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Willy Astor im Interview ‒ Vom Schimpfen über den Münchner Verkehr, seine Inspirationen und Klassiker

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Von: Sebastian Obermeir

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Der Wortkünstler Willy Astor im Interview.
Der Wortkünstler Willy Astor im Interview. © www.christophbombart-photography.com

„Donnersberger Brück’n – I fahr auf Dir ab“, sang der Gitarrist und Wortakrobat im Jahr 1993. Wenn er heute im Münchner Verkehr steckt, klingt er da schon deutlich grantiger. Trotzdem sind es Optimismus und Zusammenhalt, die ihn immer weiter antreiben. Genau das will er auch an seine Kinder weitergeben.

Herr Astor, es heißt, Sie nehmen Ideen mit dem Handy auf. Was haben Sie zuletzt ins Telefon diktiert?

Oh, das war heut in der Früh. Ich war auf dem Weg in die Stadt, und um elf ist es auf der Straße schon so zuagangen. Wissen’s, jeder ist ja selber der beste Autofahrer. Aber genau vor mir fährt einer nicht an. Mit Strohhut und Schnauzbart, da brauchst dich nicht wundern! Und als ich da so im Auto geschimpft hab, hab ich mir überlegt, dass eine Nummer über Aggressivität im Verkehr doch was wäre. Später hab ich also ein paar Schimpfwörter ins Handy diktiert. Dschumbe, das ist ein alter Münchner Ausdruck für eine derbe Person, meistens eine Frau. Oder „platterter Leftutti“, das hab ich von meinem Onkel. Genau wie: „Dipfede Rehpritschn“. Aber das ist so derb, da sollt man sich in Acht nehmen.

Allerdings.

Mit den aktuellsten Sachen aus dem Tagesgeschehen versorgt mich ja immer Django Asül. Er hat mir heute geschrieben, dass es richtig Asche kosten kann, wenn man zu einem Polizisten Idiot sagt. Aber ihn Mädchen zu nennen kostet nur 200 Euro. Man sieht: Mein Hirn ist ein pulsierender Organismus, der nie aufhört zu sammeln.

Und zu tüfteln.

Gestern Abend hab ich noch ins Handy diktiert: Als ich mich anhaute, wusste ich sofort, dass ich den Tisch kannte. Dabei sollt ma’s mit den Beispielen belassen, oder?

Wie viele Ideen sind es denn?

Viel zu viele. 880 Notizen und 140 weitere auf einem anderen Gerät, die ich noch abhören muss.

Jetzt treten Sie mit einem Best-of-Programm auf. Machen die älteren Nummern noch Spaß zu spielen?

Und wie. Ich hab zu meinen Figuren und Stücken ein inniges Verhältnis. Ich habe keinen Ghostwriter wie einige andere. Und so wird mein neues Programm vielleicht heißen: Humor direkt vom Erzeuger. Die ein oder andere neue Idee stelle ich dem Publikum auch vor. Aber nach fast 40 Jahren auf der Bühne war es Zeit für ein Best of. Die Leute haben schon so oft nach ihren Lieblingsstücken gerufen.

Hallo München verlost Karten für das Best-of-Programm „Pointe of no Return“ von Willy Astor.

Nach Klassikern wie „Donnersberger Brück’n“.

Ja, meine Ode an diesen Underdog von einem Bauwerk. Die Brücke ist ein Sehnsuchtsort, zwar kein besonders schöner, aber sie ist ein Bindeglied zwischen dem „Hinaus-in-die-Welt“ und wo die Welt ankommt.

Ein Gutachten hat ergeben, dass sie in zehn Jahren abgerissen werden sollte. Da blutet Ihnen das Herz, oder?

Natürlich! Aber vielleicht wird das Stück dann noch weiter wiederbelebt. Es hat ja so ein Eigenleben gewonnen, genau wie der Stern des Südens, den ich 1999 geschrieben habe.

Sind Sie noch oft bei Bayern-Spielen?

Im November zuletzt, mit meinen Söhnen. Erstmals seit zweieinhalb Jahren! Das war gegen Freiburg – Bayern hat übrigens gewonnen (lacht). Ich fühle mich schon auf den Bauch gepinselt, dass der Stern immer noch zur Bayern-Familie gehört und dass ich ins Stadion kommen kann, wenn ich mag. Dass ich die Helden meiner Kindheit kennenlernen durfte – von Franz Beckenbauer bis Gerd Müller.

Weil Sie Ihre Buben angesprochen haben – beschäftigen Sie sich schon mit Jugendsprache, nachdem die beiden der Auslöser für Ihre Kinder-CD waren?

Die zwei haben mich damals motiviert, endlich diese Stücke anzugehen. Ich dachte: „Ich kann doch nicht erst eine Kinder-CD machen, wenn meine Buben 18 sind.“ Aber die Jugendsprache wäre vielleicht eher was fürs Erwachsenenprogramm. Heut im Sport-Geschäft meinte einer: „He, die Trinkflasche, die lass ich mir raus, Digga.“ Und ich sage mir: „Jaja, so wird halt jetzt gredt.“

Beim Giro di Monaco sind Sie im Rahmenprogramm vertreten. Warum ist Ihnen die Benefizveranstaltung wichtig?

Ich denke, es ist generell wichtig, über den Tellerrand zu schauen und die Augen nicht zu verschließen vor dem Leid in der Welt. Man kann die Welt zwar nicht allein retten, aber man kann versuchen, etwas zurückzugeben. Nach dem Giro di Monaco ist noch lange nicht Schluss. Ich hatte so viel Glück in meinem Künstlerleben, ich muss schauen, dass ich was zurückgebe. Ich möchte das auch meinen Kindern beibringen, denen die Hand zu reichen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens auf die Welt gekommen sind. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. In diesem Kästner-Zitat steckt alles drin. Einer alten Frau die Tür aufzuhalten, höflich zu sein zu seinen Mitmenschen. Es gibt 1000 Möglichkeiten, Gutes zu tun. Man muss nur dafür offen sein.

Zur Person

„Jeder Komödiant muss einen Kindskopf in sich tragen“, findet Willy Astor. Denn: „Diese Lust zum Blödeln braucht jeder Schreiber, das ist Teil des komödiantischen Werkzeugkastens.“ Und seine Werkzeuge, Kabarett voller Wortwitz gepaart mit Musik, setzt der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker nun schon seit über 30 Jahren ein – zur Freude seines Publikums.

Aktuell wagt der 60-Jährige in seinem Best-of-Programm den Blick zurück auf seine „Greatest Witze“: vom Radkäppchen über Wortspiele mit Alkohol bis zu „Maschin scho putzt“. Neben Kinder-CDs wie „Der Zoo ist kein logischer Garten“, verfolgt Astor mit „The Sound of Islands“ ein ernsthaftes, instrumentales Projekt, das zeigt, was für ein Ausnahmegitarrist er ist. Gebürtig aus dem Hasenbergl, lebt Astor heute mit seiner Familie in Schäftlarn.

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