Bernd Helfrich und Mona Freiberg im Gespräch mit Hallo München

Zwischen Striptease und Außerirdischen

Bernd Helfrich auf die Frage, wie es dem Ehepaar zwei Monate nach dem BR-Aus geht: „Jetzt haben wir ein bisschen mehr Zeit für uns.“
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Bernd Helfrich auf die Frage, wie es dem Ehepaar zwei Monate nach dem BR-Aus geht: „Jetzt haben wir ein bisschen mehr Zeit für uns.“

Seit 34 Jahren leiten sie das Chiemgauer Volkstheater: Bernd Helfrich und Mona Freiberg.­ Wie es nach dem BR-Aus mit ihnen ­weitergeht, verrät das Ehepaar im Hallo-Interview.

Das Schauspieler-Ehepaar steht in der Komödie im Bayerischen Hof für das neue Stück „Landeier – Bauern suchen Frauen“ auf der Bühne (Hallo verlost Tickets). Wie es mit dem Chiemgauer Volkstheater nach dem BR-Aus weitergeht, was man in Bayern nicht sagen darf und wie das Ehepaar über den Ruhestand denkt, verraten die beiden hier.
von SABINA KLÄSENER

Ende Juni wurde bekannt, dass der BR die Zusammenarbeit mit dem Chiemgauer Volkstheater beendet. Ihre Abschiedsrede klang wehmütig, aber auch zuversichtlich. Wie ist jetzt, zwei Monate später, die Gefühlslage?
Bernd Helfrich: Uns geht’s im Moment sehr gut. Was uns einfach Leid tut, das sind unsere Mitarbeiter. Die haben von uns und von den Fernsehproduktionen gelebt. Wir haben Leute dabei, die haben im Jahr zehn Produktionen mit uns gemacht. Das ist jetzt, mit Tournee- aber ohne Fernsehauftritte, nicht mehr so der Fall und das tut uns weh. Positiv ist, dass wir ein bisschen mehr Zeit für uns haben. Das war jetzt 25 Jahre lang ein Fulltime Job mit den zusätzlichen Fernsehproduktionen.

Wie waren die Reaktionen auf das BR-Aus?
Mona Freiberg: Wir haben unglaublich viele Zuschriften bekommen, per E-Mail und per Post, auch auf Facebook. Das waren sehr rührende Botschaften und die Leute denken jetzt, dass es gar keine Sendungen mehr geben wird.
Helfrich: Das kam falsch rüber. Der BR macht mit uns keine neuen Produktionen mehr, aber die haben noch rund 200 Wiederholungen und werden sicherlich noch über Jahre senden.

Sie spielen jetzt wieder in der Komödie in München. Geht’s auch auf die Wiesn?
Helfrich: Ich werde beim Einzug der Wiesnwirte dabei sein. Ich bin ein begeisterter Kutschenfahrer. Ein Freund von mir fährt Wirtsleute mit seinen Pferden und da bin ich dieses Mal aktiv dabei. Aber dann gibt’s anschließend ein Wasser oder ein alkoholfreies Bier. Aber das fällt mir nicht schwer.
Freiberg: Das ist eh nicht so dein Ding.
Helfrich: Ich bin dem Bier nicht so zugetan, sondern ein Limo-Mensch. Aber das darfst du in Bayern nicht sagen, da bist du schon ein bisschen ein Außerirdischer (lacht).

Im Stück „Landeier“ suchen drei junge Männer die Liebe. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Freiberg: Beim Komödienstadel auf der Bühne 1972.
Helfrich: Das war so witzig. Da saßen Monas Eltern im Zuschauerraum und wir haben eine ganz harmlose Liebesszene gespielt und da hat meine Schwiegermutter zum Schwiegervater gesagt: ‚Das ist nicht gespielt, das ist Ernst‘. Am nächsten Tag stand ich dann mit Blumen vor der Tür.

Also ganz der jugendliche Charmeur, den Sie oft gespielt haben, oder?
Helfrich: Da müssen Sie meine Frau fragen.
Freiberg: Ja, natürlich ein fescher junger Liebhaber (lacht).

Ein bisschen Arbeit ist immer gut

Auf was darf man sich bei dem Stück „Landeier – Bauern suchen Frauen“ freuen?
Helfrich: Der Höhepunkt wird sicher der Strip sein. Ist ja klar. Ein paar knackige Männer strippen zum Schluss, also das wird bestimmt das Highlight des Abends werden. Und das Stück ist wahnsinnig witzig. Es sind auf jeden Fall zwei Stunden Lachen und Klatschen garantiert.

Wie ist es, so eng mit dem Ehepartner zusammen zu arbeiten?
Freiberg: Nicht immer leicht. Wobei wir uns durch die Vielfalt und die Vielzahl an Aufgaben auch mal in getrennten Produktionen bewegen. Wir sind auch in getrennten Produktionen auf Tournee. Im Fernsehen war es so, dass mein Mann Regie geführt hat und ich in einem anderen Stück gespielt habe. Es war nicht so, dass man sich ständig nur umeinander dreht.

Sie spielen fast Ihr ganzes Leben lang Theater. Hat man irgendwann seine Lieblingsrollen oder wählt man bewusst etwas anderes?
Freiberg: Ich durfte in der Fernsehzeit so viele unterschiedliche Rollen spielen, wie es vermutlich keiner anderen Schauspielerin möglich ist, die nicht ein eigenes Theater hat. Da ist jede Rolle, die man im Moment erarbeitet oder spielt, die schönste. Und wenn man aufhört, sagt man sich: Ah, grad jetzt hört man auf mit der Rolle‘. Dann kommt die nächste, und man liebt sie genauso wieder.

Sie leiten das Theater seit 34 Jahren. Kommen da Gedanken an den Ruhestand auf?
Helfrich: Ja, aber man hat Verantwortung. Es ist ein Familienbetrieb. Das Erbe meiner Mutter wird unsere Tochter Kristina fortsetzen. Aber ich bin die Gallionsfigur vom Theater. Die Veranstalter und die Leute wollen Bernd Helfrich sehen, natürlich auch das Chiemgauer Volkstheater. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, aber in unserem Beruf gibt es keine Altersbegrenzung, das ist ja das Schöne.
Freiberg: Ein bisschen Arbeit ist immer gut. Gar nichts zu tun wäre furchtbar. Auch nichts mehr planen zu können, wie Proben- und Terminpläne, Reisen, die Kollegen treffen – das gehört alles zum Wohlfühlen im Leben dazu. Wenn man dann nur noch Freizeit hätte und nur noch mit dem Wohnmobil herum fährt, das wird auch langweilig.

ZUR PERSON

„Uns geht’s im Moment sehr gut.“

Bernd Helfrich und Mona Freiberg leiten seit 34 Jahren das Chiemgauer Volkstheater. Damals übernahmen sie den Betrieb von Helfrichs Mutter Amsi Kern, eine bekannte Volksschauspielerin, die das Theater nach der Scheidung von ihrem Mann 20 Jahre lang alleine leitete. Helfrich wurde am 30. September 1945 in München geboren und feierte mit 15 sein Bühnendebüt. Mona Freiberg, am 30. Oktober 1950 als Ursula Freiberger geboren, ist seit dem sechsten Lebensjahr mit Kabarettistin Lisa Fitz befreundet. Gemeinsam traten sie später als „Mona und Lisa“ auf – daher auch der Künstlername. Helfrich und Freiberg haben eine Tochter, die seit über zehn Jahren im Familien-Theater spielt. Seit 1992 sind die Produktionen im Fernsehen zu sehen, seit 1995 beim BR. Aufgrund von Kostengründen beendete der Sender im Juni die Zusammenarbeit. Aktuell verhandelt das Theater mit einem anderen Sender. Auf drei neue Produktionen dürfen sich die Fans noch freuen, die im November, zu Silvester und im Frühjahr 2019 ausgestrahlt werden. Das Chiemgauer Volkstheater geht auch weiterhin auf Tournee.

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