einen Mai seit zehn Jahren.

Arbeitslosigkeit in Bayern steigt wegen Corona-Krise - Mehrer Unternehmen in Kurzarbeit

„Trotz der Lockerungen der Beschränkungen steht die bayerische Wirtschaft noch vor großen Herausforderungen“, sagte der Chef der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart. „Manche Bereiche der Wirtschaft sind weiterhin geschlossen, Lieferketten funktionieren noch nicht überall, andere Vertriebswege müssen gefunden werden.“ In der Folge nutzten Unternehmen Kurzarbeit und flexible Arbeitszeiten, um ihre Belegschaft zu halten.

Im Mai gingen bei der Regionaldirektion 13 364 Anzeigen für Kurzarbeit in Bayern ein. Im März und April zusammen waren es 125 998. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Betriebe am Ende tatsächlich in Kurzarbeit schicken, kann die Arbeitsagentur eigenen Angaben nach erst nach deren Abrechnung sehen. Dafür haben die Unternehmen drei Monate Zeit. Daher liegen zurzeit auf Länderebene nur Daten aus dem Februar - also vor Beginn der Corona-Krise - vor.

Keine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt im Frühjahr

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bremsen in diesem Jahr auch die für Mai übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum April zog die Nachfrage nach Arbeitskräften in Bayern aber wieder an. Im Mai waren knapp 15 200 offene Stellen bei der Regionaldirektion gemeldet und damit 17,2 Prozent mehr als im April. Im Vergleich zum Mai 2019 ist das aber ein Rückgang um 42,7 Prozent. Vor allem Gastgewerbe, Industrie, Gesundheits- und Sozialwesen und Handel suchten weniger Arbeitskräfte.

Am bayerischen Arbeitsmarkt seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin deutlich zu spüren, sagte Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) zu den am Mittwoch veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen für den Monat Mai. Dennoch gebe es nach wie vor einen Überhang an freien Ausbildungsplätzen im Vergleich zu den Bewerbern. So entfielen auf 100 Bewerberinnen und Bewerber rund 170 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Bayern schneidet in der Corona-Krise im Vergleich gut ab  

Im bundesweiten Vergleich steht Bayern nach Angaben von Trautner  noch am besten da: Es sei das einzige Bundesland mit einer Arbeitslosenquote von deutlich unter vier Prozent. 

Mit einer baldigen Trendumkehr des Anstiegs rechnet die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) jedoch nicht. „Das wird sich in den kommenden Monaten auch noch fortsetzen, denn der Arbeitsmarkt reagiert grundsätzlich mit Verzögerung auf die wirtschaftliche Entwicklung“, teilte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt mit. Man habe einen Anstieg der Arbeitslosen und weiterhin große Unsicherheiten in den Unternehmen.

 Die knapp 140.000 Kurzarbeitsanzeigen für rund zwei Millionen Beschäftigte durch die Unternehmen seien historische Höchststände. Die Unternehmen täten aus Sicht des vbw aber alles, um Liquidität für den Bestand ihrer Betriebe und damit der Belegschaft zu sichern. Um einen schnellen Neustart zu ermöglichen, brauche man ein Belastungsmoratorium für die Unternehmen. Dazu gehöre der Verzicht auf die vorgesehene Verschärfung der Befristungsregeln. Hoffnung mache, dass Unternehmen im Mai wieder mehr offene Stellen als im April gemeldet hätten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern warnte vor einem Einbruch des Arbeitsmarktes angesichts der Corona-Krise.  „Neben der Beschäftigungssicherung muss nun die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten ins Zentrum rücken“, teilte der Vorsitzende Matthias Jena mit.

Man sehe derzeit eine „steigende Arbeitslosigkeit auf breiter Front, und zwar sowohl in der Grundsicherung als auch in der Arbeitslosenversicherung“, heißt es weiter. Die Staatsregierung sei gefordert, sich auf Bundesebene für ein schnelles und starkes Konjunkturprogramm einzusetzen..

epd/dpa/dgd/jh

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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