A bis Z mit Münchens IT-Minister Thomas Bönig

Thomas Bönig: "Wir testen noch heuer zwei Roboter im Kundeneinsatz."

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Thomas Böning führt als IT-Minister die Landeshauptstadt München in ein neues digitales Zeitalter. Wann die ersten Roboter ihren Dienst antreten verrät er im Hallo Interview.

2019 wird für München ein Jahr des technologischen Fortschritts. Warum das so ist, verrät IT-Referent Thomas Bönig im Hallo Interview

Eine groß angelegte Digitalisierungsstrategie auf der Tagesordnung des Stadtrats, Roboter, die erstmals im Kundenkontakt getestet werden und mehr Frauen, die man in das aktuell sehr männerlastige IT-Referat integrieren möchte. Was moderne Informationstechnologien im Bereich der Stadtverwaltung angeht, werden im IT-Referat heuer gleich mehrere Weichen gestellt. Geleitet wird das mit Abstand jüngste Referat der Stadt – es feiert im Januar quasi seinen ersten Geburtstag – von Thomas Bönig (Foto). In Hallo verrät der studierte Informatiker und Vater dreier erwachsener Kinder nicht nur, wo uns schon demnächst Roboter über den Weg laufen könnten oder was genau eine Bürger-ID ist, sondern auch, inwiefern er bei der Digitalisierung Freistaat und Eltern in die Pflicht nimmt. Marco Litzlbauer

Münchens-IT-Minister Thomas Bönig (57) von A bis Z

Aufgaben: Ob Personal, Verwaltung oder Finanzen – die IT hat überall große Bedeutung. Wir arbeiten an Strategien, um die Stadt fit fürs 21. Jahrhundert zu machen.

Bürger-ID: Die Machbarkeitsstudie läuft noch. Es steht noch nicht fest, in welcher Form sie genutzt wird, zum Beispiel auf einem Handy oder in einer intelligenten Uhr. Bildlich gesprochen geht es um eine digitale Lösung, die alles ersetzt, was in einem Geldbeutel ist. Vom Bargeld über die MVV-Karte bis hin zur Eintrittskarte. Technisch ist das kein Problem, wichtiger ist, dass dieses System nicht nur in München funktioniert, sondern national oder europaweit. Details dauern mindestens noch drei bis fünf Jahre.

CyberCrime: Vor dem Hintergrund, dass Politiker im Fokus des jüngsten Hacks standen, ist der Fall des Datenklaus für ein städtisches Referat natürlich ein relevantes Thema. Das Thema sollte aber nicht erst deshalb inhaltliches Gewicht finden. Nach aktuellem Stand scheint die Stadtverwaltung nicht betroffen zu sein.

Datenschutz: Fest steht, dass die Daten der Münchner nirgends so sicher sind wie bei der Stadt. So dürfen Daten aufgrund von Gesetzen nur sehr eingeschränkt von Referat zu Referat weitergegeben werden. Eine dosierte Anpassung dieser Gesetzeslage würde manchen Behördengang ersparen.

Eigenbetrieb it@m: Die Überlegungen, den Eigenbetrieb der Stadt in eine GmbH umzuwandeln, sind vom Tisch. Da wir aber neben Technik auch die entsprechende Beratung in die Referate bringen müssen, wurde zusätzlich eine stadteigene Berater-GmbH gegründet – das ist günstiger als externe Lösungen.

Frequentiert: Meldebescheinigungen, Geburtsurkunden aber auch die Beantragung des Familien- und Ferienpasses sind aktuell die beliebtesten Online-Services der Stadt.

Georg-Brauchle-Ring: Es ist kein Nachteil, dass das IT-Rathaus im Norden der Stadt entsteht. Mit Videokonferenzen oder Fernwartung können die meisten Dinge auch digital gelöst werden, im Sommer 2020 sollen unsere Räumlichkeiten endgültig fertig sein.

Hauptstadt: Wir sprechen davon, dass wir München zu einer zukunftsorientierten und nachhaltig agierenden Metropole machen wollen. Mitte Februar stellen wir unseren ersten Entwurf der Digitalisierungsstrategie im Stadtrat vor – da werden wir schon so etwas wie ein bundesweiter Vorreiter sein. Es wird zudem noch heuer ein Digitalisierungsportal geben, in dem wir unsere Strategie und Ziele veröffentlichen. Die Münchner sollen sich über unsere Projekte informieren und ihrerseits weitere Vorschläge einbringen können.

Intelligente Lichtmasten: Es werden bereits erfolgreich Daten von 60 Masten im Projektgebiet Neuaubing/Westkreuz/Freiham zu Smarter Together gesammelt. Ziel ist es, mit den Daten über Schadstoffwerte Schadstoffwerte, Wind, Niederschlag und ähnliches in der München Smart City App sogenannte Echtzeitdienste zu bieten und langfristig die Planungsprozesse bei der Stadt zu optimieren.

Jogi Löw: Herr Löw und ich hätten sicherlich keine Sprachbarriere. Ich übe noch, aber meistens kommt mein schwäbischer Dialekt doch durch. Sie können mir glauben: Nach zwei Tagen in Stuttgart höre ich mich anders an.

Kreisverwaltungsreferat: Die Online-Services des KVR werden besonders stark genutzt. Insgesamt sind über 100 Dienste der Stadtverwaltung online verfügbar und es kommen fortlaufend neue dazu.

Limux: Dieses städtische Betriebssystem war technisch gesehen gut aufgestellt. Wir waren aber am Ende die einzigen, die es in dieser zentralen Rolle genutzt haben. Das bringt diverse Probleme mit sich – Stichwort Standard­anwendungen oder moderne Hardware und Treiber. Die Idee, sich nicht von großen amerikanischen Konzernen abhängig zu machen, ist sicherlich ein valides Argument, aber es schwierig, wenn sich nur München allein in diese Richtung bewegt.

M-WLAN gibt es an und in über 300 öffentlichen Plätzen und Gebäuden. Natürlich ist das Ziel ein flächendeckendes Angebot zu schaffen, das alle geeigneten Standorte im Stadtgebiet abdeckt.

Nörgler: Ich bin ein sehr gut gelaunter Mensch. Aber manchmal komme auch ich ins Granteln.

Online: Wichtige Stichworte sind für mich Bürgernähe und digitale Teilhabe. Für Menschen mit körperlichen Behinderungen bringen Online-Services Vorteile. Es ist uns aber auch ein zentrales Anliegen, dass Senioren weiter menschliche Schnittstellen haben.

Personal: Aktuell hat das IT-Referat etwa 1200 Mitarbeiter. Wir wachsen ständig weiter und versuchen dabei aktuell gezielt den Anteil von Frauen in der IT zu erhöhen.

Quervergleich: International gesehen liegen wir in Sachen Digitalisierung etwa im guten Mittelfeld. Damit sich das verbessert, brauchen wir einen entsprechenden Netz­ausbau. Könnten mehr Leute mit einer stabilen Internetverbindung Homeoffice machen, würde der wegfallende Berufsverkehr die Infrastruktur entlasten und die Umwelt schonen. Hier zu sparen, ist grundverkehrt.

Roboter: Wir testen noch heuer zwei Roboter im Kundeneinsatz. Dabei handelt es sich um Prototypen. Ob das in einem Bürgerbüro, einem Museum oder einer Bibliothek sein wird, steht noch nicht fest.

Schulen: Das IT-Referat entwickelt stadtweit die Digitalisierungsstrategie. Das Referat für Bildung und Sport konzipiert in diesem Kontext das Digital-Konzept für die Schulen.

Twitter: Das IT-Referat bekommt in meiner Rolle als Chief Digital Officer demnächst einen eigenen Twitter-Account. In dieser Rolle würde ich aber nicht auf Facebook aktiv werden. Deren Geschäftsgebaren möchte ich nicht unterstützen.

Umzug: Ich bin aus dem schönsten Dorf der Welt im Schwarzwald in die schönste Stadt der Welt gezogen. Früher habe ich aus dem Fenster auf Rehe und Wildschweine geschaut, jetzt erlebe ich das Großstadtleben. Ich finde es toll in München. Nur die schwäbische Kehrwoche vermisse ich. Hier bin ich schon zwei Mal in Scherben getreten.

Vater: Durch meinen Beruf hatten meine drei Kinder sehr früh auch zuhause eine gewisse Auswahl an Computern. Auch in der heutigen Zeit würde ich meinem Kind beispielsweise kein Handy verbieten. Im Gegenteil. Wichtig ist es aber, dass die Eltern die Nutzung kontrollieren und über Gefahren aufklären.

Wiesn: Ein tolles Event. Ich mag das Fest, aber im Zelt ist es mir doch eher zu laut und zu heiß.

X-Mal schon habe ich versucht, meinen schwäbischen Dialekt abzulegen. Und mehr Sport zu treiben.

Yes: Am meisten gefreut habe ich mich hier über die hoch motivierten Mitarbeiter. Das habe ich auch schon anders erlebt.

Ziel: Während meiner Amtszeit möchte ich, dass das Referat ein Katalysator für die Stadtentwicklung ist. Und eine Führungsstruktur entwickeln, die nicht nur am Referenten hängt, sondern auch anderen Mitarbeitern Karrierechancen bietet.

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