Das „Millionen-Buberl“ wird 60

Thomas Seehaus (59), der Millionste Münchner, von A bis Z

Brigitte und Hubert Seehaus mit ihrem „Glückskind“. Sohn Thomas kam nämlich nicht nur als Sohn von einem Schornsteinfeger zur Welt, sondern auch noch an einem Sonntag.
+
Brigitte und Hubert Seehaus mit ihrem „Glückskind“. Sohn Thomas kam nämlich nicht nur als Sohn von einem Schornsteinfeger zur Welt, sondern auch noch an einem Sonntag.

München: Die Stadt als Pate, den Vornamen vom Oberbürgermeister – das besondere Leben des Thomas Seehaus.

Aktuell hat die Landeshauptstadt etwas über 1,53 Millionen Einwohner. Das ist bekannt. Aber hätten Sie gewusst, dass München am 17. Dezember 1957 um 15.45 Uhr zur dritten Millionen-Stadt Deutschlands wurde? Einer, der das ganz genau weiß, ist Thomas Seehaus. 

Es ist sein Geburtstag – er ist Münchens „Millionen-Buberl“. Unzählige Male wurde er seitdem fotografiert, interviewt und als Ehrengast zu großen und kleinen Anlässen eingeladen. Schon seit der frühesten Kindheit – sei es zur Eröffnung der Münchner Fußgängerzone, sei es als Werbefigur für die Tankstelle um die Ecke. Mittlerweile wohnt der gebürtige Pasinger westlich von München – in Olching. Kurz vor seinem 60. Geburtstag hat Thomas Seehaus für Hallo München sein privates Fotoalbum geöffnet – und verrät, wie turbulent es am Wochenbett seiner Mutter zu ging, ob sich der Rummel je gelegt hat und warum er einst vor 40 000 Menschen im Grünwalder Stadion kickte.

Marco Litzlbauer

Amalia: Sie kam im Mai 2015 als 1,5 Millionste Münchnerin auf die Welt. Bei ihr hat man gelost, zu meiner Zeit hatte OB Thomas Wimmer alle Geburtenstationen angehalten, genau Liste zu führen. Ich habe Briefkontakt mit Amalias Eltern – wir schreiben uns zu Weihnachten und gratulieren zum Geburtstag.

Bürgermeister: Der damalige OB Thomas Wimmer hat im Namen der Stadt meine Patenschaft übernommen. Ich bin also ein Patenkind der Stadt München. Als solches habe ich allen Münchner OBs mindestens einmal die Hand geschüttelt.

Charme: Den Charme Münchens machen die Altstadt, die kleinen Gässchen um die Fußgängerzone, der Olympia­­park und die Wiesn aus.

Damerl ist ein Kosename für Thomas. Eigentlich hätte ich Helmut heißen sollen. Meine Mutter hat dann entschieden, dass ich nach meinem Taufpaten benannt werde – und ich bin ihr dankbar. Ich finde Thomas viel schöner und bin stolz auf meinen berühmten Patron. Er war wie ein Opa für mich und hat uns oft besucht.

Eröffnungen: Zu denen hat man mich natürlich immer gerne eingeladen. Bei der Eröffnung der Fußgängerzone hat mir der damalige OB Kronawitter den symbolischen Schlüssel übergeben. Auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele durfte ich beispielsweise erleben.

Fotoalbum: Meine Eltern haben alle Zeitungsausschnitte und Fotos gesammelt und mir in einem großen Fotoalbum vermacht. Ich führe es nun fort.

Großvater: Dank meines Sohnes – der wie mein Vater Kaminkehrermeister ist – habe ich zwei Enkeltöchter. Auf die bin ich sehr stolz.

Hobbys: Meine Leidenschaft ist Fußball. Ich kann mich noch erinnern, wie ich als junger Bub mit der TSG Pasing vor 40 000 Zuschauern im Grünwalder gespielt habe. Das war das Vorspiel vor einem Europapokalspiel der Bayern. Als wir in die Kabine sind, haben uns Beckenbauer und Co. auf die Schulter geklopft. Darauf bin ich stolz, da ich selbst etwas geleistet habe. Dafür, dass ich der Millionste bin, kann ich nichts.

Innenstadt: Wenn gerade wieder ein großer Artikel in der Zeitung war, dann werde ich in der Fußgängerzone ein, zweimal angesprochen. Ansonsten erkennt mich niemand.

Jubilar: Zu meinem 60. wird nicht groß gefeiert – ich fahre in den Kurzurlaub. Danach bin ich von der Stadt zum Abendessen mit dem OB eingeladen.

Krüsmannklinik: In dieser Klinik in Pasing bin ich auf die Welt gekommen.

Liebling: Meine Eltern haben mich nie bevorzugt. Und von meinem großen Bruder bin ich genauso getriezt worden, wie es vermutlich jedes jüngere Geschwisterkind kennt.

Millionen-Buberl: So hat mich – glaube ich – erstmals OB Kronawitter genannt. Das wurde von der Presse dann aufgegriffen. Später bekamen davon auch meine Kollegen Wind und seitdem ist der Begriff in aller Munde.

Nahverkehr: Es ist schön, dass die S-Bahn das Umland so gut anbindet. Ich bin in 20 Minuten in der Innenstadt. Schade nur, dass die S-Bahnnutzung so oft im Verkehrs-Chaos endet. Auch wenn es aktuell Kritik gibt: Hier schafft die zweite Stammstrecke hoffentlich wirklich Entlastung.

Olching: Hier wohne ich, seit ich zehn Jahre alt bin – neben München ist das längst meine Heimat.

Pasing hat sich über die Jahre schon arg verändert. Wo früher ein Metzger war, steht heute ein riesiges Wohnhaus. Als ich noch dort gearbeitet habe, habe ich die Veränderung kontinuierlich erlebt. Seitdem ich nur noch selten da bin, wirkt das drastischer.

Quo vadis? Aus Olching werde ich nicht mehr wegziehen. Niemand schaut mir in meinen Garten mit Pool – und die Nähe zu München ist ein großes Glück.

Rummel: Aus ganz Deutschland haben sich Fotografen und Journalisten am Wochenbett meiner Mutter versammelt. Da ging es turbulent zu an den ersten Tagen. Bis Thomas Wimmer gesagt hat: „Jetzt schleichts eich“ – dann wurde es besser.

Stadtgründungsfest: Es gehört zu meinen Privilegien, dass ich jedes Jahr eingeladen bin. Ich habe bisher fast keines verpasst. Es ist schön, neue Leute kennenzulernen – und die Prominenten zu beobachten.

Tausend Mark habe ich von der Stadt zur Geburt bekommen. Das Sparbuch war bis zu meinem 18. Geburtstag gesperrt. Durch die Zinsen waren es fast 2000 Mark – quasi mein Führerschein.

Unterricht: Bei meiner Einschulung ging der ganze Presse-Rummel von vorne los. Ich wurde in die erste Reihe gesetzt, damit die Fotografen gute Fotos machen konnten.

Vogel, Hans-Jochen: Ich weiß noch, wie er mich mal mit seiner dicken Limousine abgeholt hat. Wir sind dann mit dem Lastenaufzug auf den noch im Bau befindlichen Olympiaturm gefahren. Oben hat er mir das ganze Gelände gezeigt. Der Wind pfiff und es gab noch kein Geländer! Danach ging es zur U-Bahn und ich durfte bei der ersten Testfahrt vorne in der Kanzel sitzen. Natürlich waren immer Fotografen dabei. Ein denkwürdiger Ausflug.

Wiesn: Durch meine Arbeit auf der Wiesn konnte ich der Stadt ein bisschen was zurück geben. Ich habe von 1999 bis 2012 die Kommunikationseinrichtungen für das komplette Gelände installiert und koordiniert. Der Stress ging bereits im Juli los. Am Abend vor der Eröffnung bin ich dann gerne über das komplette Gelände spaziert und habe die Atmosphäre im Stillen genossen.

X-fach wurde behauptet, ich hätte ein MVV-Abo auf Lebenszeit und dergleichen. Das stimmt nicht. Stattdessen gab es sehr viel Babynahrung – und ein Zeitungs-Abo auf Lebenszeit.

Yes! Freuen kann ich mich darüber, dass mein Kind und meine Enkelkinder gesund sind – und wenn ich anderen eine Freude machen kann.

Zwei Millionen: Ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe. Aber als Jugendlicher habe ich mir immer vorgestellt, wie es wäre, wenn mein Kind mal der zwei Millionste Münchner wird.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Monika Gruber: „Ich tanze viel zu wenig nackert durchs Haus“ 
Monika Gruber: „Ich tanze viel zu wenig nackert durchs Haus“ 
Konstantin Wecker: „Denen geht es nicht um Freiheit für alle“
Konstantin Wecker: „Denen geht es nicht um Freiheit für alle“
Isarindianer Willy Michl wird 70 – im Interview spricht der Bluesbarde über seine Geheimnisse
Isarindianer Willy Michl wird 70 – im Interview spricht der Bluesbarde über seine Geheimnisse
Unternehmerin Kathrin Wickenhäuser-Egger - Zwischen Erbe und eigenen Wegen
Unternehmerin Kathrin Wickenhäuser-Egger - Zwischen Erbe und eigenen Wegen

Kommentare