Von Giesing mit dem Rad um die Welt

Bambus-Basti auf Welttour

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Aus Bambus und Epoxidharz baute Sebastian Gutmann in einem Workshop das Fahrrad für die Reise.

Giesing: Sebastian Gutmann heißt nur noch „Bamboo-Basti“. Aus Bambus hat sich der 25-jährige Giesinger ein Rad gebaut, mit dem er jetzt den Globus umrunden will.

Seine positive Art steckt an – so wurde aus Sebastian Gutmanns Idee, eine Weltreise mit dem Fahrrad zu machen, ein großes Projekt mit nachhaltiger Botschaft. Am 11. Juni bricht „Bamboo-Basti“ im Rahmen des RadlKult-Festivals mit seinem selbstgebauten Bambus-Fahrrad auf, um in zwei Jahren den Globus zu umrunden – eines der Highlights der Münchner Feierlichkeiten zum Jubiläum „200 Jahre Fahrrad“ (siehe unten). Die Münchner sind eingeladen, den 25-Jährigen auf seiner ersten Etappe zu begleiten, doch dann liegen noch rund 40 000 Kilometer vor ihm.

Wie aus Sebastian Gutmann „Bamboo-Basti“ wurde? Vor sieben Jahren hatte der gebürtige Schwarzwälder in einem Sägewerk einen schweren Unfall. „Ich hätte fast meine linke Hand verloren“, erzählt Gutmann. 13-mal wurde er operiert, eine lange Genesungsphase folgte. „Ich stellte mir in dieser Zeit Sinnfragen wie ‚Ist Arbeit eigentlich alles im Leben?‘“. In ihm reifte der Wunsch, eine Arbeit zu finden, die er mit Leidenschaft verbinden kann. Also ergriff er die Chance nach München zu ziehen, um sich zum Kaufmann für Marketingkommunikation ausbilden zu lassen.

Zu gleicher Zeit entdeckte er das Reisen und trampte durch Europa. Jetzt will er andere Länder kennenlernen, 24 in 24 Monaten. „Am meisten freue ich mich bei meiner Reise auf Neuseeland und den Iran“, verrät er, da er ein Buch über Couchsurfing im Iran gelesen hat. Denn so, mit kostenlosen Schlafmöglichkeiten bei gastfreundlichen Menschen und mit Zelt im Gepäck, möchte er zwei Jahre lang übernachten.

Um die Reise möglich zu machen, verkauft er all seine Sachen und greift auf Erspartes zurück. Seine vor zwei Jahren gegründete Firma, in der er Unikat-Möbel schreinert, führt ein Freund weiter. Seine beiden Leidenschaften, Handwerken und Fahrradfahren, kamen zusammen, als er sich für den Trip ein Fahrrad selbst baute – aus Bambus. „Das ist leicht, stabil und schön“, schwärmt er. „Ich habe mich sofort in das Material verliebt.“ So kam er auch zu seinem Spitznamen. „Eine Freundin erfand ,Bamboo-Basti“, so der 25-Jährige. Somit war ein Titel für das Projekt Weltreise gefunden, das kein Ego-Trip werden soll. In Kooperation mit der Münchner Initiative „Plant for Planet“ möchte er aufrufen, ebenso viele Bäume zu pflanzen, wie er Kilometer um die Erde radelt: genau 40 075 Kilometer lang ist seine Route. Im Training ist Gutmann, der sich seit fünf Jahren vegan ernährt, sowieso. Seit er 15 Jahre alt ist fährt er Rennrad, fuhr unter anderem in sechs Tagen von München nach San Remo. Doch um die Welt auf einem Bambus-Rad, das wird die ultimative Herausforderung. Kein Grund zur Sorge, verrät er: „Ich liebe Herausforderungen.“
Sabina Kläsener

Münchens Radl-Show: Diese Aktionen sind zum großen Jubiläum geplant

Die Stadt will anlässlich seines 200. Geburtstags das Fahrrad und die Münchner Fahrradfahrer ganz groß rausbringen.

- „We love Radl“: bei der größten Sonderaktion sind alle Münchner ab dem 19. Mai eingeladen, mit oder auf ihrem Fahrrad ihrer Begeisterung für dieses Fortbewegungsmittel Ausdruck zu verleihen. Die Beiträge werden von einer mobilen Filmcrew aufgenommen. Casting-Termine sind am 19. Mai von 13 bis 19 Uhr am Coubertinplatz, am 20. /21. Mai auf dem Streetlife Festival, am 23./24. Mai von 12 bis 17 Uhr auf dem Geschwister-Scholl-Platz, am 25. Mai von 15 bis 20 Uhr am Max-Joseph-Platz, am 2./3. Juni von 14 bis 19 Uhr am Rotkreuzplatz sowie am 4./5. Juni von 14 bis 19 Uhr am Harras. Per Online-Voting werden dann die drei besten Clips gewählt und auf der Radlnacht am 24. Juni auf dem Königsplatz prämiert.

- Das „RadlKult“-Festival lädt am 10./11. Juni ins Kreativquartier am Leonrodplatz zu Workshops, Bike-Polo, Lastenrad-Parcours, Radl-Disko und vielem mehr ein. Hier startet auch Sebastian Guthammer mit seinem Bambusrad die Weltumrundung (siehe oben).

- Das Deutsche Museum zeigt ab dem 28. Juli im Verkehrszentrum an der Schwanthalerhöhe die Ausstellung „Balanceakte“. Dort ist nicht nur die Geschichte des Fahrrads zu sehen, sondern auch private Fotos und Geschichten rund ums Rad, die Münchner eingeschickt haben.

- Bei der „Radlnacht“, die am 24. Juni am Königsplatz um 20.30 Uhr startet, können Münchner eine ganz besondere Rundfahrt durch die Stadt erleben.

sab

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