Alt-OB Christian Ude

„Schlauer als Oxi – ein Ja“

Christian Ude und Ehefrau Edith von Welser-Ude auf Mykonos. Sie verbringen dort zwei Monate im Jahr.

Der Alt-OB und Ehrenbürger von Mykonos Christian Ude (67) über Griechenland, das Referendum, Euro und Kommunalpolitik

Gigantische Erleichterung – so beschreibt Christian Ude seine Reaktion auf die Einigung mit Griechenland

in Brüssel. „Die Durststrecke liegt noch vor den Geldgebern und vor Griechenland, aber endlich hat man einen konstruktiven Weg gefunden, bei dem sich auch in Griechenland etwas ändern muss.“ Der Griechenland-Fan und Mykonos-Ehrenbürger war bestürzt über die Scharfmacher auf beiden Seiten der Debatte. „Jetzt sollte jeder vom hohen Ross herunterkommen, die eigenen Fehler einsehen und die Zukunft ins Zentrum rücken.“ Die vorgeschlagenen Privatisierungen hält Münchens ehemaliger OB für einen guten Weg: „Es gibt in Griechenland viele Vermögenswerte, die brach liegen.“ Und er ist optimistisch, dass das griechische Parlament den Maßnahmen zustimmt. „Es ist an der Zeit für Opposition und Regierung, das Kriegsbeil zu begraben.“ Die Umsetzung wird er dann wahrscheinlich schon vor Ort miterleben. Im September fahren die Udes wieder für einen Monat in ihre Zweitheimat, Mykonos. Ein Urlaub vom Ruhestand, den der 67-Jährige brauchen kann. Zwischen Kabarett-Auftritten und Volkshochschulkursen berät er einen der Bürgermeister Istanbuls, reist für die Stiftung „Menschen für Menschen“ nach Äthiopien, diskutiert öffentlich mit Polit-Größen wie Gregor Gysi, Theo Waigel oder Theresa Schopper. Nur eines kommentiert der Alt-OB ungern: Kommunalpolitik. „Man muss auch loslassen können“, so Ude, der über 20 Jahre lang als Oberbürgermeister regierte. „Ich will nicht ständig in Münchner Themen hineinreden.“ Was ihn aber doch umtreibt und mehr Einschätzungen zur Griechenland-Krise, verrät Ude im A bis Z. Maren Kowitz

Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (67) von A bis Z

Alt-OB ist eine schreckliche Bezeichnung für einen wunderbaren Lebensabschnitt, klingt wie Altlasten, aber es ist wie Ferien, nur auf Dauer.

Blechschaden: eine Formation der Blechbläser der Münchner Philharmoniker. Im Dezember gehen wir gemeinsam auf Tournee. Keine Angst, ich spiele nicht mit, bin nur der Erzähler.

Chancen für Griechenland sind massenhaft versäumt worden: von den Griechen durch keine wirksame Steuergesetzgebung und -verwaltung, kein Grundstückskataster, keinen starken Wirtschaftszweig außer Tourismus, keine überfällige Reduzierung des Militärs. Aber auch von Europa durch viele Spar-Qualen und wenig Aufbauhilfen. Deutsche Politiker haben ihre Partei­freunde auf Hellas gewähren lassen, deutsche Unternehmen tüchtig bestochen. Also Schluss mit der Selbstgerechtigkeit auf beiden Seiten!

Doppelter Ude: Das Programm, in dem ich gemeinsam mit meinem Nockherberg-Double Uli Bauer auftrete, macht mir viel Spaß!

Euro: Ohne die gemeinsame Währung hätten wir mehr Probleme, nicht weniger. Jetzt muss diskutiert werden, wie Europa zukunftsfähig wird. Ohne Dauerkrisen und ohne Rückfall in vergangene Zeiten.

Flüchtlinge waren noch nie so zahlreich auf unserem Globus wie jetzt: über 60 Millionen Menschen. Da kann sich ein wohlhabendes Land nicht verschließen.

Grexit stellen sich viele viel zu einfach vor. Wenn die Ersatzwährung abstürzt, werden zwar Exporte billiger. Aber was kann Griechenland exportieren? Importe werden unbezahlbar – das verschärft die Not. Und humanitäre Hilfe wird die EU sowieso weiterhin gewähren müssen.

Haushalt: Die schönen Zeiten, wo ich nur gelegentlich den Mülleimer runtertragen musste, sind vorbei. Hätte nie gedacht, dass da so viel anfällt.

Istanbul fasziniert mich, seit ich 1972 das erste Mal dort war. Jetzt berate ich einen Bürgermeister im asiatischen Teil der Stadt, helfe beim Aufbau einer zweiten Messe und bereite eine deutsch-türkische Konferenz vor.

Ja wäre beim Referendum in Griechenland schlauer gewesen als Oxi. Mit dem Nein hat die Athener Regierung Misstrauen in Europa und Illusionen in der Bevölkerung genährt und dann beim nochmaligen Umfall Glaubwürdigkeit verloren. Aber es hilft alles nichts: Man muss sich zusammenraufen!

Konzertsaal-Debatte dauert schon zwölf Jahre. Jetzt haben die Befürworter entdeckt, dass man dafür tatsächlich ein Grundstück braucht, das man wirklich erwerben kann und das auch zur Verfügung steht. Zu dieser blitzschnellen Erkenntnis kann man der Staatsregierung und dem Feuilleton nur gratulieren.

Lach- & Schießgesellschaft gehört zu Schwabing wie das Siegestor. Die Käufer der Immobilie haben ja wohl beim Erwerb gewusst, was sie kaufen. Wer ein Denkmal erwirbt, braucht sich nicht über den Denkmalschutz zu beschweren. Wenn sich dies aus seiner Sicht nicht lohnt, hätte der Investor stattdessen neuen Wohnraum schaffen sollen.

Mykonos ist unverändert unsere Lieblingsinsel. Wir lieben Land und Leute und die Architektur der Insel. Deshalb sind meine Frau und ich jetzt jedes Jahr zwei Monate dort.

Nein sagen ist bei einem Sparpaket leicht. Aber was kommt dann stattdessen? Ein Geschenkkorb?

Oktoberfest ist noch schöner, wenn man dort keine Amtshandlungen auszuüben hat. Natürlich hat das Anzapfen 20-mal Spaß gemacht. Doch jetzt bin ich auf der Wiesn entspannter.

Projekte gibt es nach wie vor in Hülle und Fülle. Aber ich kann mir aussuchen, was ich machen mag statt in einen überfüllten Terminkalender hineingepresst zu werden.

Quatsch ist die weit verbreitete Auffassung, man würde im Ruhestand in ein schwarzes Loch fallen. Das haben wohl Arbeitgeber erfunden, um ihre Beschäftigten bei Laune zu halten.

Radeln ist meine Leidenschaft, kreuz und quer durch die Stadt. Man kann überall anhalten, ohne einen Parkplatz suchen zu müssen. Und man sieht die Welt nicht nur durch die Windschutzscheibe.

Schwabing ist seit 67 Jahren meine Heimat. Trotz aller Missstände auf dem Immobilienmarkt ein kulturell äußerst aktives Viertel. Deshalb engagiere ich mich jetzt auch in der „Traumstadt“, einer künstlerischen Vereinigung, die zwar nicht mit Schwabing identisch ist, aber viel damit zu tun hat.

TSV 1860: Die Löwen gehören zu den Themen, bei denen ich es genieße, dass ich mich nicht mehr dazu äußern muss.

Ude and friends: So heißen die Konzert- und Kabarett-Abende, die ich viermal im Jahr im Prinzregenten-Theater veranstalte. Am 5. November besuchen mich Andreas Giebel, Dieter Hanitzsch und die „nouWell Cousines“.

Volkshochschule: Dort habe ich 1968 meinen ersten Kurs gegeben, „Politik der Woche“ mit aktuellen Themen und prominenten Gästen. Nach 45-jähriger berufsbedingter Pause lasse ich ihn ab dem 27. Oktober wieder aufleben.

Wohnen wird immer teurer, weil München so begehrt ist. Deshalb sollte die öffentliche Hand ihren Wohnungsbestand aufstocken, nicht Wohnungen verscherbeln wie der Freistaat, über 8000 Wohnungen der GBW AG!.

X-mal habe ich schon selber gekocht. Meine Frau lernt mich an – ich kann jetzt schon viele Nudelgerichte mit unterschiedlichsten Saucen.

Y: Das ist der ultimative griechische Buchstabe. Sogar im Französischen wird er als „i grec“, also „griechisches i“, bezeichnet.

Zweisamkeit: Das ist nun kein seltener Glücksfall mehr, sondern ein dauerhafter glücklicher Zustand.

Auch interessant:

Meistgelesen

Nach Insolvenz von Alfons Schuhbeck: Fast alle Betriebe in München bleiben erhalten
München Mitte
Nach Insolvenz von Alfons Schuhbeck: Fast alle Betriebe in München bleiben erhalten
Nach Insolvenz von Alfons Schuhbeck: Fast alle Betriebe in München bleiben erhalten
Trickbetrug am Tatort Weihnachtsmarkt
Trickbetrug am Tatort Weihnachtsmarkt
Viel Information bei der Kirchheimer Bürgerversammlung
München Nordost
Viel Information bei der Kirchheimer Bürgerversammlung
Viel Information bei der Kirchheimer Bürgerversammlung
50 Jahre OEZ: Zeit für ein modernes Shopping-Konzept
München Nord
50 Jahre OEZ: Zeit für ein modernes Shopping-Konzept
50 Jahre OEZ: Zeit für ein modernes Shopping-Konzept

Kommentare