Die Vollblut-Oma und Rampensau hat Appetit auf mehr

Vroni von Quast: "Vielleicht werd' ich Bürgermeisterin von München"

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25 Jahre war sie das „Fräulein Vroni“ aus „Kanal Fatal“ – in der Realität ist die 71-jährige nach wie vor voll auf zack - und wieder auf der Bühne.

Von wegen Rente: Die 71-Jährige ist jetzt als Königin im Stück „Der kleine Prinz“ zu sehen. Welche Pläne Vroni von Quast für die Zukunft hat

Frau von Quast, wie hat sich München verändert in den letzten Jahrzehnten?

Ich bin das alte Fossil der Burgstraße. Ich wohne seit 1972 hier. „I am the heart of Munich“, sage ich immer, eine halbe Minute vom Marienplatz. Wir haben extrem viele Touristen. In der Früh um sieben geht es los. Wo schöne Plätze sind, sind viele Menschen. Was mich aber ärgert: Die Leute passen einfach nicht auf. Die trampeln auf den Hund, schubsen einen, lassen einen nicht vorbei, sie sind einfach unhöflich.

Ist ein Buch wie „Der kleine Prinz“, das als Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit gelten kann, da wichtiger denn je?

Das ist immer wichtig. Aber jetzt, wo es vielen an Empathie fehlt und Leute wie Trump, Putin und der kleine Dicke aus Seoul, ich möchte gar nicht den Namen nennen, das Sagen haben, muss man noch mehr darauf drängen, Werte wie Höflichkeit, Zuvorkommenheit und Freundschaft aufrecht zu erhalten. Da geht es auch immer um die Erziehung. Die Kinder sind ein Spiegel der Eltern. Wenn die Erwachsene es den Kindern vorleben, werden sie es auch übernehmen.

Ihr Auftritt im Stück wird per Video eingespielt. Drehen Sie lieber fürs Fernsehen oder spielen Sie lieber Theater?

Ich spiele viel lieber Theater, weil ich eine Rampenschlampe bin. Trotzdem bin immer aufgeregt, auch wenn ich es schon hundert Mal gespielt hab. Ich kriege dann immer ganz eisige Fingerspitzen. Dann sage ich mir: Ohren angelegt, Arschbacken zusammen und durch! Das wird schon gehen! Und dann geht es auch, wenn die ersten Sätze gesprochen sind. Aber vorher: Puh!

Welche Rollen stehen für Sie in der Zukunft an?

Lustige, alte Schachteln werden immer gebraucht wahrscheinlich, wenn ich einigermaßen im Besitz meiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten bleibe, kann ich noch 30 Jahre arbeiten. Bis ich 100 bin. Jopie Heesters ist 108 geworden. Die Weiber sind aber zacher. Dann werd ich älter, oder?

Würden Sie gerne noch so lange arbeiten?

Ja, weil es mir Spaß macht. Jetzt mache ich ein neues Programm mit meinem wunderbaren Musiker, dem Flori Burgmayr, mit dem ich meine literarisch-musikalischen Abende mache. Ich krieg meine Rente, aber ich muss und will weiter arbeiten.

Sind sie dennoch wählerisch bei Ihren Engagements?

Wenn es möglich ist, ja. Aber manchmal mache ich auch Sachen, die die Welt eigentlich nicht braucht. Generell schließe ich nichts von vornherein aus, sondern probiere es erst einmal gern aus. Ich bin ein trockener Schwamm und möchte noch viel lernen.

Was zum Beispiel?

Vielleicht noch Spanisch. Meine Tochter macht das gerade. In der Uni Vorlesungen über Literatur und Geschichte besuchen. Ich bin jetzt Rentnerin und habe ja gar keine Zeit!

Steht eine Rückkehr auf den Nockherberg auch auf der Liste an Dingen, die Sie gerne machen würden?

Freilich! Ich würde auch eine lustige Putzfrau oder was spielen. Welche weiblichen Politikerinnen könnte ich spielen vom Alter her? Ich wüsste jetzt so leider keine. Ich hab mir ja mal überlegt, ob ich mich zur Wahl als Bürgermeisterin von München stellen sollte. Nicht nur von der Burgstraße!

Aber nicht nur, um als Rampensau auf der Polit-Bühne zu stehen?

Ich würde dann sagen, mehr Kindergärten, mehr Pflegeplätze für Alte. Mehr Gymnastik im Alter. Ich hätte viele Ideen.

Sie kochen leidenschaftlich gerne. Eine Auszeit vom Stress auf der Bühne?

Kochen und essen sind das Schönste überhaupt. Weil es mich so entspannt. Ich habe ein Jahr lang eine Bauernwirtschaft gehabt. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen, aber es nicht mehr in Eigenregie machen. Da koche ich lieber für Freunde. Ich habe mindestens einmal pro Woche Gäste. Fünf, sechs Leute. Danach gehen wir dann in den Salon und machen Hausmusik.

Was gibt es da?

Eigentlich alles. Ich esse auch alles. Bis auf Blutwurst. Bayerische Küche, Spanisch, Asiatisch. Früher hab ich nicht aufpassen müssen, was ich esse, aber jetzt mag ich nicht mehr. Viele Frauen, die ins Alter kommen, denken, schlank schaut jung aus. Stimmt nicht. Man kann alles trainieren, aber die Haut nicht. Da hängt alles runter. Schlank schaut alt aus. Da habe ich lieber eine kleine Fettrolle drunter.

Hallo verlost 3x2 Karten für die Vorstellung von Veronika von Quast am 26. Juli und 2x2 Karten für den 13. September.

Zur Person

Bekannt als „Fräulein Vroni“ in der BR-Serie „Kanal Fatal“, zuhause in der Bayerischen Komödie, dem Volkstheater und dem Residenztheater: Wenn die 1946 geborene Schauspielerin und Komikerin Veronika von Quast nicht gerade auf den Münchner Bühnen oder im Fernsehen zu sehen ist, verbringt sie ihre Zeit am liebsten draußen in der Natur: „Ich gehe gerne in den Englischen Garten und ich spaziere mit meinem Hund, dem Herrn Botzi, den Flaucher hinunter“, sagt die gelernte Röntgenassistentin im Interview. Veronika von Quast ist die Mutter der Schauspielerin Nini von Quast und eines Sohnes. Sie hat fünf Enkelkinder – wenngleich sich das nicht in ihrem Kleidungsstil zeigen darf, wie sie im Gespräch verrät: „Ich bin zwar eine Oma, aber ich mag nicht wie eine Oma rumlaufen.“

Interview: Sebastian Obermeir

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