A bis Z mit dem Leiter der Luftsicherheitsstelle des Münchner Flughafens

Rolf Oberndörfer: "Wir finden pro Jahr bis zu 100 000 verbotene Gegenstände"

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Er ist der Mann für die Kontrollen am Münchner Flughafen: Rolf Oberndörfer.

Mehr als 6,5 Millionen Passagiere nutzten in den Sommerferien den Münchner Flughafen. Immer dabei der Mann der Sicherheit: Rolf Oberndörfer. Hallo sprach mit ihm über Leichen, Flüssigkeiten und Körperscanner

Für die Mitarbeiter an der Sicherheitskontrolle bedeuteten die Sommerferien auch in diesem Jahr wieder Hochbetrieb. Zu Beginn gab es gleich ein Chaos: Eine Passagierin war ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt und der Flughafen stand mehrere Stunden still. Der Leiter der Luft­sicherheitsstelle, Rolf Oberndörfer, ist sich sicher: „Hätten die Mitarbeiter rechtzeitig Alarm ausgelöst, wäre alles halb so schlimm gewesen.“ Etwa 15 Minuten seien bis zur Meldung vergangen. Der Vorfall wird derzeit noch untersucht. Die Betroffenen sind suspendiert. Die Panne sei allerdings ein Einzelfall. Dennoch erlebt Oberndörfer in seinem Job viel Skurriles. Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Luftsicherheitsstelle und sagt: „Die Passagiere schleppen alles mit.“ Im Hallo-Interview berichtet er von ungewöhnlichen Funden und verrät, welcher Gegenstand in den Sommerferien häufig beanstandet wurde. Andreas Schwarzbauer

Anforderungen: Mitarbeiter dürfen keine strafrechtliche Vergangenheit haben, die sicherheitliche Relevanz hat. Wenn jemand kriminelle Energie hat, ist er im Sicherheitsbereich nicht gut aufgehoben. Dafür berücksichtigen wir nicht nur das Führungszeugnis.

Bezahlung: Wir suchen nicht möglichst billige Mitarbeiter, sondern zahlen nach öffentlich-rechtlichem Tarif.

Caritas: An den Sicherheitskontrollen blieben im ersten Halbjahr 2018 Pfandflaschen im Wert von mehr als 18 000 Euro zurück. Der Erlös ging an die Caritas.

Diplomaten: Auch Diplomaten müssen durch die Sicherheitskontrolle. Nur ein sehr eng begrenzter Personenkreis ist davon freigestellt. Dazu zählen Staatspräsidenten und Minister.

Extrawurst: In allen sonstigen Bundesländern übernahm nach der Wiedervereinigung die Bundespolizei die Sicherheits­kontrollen an den großen Flughäfen. Nur in Bayern macht das weiterhin eine eigene Gesellschaft des Freistaates unter Aufsicht der Regierung von Oberbayern. Für den bewaffneten Schutz ist auch bei uns die Bundespolizei zuständig.

Flüssigkeiten: Als die neue Regelung für Flüssigkeiten 2006 in Kraft trat, haben wir den Passagieren anfangs bis zu einer Tonne Flüssigkeit am Tag abgenommen. Inzwischen ist es weniger geworden.

Ganzkörperscanner: Wir setzen auch in München sogenannte Body Scanner ein, weil wir uns davon sicherheitstechnische Verbesserungen erhoffen. Allerdings stehen diese flächendeckend bisher nur in Terminal 2.

Händisch: Wenn bei der Röntgenkontrolle irgendetwas unklar bleibt, muss unser Personal das Gepäckstück per Hand öffnen, um die Harmlosigkeit festzustellen.

Intimere Kontrollen können wir in einer separaten Kabine durchführen. Allerdings geschieht das bei den meisten Passagieren nicht. Denn es kostet Zeit. Deshalb braucht es nachvollziehbare Gründe, wie wenn jemand eine Prothese hat oder aus religiösen Gründen einen Turban trägt, den er in der Öffentlichkeit nicht abnehmen will.

Jahreszeiten spielen eine Rolle für die Dauer der Sicherheitskontrolle, denn im Winter müssen die Menschen erst Jacken, Mützen und Schals ausziehen.

Keuschheitsgürtel: Ein männlicher Passagier hat einmal angefragt, ob er mit seinem Keuschheitsgürtel einschließlich Vorhängeschloss durch die Sicherheitskontrolle käme. Wir hätten ihn in einem separaten Raum genauer kontrolliert, aber er ist doch nicht aufgetaucht.

Leiche: Wir kontrollieren auch Reisegepäck. Darin haben wir einmal eine Leiche gefunden. Zwei Italienerinnen wollten ihren toten Bruder von Südamerika nach Italien bringen und bestatten. Weil davon keine Bedrohung der Luftsicherheit ausging, durften sie weiterfliegen.

Müll: Obwohl die Passagiere Gegenstände, die sie nicht mitnehmen dürfen, auch zur Aufbewahrung geben können, wird der Großteil im Sondermüll entsorgt.

Neuerung: Wir testen gerade ein neues Kontrollgerät für das Handgepäck. Es funktioniert wie ein Computertomograph und soll Sprengstoff zuverlässig erkennen. Für Passagiere würde die Kontrolle komfortabler werden, weil sie Flüssigkeiten und Laptops nicht mehr aus der Tasche nehmen müssten.

Obazda: Lebensmittel dürfen Sie zwar mitnehmen. Obazda fällt aber unter die Flüssigkeitsbeschränkung.

Personal: Wir beschäftigen mehr als 1500 Mitarbeiter. Das Personal muss man an das Passagieraufkommen anpassen. Deshalb sind beispielsweise Ferien oder Messetermine zu berücksichtigen.

Qualifizierung: Die angehenden Fluggastkontrollkräfte dürfen erst nach einer siebenwöchigen Ausbildung und einer mehrtägigen Prüfung an der Sicherheitsschleuse arbeiten.

Röntgengerät: Je dichter ein Stoff ist, desto mehr absorbiert er die Röntgenstrahlen und desto dunkler erscheint er auf dem Bildschirm. Die Mitarbeiter sehen dann nicht, was hinter der schwarzen Fläche ist und müssen das Gepäck manuell kontrollieren.

Schuhe: Es kommt vor, dass Passagiere ihre Schuhe ausziehen müssen. Das richtet sich auch nach der Sohlendicke. Die Schuhe werden geröntgt und gegebenenfalls auf Sprengstoff untersucht.

Tiere: Wir wollen lebende Tiere nicht der Röntgenstrahlung aussetzen und nehmen sie für alternative Kontrollen aus dem Körbchen. Einmal ist eine Katze entwischt und in den Katakomben des Flughafens verschwunden. Wir konnten Sie allerdings wieder einfangen.

Unfassbar: Ein Mann ist mit einer Kloschüssel unter dem Arm durch die Kontrolle gegangen. Aus Sicherheitsperspektive war es kein Problem. Allerdings ist fraglich, ob sie die Fluggesellschaft als Handgepäck transportiert hat.

Vodka: Ein Mann wollte seine 0,7-Liter-Flasche Vodka nicht entsorgen. Deshalb hat er sie an der Kontrollstelle in einem Zug ausgetrunken.

Wasserpistole: In den Sommerferien hatten die Kinder oft eine Wasserpistole dabei. Damit dürfen sie aber nicht durch die Sicherheitskontrolle, denn wir haben Hinweise, dass „Spitzbuben“ funktionsfähige Waffen als Spielzeug tarnen.

X-fach: Wir finden pro Jahr bis zu 100 000 verbotene Gegenstände. Das Gros sind Taschenmesser.

Y-Chromosom: Männer sind bei uns knapp in der Minderheit. Insgesamt arbeiten bei uns mehr Frauen, viele allerdings in Teilzeit.

Zoll: Im Gefüge eines Flughafens kann keiner isoliert arbeiten. Deshalb haben wir enge Kontakte zum Zoll, aber auch zu Polizei, Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber.

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