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Lehrer und Noten ‒ Sönke Wortmann im Hallo München-Interview über seinen Film „Eingeschlossene Gesellschaft“

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Von: Sebastian Obermeir

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Sönke Wortmann im Interview mit Hallo München
Sönke Wortmann im Interview mit Hallo München © Till Brönner

Wie entscheiden Lehrer über Noten und die Zukunft ihrer Schüler? In seinem Film „Eingeschlossene Gesellschaft“ gewährt Star-Regisseur Sönke Wortmann den Zuschauern Einblicke.

Einblicke ins Konferenzzimmer: In „Eingeschlossene Gesellschaft“ lässt Sönke Wortmann die Zuschauer teilhaben, wenn Lehrer über Noten und die Zukunft der Schüler entscheiden. Mit Hallo hat er über seine eigenen Schulerfahrungen, seinen (Bildungs-)Weg zum Star-Regisseur und das Team als Schlüssel zum Erfolg gesprochen.

Sönke Wortmann im Interview mit Hallo München

Hallo-München-Redakteur Sebastian Obermeir und Regisseur Sönke Wortmann trafen sich fürs Interview im Bayerischen Hof.
Hallo-München-Redakteur Sebastian Obermeir und Regisseur Sönke Wortmann trafen sich fürs Interview im Bayerischen Hof. © hm

Herr Wortmann, welche Eigenschaft hat Ihren Lieblingslehrer in der Schule ausgemacht?

Ich muss überlegen, ob ich überhaupt einen Lieblingslehrer hatte. Ja, doch: Herr Sandmann. Mathematik war nicht meine Stärke – ebenso wenig wie Physik und Biologie. Aber Herr Sandmann hat mir immer Chancen gegeben, mit meinen begrenzten Mitteln Erfolgserlebnisse zu haben.

Genau die Art Lehrer, die in „Eingeschlossene Gesellschaft“ fehlt.

Ja. Obwohl Holger Arndt, gespielt von Thomas Loibl, so etwa der Typ ist. Er hat ein gutes Verhältnis zu den Schülern. Und wer weiß, vielleicht hatte Herr Sandmann ja auch ein dunkles Geheimnis, so wie Herr Arndt.

Können Sie den Ärger des Vaters im Film verstehen?

Ja und nein. Ich hatte Glück mit meinen Kindern, da gab es keine Probleme in der Schule. Wenn ich sauer gewesen wäre, wäre ich natürlich nicht mit einer Knarre da rein gelaufen. Ein bisschen verstehen kann ich ihn aber insofern, dass enormer Druck herrscht.

Weil die Zukunft scheinbar von den Noten abhängt.

Genau. Es hat sich, fälschlicherweise wie ich finde, die Vorstellung durchgesetzt, dass man nur ein glückliches Leben führen kann, wenn man Abitur hat. Wenn mein Sohn eine Schreinerlehre beginnen wollte, würde ich jubeln. Was mit den Händen herzustellen, wie toll! Man muss nicht Abitur machen und sich durch ein Studium quälen, das nichts für einen ist.

Die Thematik des Films ist hochaktuell. Die Pandemie hat Schülern und Lehrern einiges abverlangt.

Ich glaube, das Thema ist immer aktuell. Der Film hätte auch vor zwei Jahren oder in zwei Jahren rauskommen und einen Nerv treffen können.

Der Titel erinnert jedoch sehr an den Lockdown.

Vielleicht hätte es bessere Titel gegeben, um genau diese Assoziation zu vermeiden.

War es Ihnen wichtig, zu zeigen, dass die Lehrer nicht unbelehrbar sind?

Die lernen dazu, ja. Ich will nicht zu viel vom Ende verraten, aber in der deutschen Bildungspolitik ist es ja oft so: Es geht eigentlich um die Schüler, doch es reden die Eltern und die Lehrer über sie. Die Kinder kommen kaum zu Wort.

Der Film spielt hauptsächlich im Lehrerzimmer. War das Schauspieler-Ensemble deshalb umso wichtiger?

Allerdings. Da braucht es ein eingeschworenes Team.

Sie haben mit einigen davon schon gearbeitet. Sagen Sie sich dann so: Den nächsten drehen wir wieder gemeinsam?

Es ist für mich eine schöne Vorstellung, Leute, mit denen man gern gearbeitet hat, wieder zu beschäftigen. Aus Dankbarkeit und auch aus Selbstschutz – die können ja auch mit mir und meinen Schwächen und Launen umgehen.

Manch einem Schauspieler haben Rollen in Ihren Filmen zu Ruhm verholfen.

Das freut mich natürlich, wenn das klappt. Es funktioniert aber auch umgekehrt: Anke Engelke und Florian David Fitz etwa sind sehr beliebt. Das hilft unserem Film zu einer gewissen Aufmerksamkeit. Dann kann ich mir leisten, jemanden neu zu entdecken, das macht mir Spaß. Auch für das Publikum ist es wichtig, mal neue Gesichter zu sehen.

Lassen Sie uns an die Universität wechseln: Wie hat das Studium an der HFF München Ihre Karriere beeinflusst?

Es gibt in meinem Beruf Quereinsteiger, aber das hätte ich mir nicht zugetraut. Dass sie meine Bewerbung angenommen haben, gab mir so großes Selbstvertrauen, dass ich mir diesen Berufswunsch überhaupt vorstellen konnte.

Und künstlerisch?

Das kam irgendwann von selbst. Die künstlerische Sozialisation ist bei mir und vielleicht bei einigen Mitstudenten durch Abgrenzung von den Älteren entstanden. Wir fanden den so genannten „Neuen Deutschen Film“ langweilig, zu wenig publikumswirksam, zu intellektuell. Das wollten wir anders machen.

Hätten Sie das woanders auch gekonnt?

Es gab damals nur zwei Hochschulen in Deutschland: die DFFB in Berlin und die HFF. Mir war die Münchner Filmhochschule lieber. Ich habe schon in den Hochschulfilmen versucht, Unterhaltung zu machen. In Berlin hätten sie mir das vielleicht ausgeredet.

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Zur Person Sönke Wortmann


Sein Handwerk erlernte Sönke Wortmann, geboren 1959, an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Von dieser Zeit erzählt er: „Ich hab in Freimann gewohnt, direkt am Englischen Garten, in einer günstigen Wohnung. Solche gab es damals noch. Dann bin ich mit dem Fahrrad nach Schwabing zur Hochschule. Und wenn wir keine Vorlesungen hatten, waren wir im Englischen Garten, haben uns am Eisbach gesonnt.“

Sein Kino-Debüt folgte 1991 und mittlerweile stehen die Chancen gut, einen von Sönke Wortmanns Filmen gesehen zu haben: Kassenschlager wie „Der bewegte Mann“, „Das Wunder von Bern“, „Die Päpstin“, „Der Vorname“ oder jungst „Contra“ haben Millionen Menschen ins Kino gelockt.

Wortmann lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Cecilia Kunz, und seinen drei Kindern in Düsseldorf.

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