Wolfgang Pauritsch im Gespräch mit Hallo München

Wolfgang Pauritsch: „Sie fotografieren mich auf dem Klo“

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Wolfgang Pauritsch hat sich eigentlich zum Schlosser und Installateur ausbilden lassen. Heute ist er erfolgreicher Auktionator und TV-Star.

Früher war er gelernter Handwerker – Heute sitzt er dort, wo Rares Bares bringt: Auktionator Wolfgang Pauritsch gewährt in Hallo sowohl nützliche als auch kuriose Einblicke in seine Arbeit

Der Österreicher ist „der Mann in der Mitte“ bei der Erfolgs-Show „Bares für Rares“. Was sein größter Fehlkauf in der Sendung war, auf welche teils kuriose Art und Weise sich sein Leben mit der Bekanntheit verändert hat und wieso er jede Woche einen Tag in München verbringt, verrät der 46-jährige Auktionator und Kunsthändler hier. von MARCO LITZLBAUER

Herr Pauritsch, trotz vieler Rückschläge in der Vergangenheit hat man das Gefühl, Sie sind jetzt „angekommen“.
Da haben Sie recht. Ich bin sehr bodenständig geworden und richtig glücklich.

Bodenständig geworden. Das war also nicht immer so?
Nein, ich bin bei meiner Großmutter aufgewachsen. Ich habe meistens machen dürfen, was ich wollte. Und wenn mal nicht, dann habe ich es eben heimlich gemacht. Es war gut, dass ich zum Bundesheer musste: Ob du Doktor oder Müllmann warst – wenn du eine große Klappe hattest, durftest du am Wochenende eben nicht nach Hause. Eine gewisse Strenge in der Erziehung ist sehr wichtig.

Was nach dem Heer aus Ihnen geworden ist, erinnert an den amerikanischen Traum. Nur, dass Sie nicht vom Tellerwäscher, sondern vom Handwerker zum Millionär geworden sind.
Höchstens zum Schilling-Millionär (lacht). Ich habe fast kein Geld auf dem Konto. Ich investiere alles wieder in neue Ware.

Wie sehr hat die Sendung „Bares für Rares“ Ihre Umsätze angekurbelt?
Früher habe ich die in der Sendung ersteigerten Stücke sofort in den Laden gestellt. Vieles war nach zwei Wochen verkauft. Wenn die Sendung dann acht Wochen nach der Aufzeichnung ausgestrahlt wurde, konnten es die Leute gar nicht fassen – wurden richtig böse: „Wollen Sie mich verarschen? Sie haben die Vase um 14.20 Uhr gekauft, jetzt ist es 14.25 Uhr und die Vase soll schon weg sein?“

Nicht Ihr Ernst!
Doch. Ich schätze etwa 60 Prozent der Zuschauer denken, dass die Sendung live ausgestrahlt wird. Mittlerweile warte ich acht Wochen und stelle die Stücke erst am Tag der Sendung aus. Weil das Interesse dann hoch ist, verdiene ich etwas mehr. Auf der anderen Seite muss ich acht Wochen lang in Vorkasse gehen – und das ist für einen kleinen Händler nicht leicht.

Geben Sie unseren Lesern mal einen Tipp: Welche Wertanlagen lohnen sich aktuell?
Gutes Geld bekommt man aktuell für Gold, Silber, Juwelen, Tafelsilber, schöne Bronzeskulpturen und moderne Kunst – beispielsweise von Gabriele Münter, Marc Chagall oder Pablo Picasso. Deutlich an Wert verloren haben Pelzmäntel, Puppen, Möbel, Porzellan und Orientteppiche. Anfang der 90er habe ich viel mit Teppichen gehandelt. Mittlerweile kauft die kein Mensch mehr. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das auch wieder.

Mittlerweile weiß dank Google jeder, was sein Stück Wert ist

Beim Anschauen der Sendung hat man ja das Gefühl, sowohl die Experten als auch die Händler kennen alle Fakten zu jedem Stück. Wie viel Vorbereitungszeit haben Sie hinter den Kulissen?
Wir Händler überhaupt keine. Die Experten wissen zwei bis drei Tage vorher, welche Stücke es zu bewerten gilt und können sich vorbereiten. Aber wir dürfen mit den Experten nicht mal im selben Hotel schlafen – geschweige denn telefonieren, damit wir uns nicht austauschen können.

„Wir dürfen mit den Experten nicht mal im selben Hotel schlafen.“ – Wolfgang Pauritsch (hier mit seinen Händler-Kollegen) über die ZDF-Sendung „Bares für Rares“, von der mittlerweile weit über 500 Folgen ausgestrahlt wurden.

Deshalb haben Sie ja auch mal knapp 300 Euro für einen Druck gezahlt.
Seitdem begutachte ich jedes Stück vorher mit der Lupe. Ich dachte mir damals: „Die Experten werden ja niemandem mit einem Druck das Händlerkärtchen geben.“ Taten sie aber doch – natürlich mit dem Hinweis an die Besitzerin, dass es kein echtes Ölbild ist. Das verschwieg die Dame aber und ist mit dem Geld regelrecht aus dem Raum gerannt.

Können Sie in Zeiten des Internets überhaupt noch Schnäppchen machen?
Mittlerweile weiß dank Google jeder, was sein Stück Wert ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht 20 Prozent Gewinn machen kann, dann lasse ich es lieber. Und man erkennt mich ja überall. Da wird das mit den Schnäppchen doppelt schwer. Auch sonst nimmt das mit der Bekanntheit kuriose Züge an. Ich putze beispielsweise bis zum heutigen Tag die großen Schaufenster meines Geschäfts in Oberstaufen selber. Da steh ich dann in Hemd und Krawatte auf einer Leiter – und bin die Attraktion schlechthin: Ein Dutzend Menschen fotografiert mich beim Putzen. „Zahlen die bei ,Bares für Rares‘ so schlecht?“, ist dann der Standardspruch.

Es gibt also hunderte Fotos von Ihnen beim Putzen?
Eher Tausende. Aber das geht ja noch. Die Leute fotografieren mich im Restaurant sogar am Pissoir. Das muss man sich mal vorstellen.

Haben Sie angesichts dessen schon überlegt, bei „Bares für Rares“ aufzuhören?
Tatsächlich habe ich mir das vor kurzem ernsthaft überlegt. Aber auf ZDFneo kommen jeden Tag fünf Wiederholungen. Jetzt hat ServusTV auch noch die Rechte für Österreich gekauft. In den nächsten drei bis fünf Jahren laufen so viele alte Sendungen mit mir, da kann ich auch genauso gut weitermachen (lacht).

ZUR PERSON

Wolfgang Pauritsch hat sich eigentlich zum Schlosser und Installateur ausbilden lassen. Um seiner damaligen Freundin ein gutes Leben bieten zu können, bewarb sich der Österreicher bei der Münchner „Wach- und Schließgesellschaft“. Dort bewachte er Flüchtlingsunterkünfte, ICE-Züge – und als Detektiv ein Münchner Auktionshaus. Weil eines Tages die Auktionatorin krank wurde, sprang Pauritsch kurzerhand ein. Mittlerweile arbeitet er seit genau 25 Jahren als Auktionator und führt mit einer Geschäftspartnerin „Antony’s Kunst & Auktionshaus“ in Oberstaufen im Allgäu (Über seine Geschichte hat er jetzt ein Buch geschrieben – Hallo verlost fünf Exemplare). Dennoch ist er einmal pro Woche in München. Hier hat Pauritsch sein Büro. „Mein Steuerberater ist hier, mein Silberschmied, mein Rahmenmacher. Oberstaufen ist toll, aber einmal in der Woche brauche ich Hektik, Ampeln und Stau. In Oberstaufen gibt es nicht mal eine Ampel.“ Der 46-Jährige ist seit dem Jahr 2000 mit seiner Frau Rebecca verheiratet.

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