Eine Ode an München – die schönsten Viertel-Verse

Was Willy Astors Herz zum Wackeln bringt

Der Kabarettist verrät, warum er Laim ein musikalisches Denkmal setzt und was er als nächstes plant.
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Der Kabarettist verrät, warum er Laim ein musikalisches Denkmal setzt und was er als nächstes plant.

Sie kommen aus Giesing, dem Harras oder Hasenbergl: Künstler, die ihre Stadtviertel in Songs verwandelten. Kabarettist Willy Astor widmete der Donnersbergerbrücke ein Lied

Sie ist nicht besonders schön, viele schimpfen darüber – und sie hat ein eigenes Lied: Der Kabarettist Willy Astor hat der Donnersbergerbrücke einen eigenen Song gewidmet. Auch die FC-Bayern-Hymne „Stern des Südens“ geht auf ihn zurück. Im Interview erklärt er, wie die Lieder entstanden sind.

Herr Astor, 1993 haben Sie Ihren ersten München-Song geschrieben – und ihn ausgerechnet der Donnersbergerbrücke gewidmet. Wieso?

Ich hatte schon immer ein Faible für Underdogs. Große Sehenswürdigkeiten werden immer gerne künstlerisch verarbeitet. Aber die kleinen Alltagsorte und Alltagsdinge, die jeder kennt, stehen leider meistens nicht so im Rampenlicht.

Was bedeutet die Donnersbergerbrücke für Sie?

Sie ist zwar nicht besonders schön, aber ein praktikables Bauwerk, das seine Funktion erfüllt. Jeder war schon einmal da, viele haben sich schon darüber geärgert. Aber die Donnersbergerbrücke ist auch wie ein Tor zur großen weiten Welt, ein Sehnsuchtsort. Da packt einen das Fernweh.

Auch 25 Jahre später gehört der Song noch immer zu Ihrem Programm. Hätten Sie damit gerechnet, dass es so ein Klassiker wird?

Ich wollte eine poetische Ballade schreiben und habe gleich gespürt, dass dieses Lied etwas Besonderes wird. Ich singe gerne über Themen, bei denen das Herz zum Wackeln beginnt. Bei der „Donnersberger Brück'n“ war es so.

Genauso wie bei der FC-Bayern-Hymne „Stern des Südens“, die Sie vor 20 Jahren mit Unterstützung von Stadionsprecher Stephan Lehmann geschrieben haben?

Ja, es war einer der Songs, die sehr schnell fertig geworden sind. Es ist eine gute Komposition, ein anspruchsvoller Rocksong mit ungewöhnlichen Akkorden, die man im Fußball so eigentlich nicht erwartet. Der Text ist sehr poetisch, da passt einfach alles.

Haben Sie noch immer Gänsehaut, wenn in der Allianz Arena tausende Menschen den „Stern des Südens“ singen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist immer wieder etwas besonderes. Ich freue mich schon darauf, ihn wieder bei der Meisterfeier auf dem Marienplatz zu spielen. Irgendwie gehöre ich nach wie vor zur Familie des FC Bayern. Ich kann zum Beispiel jederzeit ins Stadion kommen.

Auf der anderen Seite hört man von Ihnen auch kritische Töne über München. In ihrem Song „München ist M“ geht es zwar um die schönste Stadt der Welt, aber auch um Gschaftlhuaba und teure Mieten.

Weil ich in München aufgewachsen bin, betrachte ich die Stadt natürlich anders als ein Tourist, der alles klasse findet. Ich sehe auch die Schattenseiten. Mich ärgert zum Beispiel, dass es kaum noch Leute gibt, die wirklich Münchnerisch sprechen. Wer weiß denn heute zum Beispiel noch, was ein Trottoir ist oder ein Stiangglanda ist? Da hätten die Eltern auch einen Erziehungsauftrag.

Sie sind selbst Familienvater. Sprechen Sie mit Ihren Kindern bairisch?

Ja, mir ist es ganz wichtig, den Dialekt weiterzugeben. Damit verbinde ich ein ganz besonderes Gefühl, er gehört für mich zur Heimat dazu.

Was sonst noch?

Heimat ist für mich, wenn das Herz springt. Ich bin nicht der Typ, der sich die weißblaue Fahne oder ein Foto von König Ludwig aufhängt. Für mich ist Heimat alles, was echt ist, was sich warm und gut anfühlt. Heimat hat für mich ganz viel mit den Menschen dort zu tun. Man kann sich deshalb auch in einem anderen Stadt oder einem anderen Land heimisch fühlen.

Sie selbst sind im Hasenbergl aufgewachsen. Könnten Sie sich vorstellen, darüber auch einmal einen Song zu schreiben?

Wenn es mich juckt, auf jeden Fall. Man kann da aber nichts erzwingen. Meine Herkunft ist auf jeden Fall etwas, was mir wichtig ist und was mich geprägt hat. Das erwähne ich auch immer.

Wird man irgendwann weitere München-Lieder zu hören bekommen?

Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Wenn man wie ich auf den Pfaden von Karl Valentin wandelt, ist das ja schon fast vorgegeben.

Haben Sie schon konkrete Pläne?

Nein, um was es geht kann ich noch nicht sagen. Ich bin jetzt erst einmal dabei, mein neues Kabarett-Programm vorzubereiten. Ich schreibe nicht auf Halde und mache auch nicht nur deswegen Heimat-Lieder, weil das Thema gerade in aller Munde und gefragt ist. So etwas muss von innen heraus kommen.

Willy Astor tourt gerade durch Deutschland. Am Sonntag, 22. Juli, kommt er nach München ins Lustspielhaus. Ab elf Uhr zeigt er sein Kinderprogramm „Kindischer Ozean: Lauschliedergeschichten aus dem Einfallsreich“. 

Weitere Infos gibt’s unter www.willyastor.de.

Weitere Heimat-Hymnen – geschrieben für Münchner Viertel:

Giasing: Dreckad und oid:  Grant-Gesang auf Giesing (Berni Maisberger)

Birnbaum in der Au (Volkslied)

Rap ans Westend (M1KO)

Von Rimini geht's nach Sendling (No Goods)

Funk aus München Nord (Blumentopf)

Schickeria: Schwabings helle und dunkle Seiten (Spider Murphy Gang)

Schwabing-Lied: Eine Liebeserklärung an Schwabing (Lale Andersen)

Schwabing (Lea-Won)

Neuhausen in Bewegung: Lauter Liebeserklärungen an Neuhausen (Wolfgang Baumann)

Mir san Aubinger (Helmut Pfundstein)

Stolz der Au (Biermösl Blosn) 

Berg am Laim (Roland Hefter)

Kathi vo Obergiasing (Bettina van Haken)

We are Gräfelfing (Claudia Kuzee-Bauer)

Sendling70 (MC Harras)

Noch einmal Moosach seng (Black Bottom Skiffle Group)

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