ARD-Serie „Oktoberfest 1900“

Markus Krojer im Gespräch mit Hallo München: „Bei der Wiesn geht das Menschliche unter“

Mehr als der kleine Junge von damals: Markus Krojer zeigt sich in seinen Rollen von verschiedenen Seiten. 
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Mehr als der kleine Junge von damals: Markus Krojer zeigt sich in seinen Rollen von verschiedenen Seiten. 

Zwischen „Wer früher stirbt ist länger tot“ und „Oktoberfest 1900“: Als elfjähriger Lausbub wurde er bekannt, nun spielt er einen Wirtssohn. Die Serie wird passend zur Wiesnzeit ausgestrahlt, doch schon vorher äußerten Wirte Kritik. Wie er diese einschätzt, ob er noch als Kinderstar wahrgenommen wird, verrät der 26-Jährige hier. 

  • Der Schauspieler Markus Krojer im Hallo München Interview.
  • 2006 wurde er als junge aus „Wer früher stirbt ist länger tot“ von Marcus H. Rosenmüller bekannt.
  • Jetzt spielt der in der ARD-Serie „Oktoberfest 1900“ mit.

Herr Krojer, Ihre Rolle in „Oktoberfest 1900“ bewegt sich in der Schwabinger Bohème – ein Traumziel für eine Zeitreise als Kreativer?
Auf jeden Fall! Das war eine super spannende Zeit, was mir vorher gar nicht so bewusst war. München war das kreative Zentrum Deutschlands. Insofern würde ich sofort eine Zeitreise machen.

Sie spielen einen Wirtssohn. Wie stehen Sie zur Wiesn?
Volksfeste haben mich seit der Kindheit begleitet. Bei mir in der Kleinstadt waren das zwei kleine Zelte, ein paar Fahrgeschäfte – eine Möglichkeit als Jugendlicher erste Party-Erfahrungen zu sammeln. Die Stimmung war immer gut. Zur Wiesn habe ich nicht so eine Verbindung, da in der Größe das Besondere verloren geht. Ich stehe dem schon auch kritisch gegenüber, dem Kapitalismus dahinter, dass das Menschliche untergeht.

Markus Krojer in "Oktoberfest 1900"

Brigitte Hobmeier, die auch in der Serie mitspielt, erklärte, dass sie einen neuen Bezug zur Wiesn bekommen hat. Ging es Ihnen ähnlich?
Ich habe auf jeden Fall einen anderen Blick bekommen. Für mich war es schon immer ein großes Spektakel, kommerziell. Es war schön, die Anfänge aufzuarbeiten. Damals war es noch nicht das Event, das die ganze Welt herlockt. Ich bin gespannt, wie es den Zuschauern geht, ob die einen anderen Bezug bekommen.

Kritik gab es schon von den Wiesnwirten, die die „machtbesessene“ Darstellung als rufschädigend bezeichneten...
Fernsehen ist schließlich öffentlich-rechtlich und nicht dafür da, um Werbung zu machen. Es kann dem Zuschauer auch mal andere Blickwinkel aufzeigen und muss nicht nur Unterhaltung sein. Es ist wichtig als Kreativer, mutig zu sein, aber das kann auch anders aufgenommen werden. Es ist gut, dass es Diskussionen hervorruft.

Bekannt geworden sind Sie als Lausbub in „Wer früher stirbt ist länger tot“. Werden Sie noch als Kinderstar wahrgenommen?
In München beziehungsweise Bayern war das noch extremer als in Berlin, wo ich jetzt wohne. Mittlerweile studiere ich Filmproduktion, habe andere Projekte. Aber es sind keine vergleichbar großen Projekte.

Sie sind in den Sozialen Medien quasi auf Tauchstation – warum?
Ich plane gerade mit Instagram anzufangen. So früh Aufmerksamkeit zu bekommen, war manchmal zu viel. Damals hatte ich noch keine Vorstellung, wer ich nach außen sein möchte. Die Aufmerksamkeit hatte zu der Zeit einen großen Nachhall, da wollte ich nicht noch mehr generieren.

Sie haben nun wiederholt mit Martina Gedeck zusammengearbeitet. Wie war das?
Beim ersten Film mit Martina war ich 16, unsere Rollen waren sehr eng. Damals war sie die Gegenspielerin, dieses Mal die Mutter. Es war eine wahnsinnige Erfahrung, ich konnte viel lernen. Jetzt war es von Vorteil, dass wir schon eine Beziehung zueinander hatten.

Auch mit Joseph Vilsmaier haben Sie im Abstand von gut zehn Jahren zusammen gedreht, sind im letzten Film vor seinem Tod dabei.
Mit Joseph zusammenzuarbeiten war sehr schön. Er war ein großer Fan von meinem ersten Film und wollte mich für einen kleinen Cameo-Auftritt im Boandlkramer dabei haben. Er hat mich mit offenen Armen empfangen, es war ein sehr herzliches Arbeiten miteinander. Für mich war es die größte Ehre, bei seinem letzten Projekt dabei gewesen zu sein, ihn und seine Arbeitsweise kennenlernen und von seiner Weisheit zehren zu dürfen. Obwohl es fast zehn Jahre her war, hatte er sich nicht verändert.

Die Serie zeigt aber auch, dass es nicht nur eine schöne Zeit war.
Es war eine toughe Zeit. Aber es war auch eine tolle Energie zu spüren. Entscheidend ist ja, dass man wieder zurück kann bei einer Zeitreise (lacht).

Ludwig würde gerne malen, soll sich aber um die Wirtschaft kümmern.Gibt es Träume, die in dir schlummern?
Ich hatte schon immer viele Träume, die mich begleiten, daher kann ich Ludwig da gut nachvollziehen. Ich versuche bei der Musik aktiv zu bleiben. In Berlin gibt es ein Musikkollektiv, wo ich spiele – da ist schön, auch wenn nur zwei Leute tanzen sollten. Ein großer Traum ist es mein eigenes Soundsystem zu bauen. Da gibt es in München eine große Szene. Es geht um einen Bass, den man besonders am Körper spürt.

Da machst du dir unter den Nachbarn aber Freunde?
Es geht nicht drum, das zuhause zu machen, sondern eher außerhalb. In München ging das im Sunny Red, Ampere oder Feierwerk. Die Kraft der Musik hat mich immer begeistert, auch dass es ein handwerkliches Projekt ist.

ZUR PERSON

„Dadn Sie eventuell mit mir vögeln?“ – „Was?“ – „Also ned oda?“. Ein Dialog, den man nicht so schnell vergisst, besonders aus dem Mund eines Elfjährigen. Und so wurde Markus Krojer 2006 als Junge aus „Wer früher stirbt ist länger tot“ von Marcus H. Rosenmüller bekannt. Mittlerweile hat der Schauspieler, am 3. Februar 1994 in Mainburg geboren, seine Filmografie ausgebaut, drehte wiederholt mit Regisseuren wie Rosenmüller und dem im Frühjahr verstorbenen Joseph Vilsmaier, an der Seite von Martina Gedeck und Christian Tramitz.

Nun ist er in der ARD als Wirtssohn in der Serie „Oktoberfest 1900“ zu sehen – er selbst bezeichnet sich als leidenschaftlichen Biertrinker. „Dabei bin ich nicht so einer, der sagt, dass alkoholfreies Bier kein richtiges ist.“ Bevor er für sein Studium der Filmproduktion nach Berlin zog, lebte er am Rotkreuzplatz: „Das war sehr schön und ich denke gerne daran zurück.“

von SABINA KLÄSENER

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