„Eine Position steht zur Disposition“

Die Sucht nach Macht

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Samuel Feustel, Robert Posselt und Benjamin Herzberg vor dem Gemälde.

Sendling – Jedes Jahr werden Künstler auserkohren, die die Wände an der Brudermühlbrücke neu gestalten dürfen – Heuer fiel die Wahl auf das Künstlerkollektiv „Der Blaue Vogel“

Die Graffiti-Aktion ISART sucht jedes Jahr Künstler aus, die die Pfeiler und Wände der Brudermühlbrücke legal besprayen dürfen. Zum zweiten Mal fiel die Wahl auf drei Künstler des Street-Art-Kollektivs „Der Blaue Vogel“: Samuel Feustel, Robert Posselt und Benjamin Herzberg gestalteten seit September die zweiseitige Fläche unter dem Motto „Der König ist tot – lang lebe der König“.
Robert Posselt erklärt im Hallo-Interview, was Philipp Lahm mit Rittern zu tun hat und wie sich Graffiti-Künstler von anderen Künstlern unterscheiden.

Herr Posselt, was hat Sie zu dem Gemälde bewegt?
Wir hatten schon immer Lust, etwas mit Rittern und Drachen zu machen. Das hat sich an der Wand gut angeboten. Beide Seiten sind wie eine Art Geschichte oder ein Kreislauf. Eine Position steht zur Disposition. Sie wird vergeben und dann wird die Besetzung wieder infrage gestellt. Dabei geht es immer um Macht. Weniger darum, sich um die Menschen in der Welt tatsächlich zu kümmern.

„Wir hatten schon immer Lust, etwas mit Rittern und Drachen zu machen“, erklärt Robert Posselt.

Also spielte die aktuelle politische Lage eine Rolle?
Auch. Natürlich ist da die AfD, die gewählt wurde. Es gibt aber viele Strömungen, die sagen, dass bei ihnen alles besser wird. Am Ende besteht immer die Gefahr, dass nur wieder jemand auf dem Platz sitzt und nichts verändert. Das ist wie im Fußball.

Was hat Fußball damit zu tun?
Viele Spieler und Trainer bleiben ewig lange in ihren Positionen. Philipp Lahm ist einer der einzigen, der freiwillig ausgestiegen ist. Es gibt zu viele, bei denen diese Entscheidung von außen mit Gewalt passieren muss. Und das natürlich nicht nur im Fußball. Wir haben uns die Frage gestellt, ob es menschlich ist, nach Macht süchtig zu werden.

Warum kann Graffiti gesellschaftlich so relevante Themen transportieren?
Weil es frei ist, wenn man es so machen kann wie wir. Die meisten Künstler wollen sich vermarkten und Geld verdienen. Das greift bei Graffiti nicht. Man kann mit dieser Kunstform Menschen eine Botschaft vermitteln, die nicht damit rechnen. Wir drücken sie ihnen praktisch einfach aufs Auge.

Sophia Oberhuber

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