Sorge wegen plötzlicher Grabungen

Keinerlei Information: Zwischen Gräfelfing und Pasing fürchten Anwohner ein Riesenbauprojekt

Detlef Göttlich und Anke Moeser wundern sich über die großflächigen Abgrabungen. 
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Detlef Göttlich und Anke Moeser wundern sich über die großflächigen Abgrabungen. 

Was hat es mit dem großen Bauprojekt in der Paosostraße auf sich? Die Anwohner sind verunsichert, doch Detlef Göttlicher hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

  • Großes Bauprojekt in der Paosostraße von Pasing nach Gräfelfing.
  • Die Anwohner sind verunsichert, befürchten einen Ikea-Bau.
  • Detlef Göttlicher hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Mit dem Hund eine Runde drehen, ohne dass er angesprochen wird? Für Detlef Göttlich ist das seit Wochen kaum noch möglich. Der 51-Jährige wohnt in der Pasinger Paosostraße, im letzten Haus vor der Grenze zu Gräfelfing und der Bahnunterführung. 

Neben dieser graben neuerdings Lastwagen und Kettenbagger Erde ab und türmen sie an anderer Stelle wieder auf – und zahlreiche Anwohner hoffen, dass zumindest Göttlich weiß, was dort los ist. 

Doch der Münchner war anfangs genauso ratlos. Also sprach er Baggerfahrer und Bauarbeiter an, fand heraus, dass es sich um vorbereitende Maßnahmen für die anstehende Sanierung der Unterführung handelt. 

„Aber braucht man dafür wirklich so viel Platz?“, fragt sich die 82-jährige Anke Moeser und zeigt auf die bearbeitete Fläche in Richtung Gräfelfing, die mehr als ein Fußballfeld fassen könnte. „Ich glaube, da steht noch ein anderer Baugrund dahinter.“ Von neuen Eigentumswohnungen hat die Seniorin bereits gehört, Göttlich von einem Ikea. 

Anwohner in der Paosostraße fürchten ein riesiges Bauprojekt

„Die Anwohner sind alle total verunsichert“, so der 51-Jährige. Doch die Bahn bestätigt, dass die Arbeiten nur im Zusammenhang mit dem Brückenneubau stehen. Für die derzeitigen Grabungen ist das Landesamt für Denkmalpflege verantwortlich. 

Es laufe eine archäologische Untersuchung, teilt Sprecherin Julia Steinbach mit. „Bisher konnten 142 archäologische Befunde aufgenommen werden. Der bisherige Eindruck ist, dass es sich um menschliche Hinterlassenschaften aus der mittleren Bronzezeit handelt.“ 

Die Archäologen fotografieren und vermessen die Reste, um die 3300 bis 3600 Jahre alte Siedlung in Zukunft rekonstruieren zu können. Sorge um das Naherholungsgebiet haben die Anwohner trotzdem. „Man kann doch nicht einfach die ganze Muttererde abgraben“, ärgert sich etwa Grete Umscheid. 

Doch der Bund Naturschutz lobt die Zusammenarbeit mit der Bahn. Er konnte Samen der 148 Pflanzenarten einsammeln, die dort auf der Böschung wachsen. Diese sei zudem Lebensraum von zahlreichen Tieren wie der Zauneidechse, die die Naturschützer noch umsiedeln wollen. 

Nach dem Neubau sollen die seltenen Pflanzen wieder ausgesät und die Amphibien wieder angesiedelt werden. Göttlich ist dennoch verärgert und kritisiert, dass all das von Stadt und Bahn nicht im Vorfeld kommuniziert wurde. „Wenn ich privat eine Garage baue, bin ich verpflichtet, ein Schild aufzustellen. Und bei so einer Riesenmaßnahme kommt nichts?“, wundert sich der Familienvater. 

Bauprojekt in der Paosostraße - Anwohner wollen Informationen

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie würde er zudem gern von den Bauträgern mehr über die Verhältnismäßigkeit erfahren. Die Bahn verweist darauf, dass es bisher nur vorbereitende Arbeiten seien. „Wenn die konkreten Brückenbauarbeiten beginnen, werden wir sowohl eine Bautafel aufstellen als auch die Anwohner mit Informationen in ihren Briefkästen versorgen.“ Wann dies so weit ist, kann die Bahn noch nicht sagen. Zuerst müssten die Bauleistungen ausgeschrieben und vergeben werden.

R.Ebert-Adeikis/A. Schwarzbauer

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