Im Gespräch mit Harald Lesch und Heinrich Bedford-Strohm

Sie sprechen über Gott und die Welt

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Hier finden Glaube und Wissenschaft zusammen: Vor genau 50 Jahren, an Heiligabend 1968, nehmen NASA-Astronauten das erste Farbfoto der Erde auf.

München – Was hat die NASA mit Weihnachten zu tun und wie steht der Stern von Betlehem damit in Zusammenhang? Astrophysik-Professor Harald Lesch und Bischof Heinrich Bedford-Strohm kennen die Antwort

Vor genau 50 Jahren, an Heiligabend 1968, nehmen NASA­-Astronauten das erste Farbfoto der Erde auf. Der perfekte Anlass für ein angeregtes Gespräch mit Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch und dem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Heinrich Bedford-Strom. Bevor sie am 21. Dezember in der St. Lukas Kirche diskutieren, wärmen sie sich in Hallo schon mal auf. von Sebastian Obermeir

Heinrich Beford-Strohm ist Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Herr Bedford-Strohm, Herr Lesch – vor 50 Jahren wurde das erste Farbfoto der Erde gemacht. Was fühlen Sie, wenn Sie diese Bilder betrachten?
Bedford-Strohm: Wie die Astronauten staune ich über die Schönheit dieser Welt. Die Bilder schaffen aber auch ein Bewusstsein für die Verantwortung, diesen Planeten nicht auszubeuten und mit Verantwortung damit umzugehen.
Lesch: Zum ersten Mal sahen wir die Erde als Ganzes und wo wir herkommen. Ich habe 1969 gleich beantragt, Astronaut zu werden. Dann habe ich aber schnell erfahren, dass das als Brillenträger und Nicht-Amerikaner nicht möglich ist.

Beim Gesprächskonzert geht es um das Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft. Sind das nicht Gegensätze?
Lesch: Es hat mich immer gewundert, warum Wissenschaft und Religion Widerspruch stehen sollten. Als Mensch kann man religiös sein und die Wissenschaft ernst nehmen.
Bedford-Strohm: Religion und Wissenschaft sind verschiedene Perspektiven auf die gleiche Sache. Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen natürlich in das Denken der Christen ein. Wenn wir die Schöpfungsgeschichte betrachten, in der Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat, steht das nicht im Widerspruch mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Professor Harald Lesch ist Astrophysiker und Fernsehmoderator.

Inwiefern?
Bedford-Strohm: Die Schöpfungsgeschichte ist ja keine Auflistung von historischen Ereignissen, sondern eine Perspektive auf den Sinn und den Kern des Daseins in der Welt. Wenn wir glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat, dann heißt das auch, dass wir die uns von Gott anvertraute Welt nicht zerstören.

Astronomie und Religion treffen an Weihnachten besonders aufeinander: beim Stern von Bethlehem.
Lesch: Die Astronomen haben hier ein klares Standing: Wenn es den Stern wirklich gegeben hat – und nicht nur als Geschichte – dann war es eine ganz besondere Konstellation von Jupiter und Saturn, die zu diesem Phänomen geführt hat.
Bedford-Strohm: Zentral ist eine solche wissenschaftliche Erkundung aber nicht. Zentral ist nämlich die Frage, warum wir die Geschichte des Sterns erzählen. Der Stern weist auf die Geburt von Jesus Christus hin. Darauf, dass dort ein ganz besonderer Mensch geboren wurde, in dem die Herrlichkeit Gottes sich auf besondere Weise zeigt.

Das Gesprächskonzert „Mit Eigenen Augen – Das Wunderwerk Erde“ findet am Freitag, 21. Dezember, um 20 Uhr, in St. Lukas an der Isar, Mariannenplatz, statt. Eintritt frei, Spenden kommen der Sanierung der Lukaskirche zugute.

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