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Affenpocken in München ‒ Erster Virus-Patient in Deutschland wieder genesen und aus Klinik Schwabing entlassen

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Von: Jonas Hönle, Marco Litzlbauer

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Klinikum Schwabing München
Der erste Affenpocke-Fall in Deutschland wurde aus der München Klinik in Schwabing entlassen. © Sven Hoppe/dpa

Affenpocken in München: In der Klinik Schwabing wurden Patienten, die sich mit dem Virus infiziert hatten, behandelt. Darunter auch der erste Fall in Deutschland.

Update: 07. Juni

In München sind zwei Patienten, die sich mit dem Affenpocken-Virus infiziert hatten, wieder genesen und wurden aus der Klinik Schwabing entlassen. Das teilte das Krankenhaus am Dienstag mit.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Affenpocken-Virus in München - Zwei Patienten wieder genesen und aus Klinik Schwabing entlassen

Seit dem 20. Mai wurde der deutschlandweit erste bestätigte Affenpocken-Fall in der München Klinik Schwabing behandelt. Die dortige Infektiologie ist eines von nur sieben Kompetenzzentren zur Behandlung von hochinfektiösen Erregern in Deutschland.

Der 26-jährige Brasilianer wurde nun am vergangenen Wochenende symptomfrei entlassen und kann wieder in seine Heimat zurückkehren.

Ein zweiter Affenpocken-Patient befand sich seit dem 24. Mai zur medizinischen Versorgung in der Klinik. Der 32-Jährige wurde bereits letzte Woche in die häusliche Isolation entlassen, nachdem das Bundesgesundheitsministerium gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) die entsprechenden Rahmenbedingungen der mindestens 21 Tage dauernden Isolation (seit Symptombeginn) definiert hatte.

Beide Patienten hatten milde Krankheitsverläufe mit den typischen Hautveränderungen wie Pusteln bzw. Pocken.

Aktuell werden keine Patienten mit Affenpocken-Virus mehr in der München Klinik klinisch versorgt.

Die Zahl der Affenpocken-Infizierten in Deutschland steigt. Die Stiko gibt nun eine Empfehlung für eine Impfungen gegen das Virus. Für welche Personen die gilt...

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Affenpocken in München: Zweiter Fall in München Klinik - was über Patienten und Krankheitsverlauf bekannt ist

Update, Dienstag, 24. Mai:

In München ist ein zweiter Fall von Affenpocken bestätigt worden. Der Patient stammt aus München und befindet sich isoliert in der München Klinik Schwabing. Das Gesundheitsreferat hat bereits Ermittlungen zu Kontaktpersonen eingeleitet. Das geht aus einer Mitteilung der München Klinik hervor.

Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Bayern wird vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit als gering erachtet.

Affenpocken in München: Zweite Person ist keine Kontaktperson des ersten Falls

In der München Klinik Schwabing wird auch der am vergangenen Freitag bestätigte erste Fall von Affenpocken in Bayern isoliert behandelt. Der 26-jährige Mann hat mittlerweile keine Allgemeinsymptome mehr wie Schluckstörungen und erhöhte Temperatur, jedoch weiterhin pockenartige Hautveränderungen, die einen entsprechenden Juckreiz auslösen.

Das Gesundheitsreferat hat vier enge Kontaktpersonen des Mannes unter Quarantäne gestellt, die bisher keine Symptome aufweisen.

Bei dem nun bestätigten zweiten Fall handelt es sich nicht um eine Kontaktperson des ersten Falls.

Die aktuelle Corona-Inzidenz in München, Bayern und Deutschland am Dienstag im Überblick.

Affenpocken in München: Zweite Person kam von Reise aus Gran Canaria

Der 32-jährige Mann war am 17. Mai von Gran Canaria nach München zurückgekehrt. Nachdem er am 19. Mai erste Symptome bemerkt hatte, isolierte er sich zunächst zuhause und begab sich dann am 23. Mai zur Behandlung in die München Klinik Schwabing.

Nach eigener Aussage hatte er seit seiner Rückkehr keine infektionsrelevanten Kontakte. Die Versorgung des Mannes, dessen Symptomatik in den typischen Hautveränderungen (Pusteln bzw Pocken) besteht, die entsprechend topisch mit einer Zinkpaste behandelt werden, findet isoliert vom übrigen Klinikbetrieb in der Infektiologie der München Klinik Schwabing statt.

Der am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr durchgeführte PCR-Test erkennt gezielt Infektionen mit dem Affenpockenvirus. Ob es sich um den west- oder zentralafrikanischen Virusstamm handelt, wird eine laufende Sequenzierung in den nächsten Tagen ergeben.

Ein weiterer bayernweiter Affenpocken-Fall ist inzwischen in Ansbach bestätigt worden.

ERSTMELDUNG

Nach den ersten Fällen von Affenpocken in Deutschland - der erste Fall wurde am Freitag, 20. Mai, in München gemeldet - sehen Mediziner Risiken für Menschen mit stark geschwächten Immunsystemen.

Affenpocken in München und Deutschland: RKI und behandelnde Ärzte geben Einschätzung ab

Von einer großen Ansteckungswelle in der Bundesrepublik gehen laut eines dpa-Berichts aber weder die behandelnden Ärzte des ersten Affenpocken-Patienten in München noch das Robert Koch-Institut aus. Mittlerweile sind drei Fälle in Deutschland bekannt: der erste in München, die beiden weiteren in Berlin.

Es gebe immunsupprimierte Patientengruppen, bei denen Vorsicht geboten sei, sagte Clemens Wendtner Chefarzt der Infektiologie am Schwabinger Krankenhaus in München. Dort wird ein 26 Jahre alter Patient aus Brasilien behandelt, der an der ersten je in Deutschland festgestellten Affenpocken-Erkrankung leidet.

Affenpocken in München und Deutschland: Impfstoff seit 2013 in der EU zugelassen

Immunsupprimiert bedeutet, dass Patienten kaum Abwehrkräfte haben. „Dazu gehören beispielsweise HIV-Patienten ohne ausreichende medikamentöse Krankheitskontrolle, aber zum Beispiel auch Tumorpatienten mit schwerer Immunsuppression etwa nach Stammzelltherapie“, sagte Wendtner auf Anfrage.

Seit 2013 ist in der EU demnach der Impfstoff Imvanex zugelassen. „Dies ist ein Lebendimpfstoff, der aus einer abgeschwächten Form des Pocken-Impfstoffs hergestellt wird. Die Erreger sind so abgeschwächt, dass sie sich nicht vermehren können, sonst könnten immungeschwächte Patienten nicht geimpft werden“, sagte der Wissenschaftler. „Wir haben nun eine Diskussion, wie man diese Risikogruppen besser schützen könnte und ob man eine sogenannte Riegelimpfung für sie einführen sollte.“

Riegelimpfungen sind nach Wendtners Erläuterung Impfungen, die für bestimmte Bevölkerungsgruppen - in diesem Fall die Immunsupprimierten - begrenzt eingeführt werden könnten, um die weitere Ausbreitung des Affenpockenvirus zu unterbinden.

Affenpocken in München und Deutschland: Klassische Pockenimpfung sollte hohen Schutz bieten

„Wir gehen davon aus, dass die ältere Generation, die vor 1980 noch gegen die klassischen Pocken geimpft wurde, einen sehr hohen Schutz auch gegen Affenpocken hat, diese Menschen sind sehr wenig bis gar nicht gefährdet.“

+++ Die aktuellen Corona-Zahlen für München von Sonntag, 22. Mai +++

Mit dem Medikament Tecovirimat gibt es nach Wendtners Worten auch eine seit Januar 2022 in der EU zugelassene Therapiemöglichkeit für die Affenpocken-Erkrankung. Darüber hinaus könnte dieses Medikament gegebenenfalls auch jenseits der offiziellen Zulassung als Post-Expositions-Prophylaxe, also der vorbeugenden Behandlung nach Kontakt mit dem Erreger, eingesetzt werden.

Affenpocken in München: Medikament auf dem Weg nach Schwabing

„Tecovirimat ist ein kleines Molekül, das die Bildung des schützenden Hüllproteins des Affenpocken-Erregers verhindert, so dass die Virusfreisetzung aus der Wirtszelle verhindert wird“, sagte Wendtner. „Das Mittel ist auf dem Weg nach Schwabing - nicht unbedingt für unseren Patienten, aber für nicht auszuschließende weitere Fälle.“

Der Münchner Patient leidet an der milderen der zwei bekannten Virusvarianten. Das hat die Genom-Analyse des Erregers am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ergeben, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Der Mann war von Portugal über Spanien nach München gereist und hatte sich zuvor in Düsseldorf und Frankfurt am Main aufgehalten.

Der Mann hat sich demnach mit der westafrikanischen Variante angesteckt, die seltener zu schweren Verläufen führt als die zentralafrikanische Virusvariante. Das Schwabinger Krankenhaus verfügt über eine hoch spezialisierte infektiologische Station.

Affenpocken: Patient in München Klinik geht es wohl relativ gut

„Dem Patienten geht es nach wie vor gut, er hat relativ wenig Symptome“, sagte Wendtner. „Er hat Hautläsionen an mehreren Stellen, aber er fiebert nicht und leidet nicht an Atemnot.“ Untergebracht ist der 26 Jahre alte Mann in einem Einzelzimmer mit vorgeschalteter Schleuse. „Im Patientenzimmer herrscht Unterdruck, so dass keine Luft unkontrolliert nach außen entweichen kann. Die Abluft wird zusätzlich über eine virusdichte Filteranlage aufgereinigt“, sagte der Mediziner.

„Von diesen besonders ausgestatteten Infektionsstationen, die zwar zur Versorgung von Affenpocken-Patienten nicht zwingend erforderlich sind, aber dennoch höchste Sicherheitsstandards für andere Patienten und medizinisches Personal garantieren, haben wir in Deutschland leider zu wenige.“

Affenpocken in München und Deutschland: Infizierte wohl drei bis vier Wochen ansteckend

Die Wissenschaft geht nach Worten Wendtners davon aus, dass mit Affenpocken infizierte Patienten drei bis vier Wochen ansteckend sind. „Unser Patient ist seit 13./14. Mai symptomatisch, so dass er noch zwei bis drei Wochen vor sich hätte. Das hängt aber natürlich immer vom individuellen Verlauf der Infektion ab.“

Es handle sich um eine klassische Schmierinfektion, „die durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten, aber auch das gemeinsame Nutzen von Bettwäsche oder das Teilen von Kleidung von Infizierten übertragen wird. Promiskuität und ungeschützter Geschlechtsverkehr sind Risikofaktoren.“

„Allgemein geht man davon aus, dass die westafrikanischen Affenpocken eine Sterblichkeit von insgesamt einem Prozent haben, das betrifft vor allem Kinder unter 16 Jahren“, sagte Wendtner.

„Man muss aber bedenken, dass diese Daten aus Afrika nicht zwingend übertragbar auf das Gesundheitswesen in Europa oder den USA sind, bei uns wäre die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen. Das ist eine Erkrankung, die meines Erachtens nicht das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu gefährden.“

Der Erreger der Affenpocken ist aber in die Risikogruppe drei eingestuft. „Das ist die zweithöchste Sicherheitsstufe“, sagte Wendtner. „Die Aufarbeitung dieser Viren darf nur in Speziallaboren erfolgen, von denen es nicht viele gibt.“

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