A bis Z mit dem neuer Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung Rupert Grübl

Rupert Grübl: "Fake News sind aktuell ein Riesenproblem."

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Rupert Grübl (57), neuer Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung, von A bis Z.

Der Leiter des Gymnasiums Fürstenried verlässt seine Schule und wird Chef der Landeszentralerle für Politische Bildung. Hallo sprach mit ihm über seinen Abschied, Veränderungen und wie er künftig mit einem Youtube-Kanal junge Wähler erreichen möchte

Der Freitag vor Weihnachten wird sein letzter Schultag – Ende Dezember verlässt Rupert Grübl seinen Posten als Direktor am Gymnasium Fürstenried. Seit 2015 hatte er die Schule geleitet, zuvor 22 Jahre in Murnau am Staffelsee Englisch, Geschichte und Sozialkunde unterrichtet. Dem Lehrberuf bleibt der 57-Jährige jedoch auch in Zukunft treu: Als Nachfolger von Harald Parigger wird er ab Januar 2019 der neue Leiter der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ). Was wirklich gegen Fake News hilft, wie er künftig mit einem Youtube-­Kanal junge Wähler erreichen möchte und wieso er selbst parteilos ist, verrät Grübl auf dieser Seite von A bis Z. Vanessa Hahn

Rupert Grübl (57), neuer Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung, von A bis Z

Anfänge: Aufgewachsen bin ich in Allach und Karls­feld, in München habe ich studiert und war Referendar. Schulleiter am Gymnasium Fürstenried bin ich seit 2015, davor war ich 22 Jahre am Gymnasium in Murnau tätig.

Bunker: Die Schüler nennen das Gymnasium Fürstenried liebevoll so – warum die Stadt eine Sanierung vor sich her schiebt, verstehe ich nicht.

Chef: Bei der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung (BLZ) gibt es etwa 30 Vollzeitstellen – als Direktor war ich bisher Chef von 1000 Schülern.

Digitalisierung: Informationen werden nicht mehr primär aus Büchern, Zeitungen und dem Fernsehen bezogen, sondern aus dem Internet. Dieser Entwicklung muss man auch die politische Bildungsarbeit anpassen.

Extremismusbekämpfung ist extrem wichtig – und zwar in jede Richtung. Natürlich ist Rechtsextremismus gerade deutlich wahrnehmbar, aber jegliche Ausschläge von der politischen und demokratischen Mitte, oder auch religiöser Extremismus, stellen eine Gefahr für unsere Demokratie dar.

Fake News sind aktuell ein Riesenproblem. Sie komplett auszulöschen wäre eine Sisyphosaufgabe. Was wir leisten können ist, mit parteiübergreifenden, neutralen Informationen und Fakten dagegenzuhalten.

Gemeinsam: Trotz der spürbaren Präsenz von Populismus und Extremismus ist wahrzunehmen, dass sich die Parteien der Mitte aktuell wieder auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen.

Herumsprechen sollen sich künftig die vielseiten und kostenlosen Angebote der Landeszentrale – wenn wir mehr ins Bewusstsein der Leute rücken wäre das toll.

Inhalte: Informationen sind die Grundlage für alles weitere, das gilt beispielsweise auch bei Lehrplänen. Aber sie müssen gezielt eingesetzt werden, um Kompetenzen zu vermitteln. Erst wenn das Verständnis vorhanden ist, wie Wahlen funktionieren, was Erst- und Zweitstimme bewirken, kann sich eine tiefere politische Kompetenz entwickeln.

Jedermann: Die Arbeit der BLZ richtet sich nicht nur an Jugendliche oder Erstwähler, sondern stellt Angebote und Inhalte für jedermann bereit.

Keine Freiheit für Feinde der Freiheit: Mit diesem Grundsatz leben wir in einer abwehrbereiten, wehrhaften Demokratie. Feinde der Meinungsfreiheit dürfen in unserer Gesellschaft keine Möglichkeit haben, diese zu attackieren.

Lehrer sein ist toll. Leider hat der Beruf verhältnismäßig wenig Ansehen in der Gesellschaft, obwohl ein ressourcenarmes Land wie Deutschland auf ein gutes Bildungssystem angewiesen ist.

Meinungsfreiheit: In Deutschland gibt es die Möglichkeit Parteien zu verbieten. Diese „definierte Meinungsfreiheit“ unterscheidet uns von anderen Ländern wie den USA – und zeigt, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat.

Nichtwähler: Ich möchte, dass vor allem junge Leute, die erstmals in Kontakt mit Politk kommen, ihre Meinung auf objektiven Informationen aufbauen und ein gesundes Politikinteresse und -verständnis entwickeln.

Online-Offensive: Digitale Angebote der BLZ zu stärken wird künftig sehr wichtig. Das ist aber auch mit einem enormen Zeit- und Kostenaufwand verbunden – vor allem, da wir nutzerorientiert handeln und zielgruppenrelevante Inhalte zur Verfügung stellen wollen.

Parteilos: Ich war nie und bin nicht Mitglied einer bestimmten Partei. Schon meinen Schülern wollte ich immer vermitteln, dass es nie die eine Partei geben wird, mit der man zu 100 Prozent übereinstimmt.

Qualifiktion: Ob im Staatsdienst oder ganz grundsätzlich: Für die Vergabe von Posten ist letztendlich die Qualifikation entscheidend.

Regierung: Die Regierung spiegelt den politischen Willen der Mehrheit des Volkes wider. Und natürlich habe ich eine persönliche politische Meinung – sonst wäre ich künftig auch an der falschen Stelle.

Sprungbrett: Mir wurde unterstellt, dass ich die Schulleitung nur als Sprungbrett benutzt habe – das stimmt nicht. Als ich vor drei Jahren Schulleiter wurde, hätte ich mir nie etwas anderes vorstellen können. Jetzt reizt mich einfach eine neue Herausforderung.

Twitter funktioniert so gut, da es Emotionen anheizt. Mein Ziel: Gerade jungen Menschen zu zeigen, dass sie sich nicht immer nur von ihrem Bauch leiten lassen dürfen und immer kritisch hinterfragen sollten, was sie online lesen.

Unglaublich wichtig sind kritische Fragen: Wer stellt was ins Netz, mit welcher Motivation oder Zielsetzung, wie erkenne ich, was wahr und falsch ist?

Veränderung: Mein neuer Job wird eine tolle Herausforderung, aber auch eine große Veränderung.

Wahlen: Nicht nur das Parteiprogramm, sondern was nach dem Wahlkampf passiert, zählt. Wähler müssen sich ihre Meinung insbesondere dadurch bilden, dass sie ein Auge darauf haben, was Parteien wirklich umsetzen und wie sich Politiker zwischen den Wahlen verhalten.

X-machen: Die Basis für demokratische Wahlergebnisse sind mündige und kritische Wähler.

Youtube: Junge Wähler erreicht man am besten über das Internet. Deshalb will ich einen Youtube-­Kanal der BLZ ins Leben rufen – und in die Schulen gehen, um von Jugendlichen zu erfahren, was sie interessiert.

Zukunft: Ich bin Schulmensch, Lehrer – künftig werde ich mich wohl ab und an erinnern müssen, dass ich die politische Bildungsarbeit nicht nur für junge, sondern auch für erwachsene Menschen mache.

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