„In der Jugend habe ich nichts ausgelassen“

Schauspieler Michael Brandner (69) über seine neue TV-Rolle, seine Hippiezeit und Wünsche in der Pandemie

„Ich war ein Hippie mit langen Haaren. Die Frauen waren emanzipiert, die Welt stand uns offen,“ Michael Brandner über seine Jugendzeit.
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„Ich war ein Hippie mit langen Haaren. Die Frauen waren emanzipiert, die Welt stand uns offen,“ Michael Brandner über seine Jugendzeit.
  • Marie-Julie Hlawica
    vonMarie-Julie Hlawica
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In seiner neuen TV-Rolle sehnt sich Michael Brandner seine wilde Jugend zurück. Wie sehr das dem Naturell des 69-jährigen Schwabingers entspricht, verrät er ihm Interview mit Hallo.

In einem neuen TV-Film spielt der Wahl-Münchner einen Ex-Hippie, der sich in seine wilde Jugend zurücksehnt. Im Hallo-Interview verrät der Schwabinger die Exzesse seiner Jugend als Musiker, seine Vorliebe für Komödien, wo er politisch gerne mitmischen würde und warum er auf Münchens Straßen nicht oft erkannt wird.

Herr Brandner, in der ZDF-Komödie spielen Sie einen Ehemann im Unruhestand, der sich nach der Jugendzeit zurücksehnt. Gibt es Parallelen?

Ich hatte eine wilde Jugend, war als junger Mann Hippie mit langen Haaren, habe nichts ausgelassen. Wir haben Haschisch geraucht, waren auf Festivals und ich Sänger einer Band: The Daily Blues.

Wie wild waren die Zeiten?

Ich kenne die Dreier- und Fünfer-WG, habe in einer Kommune auf dem Land gelebt – da waren wir, glaube ich, gut 20 Leute. Es waren wunderbare, unbeschwerte Zeiten: nach dem Einsatz der Pille und vor Aids. Die Frauen waren emanzipiert, hatten oft das Sagen. Uns stand die Welt offen, das haben wir genutzt.

Abseits von der Filmrolle: Sehnen Sie sich danach?

Nein, ich möchte nicht zurück. Aber die Visionen von damals, die waren toll, die kommen heute zu kurz, die Idee, sein Leben innovativ so zu leben, wie man es mag.

Das heißt?

Würde ich politisch mitentscheiden können, wäre ich dafür, dass man das Recht auf Kultur im Grundgesetz verankert, wie es auch ein Recht auf freie Presse gibt.

Wie im Film „Zum Glück zurück“ sind Sie mit Ihrer Ehefrau lange, seit 24 Jahren, verheiratet. Haben Sie ein Rezept für eine lange Ehe?

Es ist für uns beide die zweite Ehe. Wir haben bei der Hochzeit vereinbart, dass wir keinen Tag im Streit beenden. Dass wir offen reden, sagen, was stört, auch wenn es den anderen möglicherweise verletzt. Und dass wir Gentlemen’s Agreements vermeiden: Sonst wird Ehe zur Verhaltensform, dann stirbt Romantik und Erotik.

Sie sind bei München geboren, aber vom Münchner Dialekt hört man nichts.

Ich wohne seit 1997 hier in Schwabing, habe in der Mandlstraße geheiratet und meine drei Kinder sind in München groß geworden. Die Kindheit und das junge Erwachsenenleben habe ich aber in Dortmund verbracht. Angeblich habe ich aber damals als Dreijähriger im Kindergarten Bairisch gesprochen!

Wo sieht man sie demnächst noch – neben der Erfolgs-TV-Serie „Hubert ohne Staller“?

Ich habe zwei Kinofilme abgedreht, eine israelische und eine polnische Produktion. Sie sind komplett fertig abgedreht, geschnitten – nur weiß man mit Corona nicht, wann sie wo und wie gezeigt werden und erscheinen.

Wie wählen Sie Rollenangebote aus?

Ich liebe Komödien, das ist die Königsdisziplin. Tragödie fordert nicht so sehr. Aber Komödie – das ist harte Arbeit. Der feine Fatalismus, den man braucht, damit man sich selbst auf die Schippe nehmen kann. Ich mag es, wenn man über etwas einfach lacht. Nonsens in der Kultur ist wichtig. Was die Angebote betrifft: Meine Frau ist ja meine Agentin und kennt mich recht gut. Bei der Ergebnis­abnahme habe ich sowohl sie und meine Kinder als Korrektiv.

Wer Sie zufällig sieht, erkennt Sie kaum. Privat tragen Sie auffällige Kleidung und Brillen.

Ich habe 1,75 Dioptrien minus und wenn ich schon so ein Ding auf der Nase brauche, um besser zu sehen, darf es mir auch modisch gefallen. Ich liebe ausgefallene Brillenmodelle, habe davon etwa 30 Stück.

Sie spielen als Rolle meist einen sehr umgänglichen, freundlichen Menschen. Ihr Sternzeichen ist Skorpion – denen man einige Stachel und unschöne Eigenschaften nachsagt. Wo zeigt sich das privat?

Oh, ich kann aus dem Stand heraus heftig explodieren. Daran arbeite ich bis heute: an der gewaltfreien Kommunikation.

Der ZDF-Film heißt „Zum Glück zurück“. Ihr Wunsch in diesem Sinne und während der Pandemie an alle?

Positiv nach vorne denken! Bitte nicht in Depressionen verfallen. Durchhalten und aufpassen, dass es vorwärts geht. Wir müssen für unsere Kinder denken. So müssen wir nach vorne sehen.

Tolle Verlosung

Brandners Filmfigur Kurt trägt als Senioren-Revoluzzer eine originelle Trapper-Lederjacke mit langen Fransen im Stil der 70er-Jahre. Hallo verlost die originale Wildlederjacke aus dem Film.

Zur Person

Michael Brandner wurde am 22. November 1951 in Augsburg geboren, wuchs bis zum Umzug nach Dortmund in Pöttmes auf. Der gelernte Schreiner und Innenarchitekt wechselte als Bühnentalent zum Schauspielhaus Bochum, spielte in den 70er-Jahren unter Intendant Peter Zadek.

Seit 1988 ist er auf den TV-Bildschirmen präsent, etwa in der 13-teiligen Bergarbeiter-Saga „Rote Erde“ von Klaus Emmerich. Brandner gründete 2006 die Berufsgewerkschaft der Schauspieler BFFS mit, ist seit 2010 im Vorstand der Deutschen Akademie für Fernsehen, DAFF.

Er verkörpert meist überzeichnete Charaktere, seit 2011 im Format „Hubert und Staller“ (seit 2019 „Hubert ohne Staller“) die Hauptrolle des Polizisten Reimund Girwidz. Auch Hollywood rief: mit „Monuments Men“ 2014 an der Seite von George Clooney.

2018 bekam Brandner den Deutschen Schauspiel-Sonderpreis. Der Vater dreier erwachsener Kinder lebt mit seiner Frau seit 1997 in Schwabing.

Marie-Julie Hlawica

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