Bilder bekommen neues Eigenleben

Lichtkünstler Johannes Reihl tritt bei "Töne im Tunnel" auf

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So stellt sich Johannes Reihl den Abend im Hermann-Hesse-Tunnel vor. Seine Lichtinstallationen sollen die Jazz-Musik des Weißmann-Trios ergänzen.

Pasing: Was kaputte Dias damit zu tun haben, erfahren Sie hier.

Erstmals gibt es bei „Töne im Tunnel“ am Freitag, 15. September, in Pasing auch etwas für die Augen. 

Während das Frank-Oliver-Weißmann-Trio für Musik sorgt, wird der Laimer Künstler Johannes Reihl (Foto) seine Lichtinstallationen an die Wand des Hermann-Hesse-Tunnels werfen. Der 63-Jährige arbeitet seit 30 Jahren als Lichtkünstler. Im Gespräch mit Hallo verrät Reihl, was er vorhat und wie ihn kaputte Dias zum Lichtkünstler werden ließen.

Herr Reihl, was haben Sie am 15. September im Hermann-Hesse-Tunnel vor?

Ich werde Bilder auf die Rundung der Tunnelwand gegenüber des Durchgangs werfen. Die Motive möchte ich jetzt nicht verraten, zumal ich erst nach einem Test am Vortag die Auswahl treffe.

Was ist die Herausforderung an einer Installation im Tunnel?

Die Krümmung der Betondecke ist anspruchsvoll. Außerdem muss ich mit den Bildern eine Kulisse für die Jazzmusik bilden.

Wie sind Sie überhaupt Lichtkünstler geworden?

Es war Mitte der 80er-Jahre, als ich mich noch hauptsächlich der Malerei und Fotografie widmete. Während einer Schaffenskrise begann ich in einem Anfall von eingebildetem Reinigungsprozess, bereits vollendete Bilder zu übermalen und etliche meiner Dias zu zerstören. Die Filme habe ich mit scharfen Messern und Scheren zerkratzt und mit Farbe bekleckert. Aus irgendeinem Grund projizierte ich die zerkratzten Dias auf eine große Wand und die Bilder bekamen ein völlig neues Eigenleben. Probehalber habe ich den Projektor weg von der Leinwand in die Natur gerichtet. Die Bilder wurden nicht nur größer, sie wurden auch dreidimensional. Darüber hinaus konnten sie ein ganz normales Gebäude vollkommen verfremden und architektonisch entstellen. Da beschloss ich, die Leinwand zu verlassen und direkt in die Landschaft zu projizieren.

Wo haben Sie schon überall Lichtinstallationen gemacht?

Ich habe bereits Bilder auf die Bayerische Landesbank, die Münchner Residenz, das Künstlerhaus am Lenbachplatz und den Kölner Hauptbahnhof projiziert und bin im Rahmen der Wiener Festspiele, dem Mozartjubiläum in Salzburg oder beim Bavarian Cultural Festival in China aufgetreten.

Ist Ihnen ein Projekt besonders in Erinnerung geblieben?

Eine besondere Installation war in einem Kieswerk in Gräfelfing, bei der ich venezianische Paläste auf die Kiesberge geworfen habe. Aus der Distanz sah es so aus, als würden die Besucher auf den Dogenpalast klettern. Es ist immer etwas Besonderes, das Publikum in die Lichtbilder miteinzubeziehen.

Andreas Schwarzbauer

„Töne im Tunnel“ findet im Rahmen der Nacht der Umwelt am Freitag, 15. September, von 20.30 bis 21.15 Uhr statt. Das weitere Programm zur Nacht der Umwelt finde Sie hier.

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