Sanierung der Frauenkirche

Werkeln am Wahrzeichen

MÜNCHEN Anna-Maria Stubenrauch koordiniert die Sanierung der Frauenkirche

An Ostern wird die Baustelle am Münchner Domplatz aufgemacht –

ausnahmsweise. „Für die Osterprozession, damit die Kirchengemeinde durch den Haupteingang ziehen kann“, erzählt Anna-Maria Stubenrauch (Foto), Baudirektorin beim Staatlichen Bauamt I und federführend bei der Sanierung der Frauenkirche. Sonst ist das Areal rund um die beiden Türme für die Öffentlichkeit tabu – an Münchens Wahrzeichen wird kräftig gewerkelt. Und das schon seit Jahren: 2008 wurde der Nordturm eingerüstet, mittlerweile ist der Südturm dran. Beide waren derart marode, dass der Dom zu bröckeln begann. Stein für Stein wird nun geprüft, 180 000 Stück pro Turm! „Mit den Türmen wollen wir bis Mitte 2016 fertig sein, dann kommt aber noch das Kirchenschiff dran“, sagt Stubenrauch. Zeit für einen Zwischenstand an Münchens prominentester Baustelle – in Hallo München von A bis Z. Isabel Steffens

Baudirektorin Anna-Maria Stubenrauch von A bis Z

Auslöser: 2004 haben wir festgestellt, dass ein großes Schadensbild am Dom vorhanden ist, besonders beim Naturstein im Mauerwerk der Türme. Da waren Abplatzungen und lose Teile, die die Verkehrssicherheit des Domplatzes gefährdeten.

Backsteine: Die Fassade eines Turms umfasst grob 180 000 Ziegel. Ein Restaurator klopft jeden einzelnen Stein ab und stellt fest, was gemacht werden muss. Etwa 20 000 Ziegel werden neu eingesetzt.

Chefin bin ich nicht, aber Abteilungsleiterin im Staatlichen Bauamt und federführend für die Restaurierung des Doms. Meine Aufgaben sind die Koordination und die Erstellung der Sanierungskonzepte.

Dach: Das Dach ist in ziemlich gutem Zustand. Der Dachstuhl innen muss aber verstärkt werden.

Erklimmen: Man kann nur den Südturm besteigen. Das sollte ab 2017 wieder möglich sein. Der Nordturm ist zwar auch begehbar, aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Fuge: Jeder Stein ist in eine Fuge eingebaut, und auch da prüfen wir jede einzelne. Bei früheren Sanierungen wurde teilweise ein sehr harter, zementhaltiger Mörtel verwendet – der wurde im Laufe der Jahre porös.

Gefahr: Der Zustand der Kirche war sehr gefährlich. Große Teile des Mauerwerks waren völlig lose, es hatten sich Risse gebildet, Mörtel war aus den Fugen gebrochen. Auch die Fenster mussten wir notsichern, damit die Scheiben in sich stabil sind. Zum Glück ist nie etwas passiert.

Höhe: Wir arbeiten bis unter die Haube, das sind 86 Meter. Insgesamt haben die Türme ja fast 100 Meter. Der Nordturm ist zwölf Zentimeter höher als der Südturm. Die Hauben selbst werden von Kletterern geprüft.

Innensanierung: Dafür ist das Staatliche Bauamt nicht zuständig, wir machen nur „Dach und Fach“. Das geht auf ein Konkordat von 1824 zurück: Da verpflichtete sich der Freistaat, dass er den Unterhalt von Dach und Fach der Dome macht.

Jahrelang: Mit der Einrüstung des Nordturms haben wir im Herbst 2008 angefangen. Bis 2009 haben wir den Schaden kartiert, im Sommer 2010 haben dann die eigentlichen Bauarbeiten begonnen.

Kosten: Genau kann man die Kosten nicht beziffern, aber die Sanierung von einem Turm beträgt etwa drei Millionen Euro. Was das Kirchenschiff kosten wird, können wir noch gar nicht sagen.

Lieblingsort: Bei gutem Wetter natürlich ganz oben auf dem Gerüst unter der Turmhaube. Man sieht schön über München und bei Föhn bis zu den Alpen. Höhenangst darf man allerdings nicht haben.

Mitarbeiter: Das Konzept hat ein etwa zehnköpfiges Team aus Architekten, Restauratoren, Tragwerksplanern und Naturwissenschaftlern erstellt. Vor Ort sind es rund 15 bis 20 Mitarbeiter: Architekten, Steinmetze, Maurer und Restauratoren.

Naturstein: Wir verwenden den sogenannten Wiesentuff. Das ist das gleiche Material, das zur Erbauerzeit benutzt wurde. Er ist sehr witterungs- und frostbeständig.

Original: Oberstes Prinzip ist es, den Originalzustand so gut wie möglich zu erhalten. Optisch sieht man natürlich, dass eine Restaurierung vorgenommen wird. Aber wir gleichen uns dem Bestand so gut wie möglich an: Wir haben Ziegel in sechs verschiedenen Farben, die gemischt werden. Diese Farben werden extra für den Münchner Dom gefertigt.

Problematisch ist es vor allem, die historische Bausubstanz nicht zu beschädigen, zum Beispiel die Fugen. Da kann man nicht mit einem großen Kompressor hingehen, das ist wirklich Handarbeit.

Quadratmeter: Wir prüfen nur die Außenfläche, das sind bei einem Turm etwa 3600 Quadratmeter. Das Mauerwerk nach innen ist intakt, da gibt’s ja keine Probleme mit der Witterung.

Respekt habe ich auf jeden Fall. Das Wahrzeichen Münchens zu sanieren ist eine besondere Herausforderung. Von Routine kann man überhaupt nicht sprechen.

Schaden: kommt durch Verwitterung und Feuchtigkeit. Der Naturstein gibt sehr viel Feuchtigkeit ab, die dringt ins Mauerwerk. So haben sich im Laufe der Jahre schädliche Salze gebildet.

Technik: Die Ziegel werden handgefertigt – so wie man es früher gemacht hat. Auch der Naturstein kommt dem historischen Stein sehr nahe. Früher kam er aus der Umgebung von München. Für den Nordturm hatten wir ihn aus Weilheim, also auch nicht weit weg. Der Steinbruch ist jetzt aber ausgeschöpft, für den Südturm kommt er nun aus Bad Langensalzach.

Unwetter: Der Aufzug am Gerüst fährt bei starkem Wind nicht, da ist Arbeiten tabu. Weil die Sanierung so witterungsabhängig ist, kann man den Zeitplan nie genau vorhersehen oder einhalten.

Vergangene Sanierungen: Es gab eine große von 1890 bis 1930. Dann natürlich nach dem Krieg 1946, und schließlich von 1990 bis 1995. Wir hoffen natürlich, dass die jetzige Sanierung lange halten wird – aber das kann man schlecht abschätzen.

Wahrzeichen: Bis Mitte 2016 soll der Südturm fertig sein. Dann kommt aber noch das Kirchenschiff dran. Wann wir komplett fertig sind, ist noch nicht absehbar.

X-fach: Ich arbeite an mehreren Kirchen in München. Daneben kümmere ich mich aber auch um Neubauten, derzeit vor allem für die Justiz.

Yes: Die Turmbesteigung ist für viele Touristen ein Muss. Die sind schon enttäuscht, dass geschlossen ist. Viele fragen deswegen bei der Domkirchenstiftung nach.

Ziffernblatt: Die Uhren in ganz München sind unter Obhut des städtischen Baureferats. Das Ziffernblatt ist wieder oben, aber es geht noch nicht. Sollte aber bald wieder funktionieren.

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