Fasching ist seine Lebensaufgabe

Vize-Präsident und Ex-Prinz der Narrhalla Werner Trollmann (38) von A bis Z

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München: Der neue Vize-Präsident und Ex-Prinz der Narrhalla übernimmt zum Jubiläum das Erbe seines Vaters.

Manchmal ist der Fasching zum Weinen: 1979 brachte Mitglied Werner Trollmann seinen fünfmonatigen Sohn zu einer Sitzung des Narrhalla-Elferrats mit und stellte ihn stolz als zukünftigen Faschingsprinz vor. 2010 stand der Ehrenpräsident mit auf der Bühne, als sein Sohn zum Narrhalla-Prinzen wurde. Doch kurz bevor die Faschingssaison losging, starb das Münchner Urgestein ganz plötzlich – mit 65. Für Sohn Werner brach eine Welt zusammen, doch er trat nicht zurück: „Es war bitter – aber es war immer Traum meines Vaters gewesen, selbst Faschingsprinz zu sein und durch mich war sein Traum in Erfüllung gegangen. Deswegen musste ich das machen.“

2017 wurde Trollmann ins Präsidium der Narrhalla gewählt – jetzt trägt er den Mantel seines Vaters, der jahrelang Präsident war, und verwaltet dessen Archiv im Keller des Familienbetriebs. Wie der Sendlinger das Erbe weiterführt, wie die Narrhalla ihr 125-jähriges Bestehen feiert, lesen Sie hier von A bis Z. Maren Kowitz

Angela Merkel treffen wir am 23. Januar im Bundeskanzleramt. Narrhalla-Präsidium und Prinzenpaar sind dieses Jahr die bayerische Abordnung für den Karnevalsempfang.

Ballsterben: Früher hatte jede Innung ihren eigenen Faschingsball. Aber die Auflagen wurden immer strenger und mittlerweile sind die Gema-Gebühren so teuer, dass man es sich fast nicht mehr leisten kann. Nur die großen Veranstaltungen konnten sich halten.

Carnevalsgesellschaft hießen wir bis 1908 – dann kam der Zusatz Narrhalla.

Deutsches Theater: Hier findet am Samstag, 13. Januar, unsere fast ausverkaufte Narrhalla-Soirée statt. Wir haben uns und unseren Gästen zum Jubiläum einen Auftritt der Spider Murphy Gang geschenkt.

Erste Faschingsgesellschaft Münchens war die Narrhalla als der Kaminkehrermeister Mayer und ein paar andere sich 1893 auf Wunsch der Münchner Großbrauereien zusammentaten, um einen Umzug durch die Innenstadt zu veranstalten.

Fasching ist mein zweiter Beruf, schon lange kein Hobby mehr. Das ist eine Lebensaufgabe.

Gustl Annast: Der erste Faschingsprinz der Narrhalla von 1928. Wir haben jedes Jahr im Sommer ein Ex-Prinzentreffen, bei dem der aktuelle Prinz in den Kreis mitaufgenommen wird. Dann bekommt der Prinz den Original-Prinzenmantel umgehängt und den Original-Hut aufgesetzt.

Hochburg: Würde Fasching gerne einmal in Köln feiern, aber das geht zeitlich nicht. Das, was im Rheinland Karneval ist, ist bei uns das Oktoberfest.

Investition: Beim Kölner Dreigestirn mitzumachen, kostet über 100 000 Euro. Da sind wir weit weg in München. Aber Prinz sein kostet Geld, das dann in die Jugendarbeit und die Garde fließt. Mittlerweile werden die Prinzenpaare oft von Institutionen oder Unternehmen gefördert.

Jugend: Es ist nicht einfach, Nachwuchs zu generieren. Wir haben schon überlegt, ob wir nächstes Jahr ein Faschingsfest auf die Generation „15 plus“ zugeschnitten veranstalten.

Krise: In den 90er-Jahren ist das Interesse am Fasching eingebrochen. Es fing an, als mit dem Beginn des Golfkriegs 1991 der Fasching offiziell abgesagt wurde. Mittlerweile wächst der Zuspruch wieder.

Lahm bekommt auf unserer Soirée dieses Jahr den Valentin-Orden für seinen Spruch „Die meiste Luft hatte der Ball“. Ich bin gespannt auf seine Dankesrede. Die Laudatio auf Philipp Lahm hält Christian Ude.

Marktweiber: Vor ihrem Tanz am Faschingsdienstag am Viktualienmarkt um 12 Uhr machen wir mit unserem Auftritt quasi die Vorband. Wir bringen das Publikum schon ein bisschen in Wallung. Vorher fahren wir mit dem Faschingswagen durch die Innenstadt und holen am Rathaus den Bürgermeister ab.

Narrisch sind wir alle – nicht nur im Fasching.

Oskar von Miller hat die Narrhalla 1925 mit den Einweihungsfeierlichkeiten des Deutschen Museums beauftragt. Ich vermute, er hat sie gebeten, den Umzug durch München zu organisieren. Die Narrhalla hatte ja schon Erfahrung mit so etwas.

Prinzen: Die ersten Jahre gab es nur einen Prinzen in der Narrhalla, erst 1930 kam die Prinzessin dazu.

Quatsch gehört dazu – man darf sich selbst nicht so ernst nehmen.

Richtungswechsel: Es gibt nur eine Richtung – und zwar die nach vorne.

Starkbieranstich: Rund 20 Jahre haben wir das Bühnenbild für das Singspiel am Nockherberg gebaut. Meine Lieblingskulissen waren Venedig, das Alpenpanorama und die amerikanische Tankstelle.

Thema: Halloween ist selbst bei Verkleidungsmuffeln beliebt, weil die Leute da eine Vorgabe zum Verkleiden haben. Es wäre eine gute Sache, den Fasching unter ein Motto zu stellen – die Kölner machen es ja. Dieses Jahr ist es: „Mer Kölsche danze us der Reih“.

Umzug: Den Damischen Rittern gilt großer Dank, dass sie diese Tradition 2006 wieder aufleben haben lassen. Dieses Jahr geht der Umzug am 4. Februar ab 13.13 Uhr durch die Innenstadt.

Vater: Ein großes Vorbild, er war 40 Jahre aktiv in der Narrhalla, zwölf davon als Präsident. Ich versuche, sein Erbe zu bewahren.

Wiesn: Oft der größere Fasching. Ich mag beides. Zum Glück zeitlich so weit vom Fasching, dass man bei beidem gscheit feiern kann.

X – Satz mit X: Nach der intensiven Faschingszeit, liebt oder hasst man sich als Prinzenpaar – es gibt welche, die nicht mehr miteinander reden. Ich verstehe mich noch gut mit meiner Prinzessin Anja.

Youtube: Da sind wir vertreten – genauso wie auf Facebook und Instagram. Unsere Homepage haben wir heuer auch neu gemacht. Wir sind eine Gruppe von fünf Personen, die ständig im Netz hängen und Anfragen bearbeiten.

Zimmermann: Ich bin gelernter Zimmerer, mein Bruder ist Schreiner – deswegen helfen wir selbstverständlich auch bei den Festwagen der Narrhalla mit. Besonders gefallen hat mir unsere vier Meter hohe Ananas zum Jubiläum unseres Balls „Carneval in Rio“.

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