Regisseur Franz Xaver Bogner im Gespräch mit Hallo München

Franz Xaver Bogner: „Bairisch: ein Gedicht!“

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Regisseur Franz Xaver Bogner auf die Frage, ob er seine eigenen Filme und Serien schaut: „Wenn München 7 im Fernsehen läuft, gehe ich raus.“

Mit 70 zum Kult-Comeback? Im großen Geburtstags-Interview wagt Franz Xaver Bogner einen Blick zurück und verrät, wie er seine Erfolgsserie „Irgendwie und Sowieso“ wieder aufgreifen möchte

Der Regisseur feiert am 15. Januar seinen 70. Geburtstag. Im Hallo-Interview lässt er die Highlights seiner Karriere Revue passieren und verrät, wie ihn „Irgendwie und Sowieso“ auch beim nächsten Projekt begleiten wird. von SEBASTIAN OBERMEIR

Herr Bogner, an welche Momente in Ihrer Karriere erinnern Sie sich besonders gerne?
An die gesamte Zeit von „Irgendwie und Sowieso“ (Hallo verlost DVD-Packages). Weil alle so hochmotiviert waren. Möglicherweise weil es für viele eine Abbildung ihrer Jugendzeit war. Auch für mich. Da ist sehr viel eigen Erlebtes drinnen. Es war eine wilde Zeit. Ein paar Sachen habe ich weglassen müssen, sonst hätten sie mich verhaftet (lacht).

Wenn Sie an den Dreh denken, würden Sie heute etwas anders machen?
Ich würde zum Beispiel nicht mehr so gefährliche Autostunts machen. In einer Szene stürzt dieser Bus ab und überschlägt sich zehn, 15 Mal. Während der Aufnahme stand ich neben dem Notarzt, der für den Notfall dagewesen wäre. Das Auto lag endlich, der Rauch ging auf. Dann hat dieser ältere, erfahrene Notarzt leise zu sich gesagt: „Ihr habt’s alle an Vogel.“

Schauen Sie ihre eigenen Filme und Sendungen?
Nein, nie. Wenn zufälligerweise etwa „München 7“ im Fernsehen läuft, dann gehe ich raus. Erstens, weil mir so viele Fehler auffallen, und zweitens kann ich ganz schlecht rückwärts denken. Ich denke immer weiter, weiter, weiter. Das geht soweit, dass ich ungern rückwärts fahre. Wenn ich jetzt zum Beispiel in der Früh die Semmeln hole, fahre ich nie den selben Weg zurück. Schon wenn ich den Rückwärtsgang einlegen muss, denk ich mir: Mist.

Mit „Irgendwie und Sowieso“ oder „München 7“ hat Franz Xaver Bogner das Münchner Lebensgefühl eingefangen wie kaum ein anderer.

Klingt, als ob Sie nicht ans Aufhören oder an die Rente denken?
Ich habe jetzt ein halbes Jahr eine längere Pause gemacht. Man wird dann ungeduldig und fragt sich, was mache ich denn jetzt? Angst, dass mir jetzt ob der Zahl, die da bei meinem Geburtstag voransteht, nix mehr einfällt oder dass ich keine Lust mehr habe, habe ich nicht.

Woher kommt Ihre Inspiration?
Aus dem sogenannten normalen Leben. Dazu zählt, dass man selber einkaufen geht, S-Bahn fährt, dass man dort ist, wo die Menschen sind. Ich lasse auch gerne Verstorbene wieder aufleben. Wenn ich mir überlege, wie die Figuren heißen sollen, schaue ich oft Todesanzeigen durch. Das braucht eine Melodie, eine Echtheit. Der Daimer Sepp. Das klingt anders als der Daimer Johannes.

Die Sprache ist generell in Ihren Filmen ein wichtiger Aspekt. Stichwort Dialekt.
Die bairische Sprache ist so eine emotionale Angelegenheit. Wenn man Dialoge schreibt, ergibt sich ein bestimmter Rhythmus. Das ist wie ein Gedicht. Und so Sätze wie: „Dat i di dann“, das ist wie Musik.

Was macht den Münchner außer der Sprache aus?
Am besten erlebt man es, indem man bei schlechter Witterung am Viktualienmarkt einkauft und vor Ständen steht und selber unschlüssig ist, was man will. Es ist eine Lebensart, die über alle Grobheit hinaus etwas sehr Menschliches und Eigenes hat. Es ist auch schwer etwas zu beschreiben, was man selber permanent lebt.

Nochmals zurück zu Ihren anstehenden Projekten. Was ist konkret geplant?
Ich weiß noch nicht genau, wie die Serie „Über Land“ mit Franz Xaver Kroetz weitergeht. Dann habe ich noch andere Ideen. Vielleicht geht es thematisch ein bisserl in die Richtung von „Irgendwie und Sowieso“.

Wäre das nicht der Rückwärtsgang?
Ich möchte keine Fortsetzung machen. Aber einen Zugang zu den jungen Leuten auf dem Land finden. Die sich nur wenig gefallen lassen. Und nur wenig Obrigkeitsdenken haben. Das Land deshalb, weil ich glaube, dass man mit Blick nach vorne auf dieses Land aufpassen muss. Dass das keine Industriewüste wird. Weil dann ist Bayern nicht mehr das, was es einmal war.

Zur Person

Volle Ladung bayerisches Lebensgefühl! Franz Xaver Bogner gelang in den 80er-Jahren der Durchbruch mit seiner Serie „Irgendwie und Sowieso“ (auf DVD und Blu-ray, Eurovideo), in der er mit Ottfried Fischer die 68er-Jahre des Münchner Landes wieder aufblühen lässt.

Franz Xaver Bogner wurde am 15. Januar 1949 in Pliening geboren. Nach dem Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München avancierte er mit „Irgendwie und Sowieso“ zum bayerischen Kultregisseur. Erfolge mit „Zur Freiheit“, „Café Meineid“ oder „München 7“ oder „Moni’s Grill“ und weiteren folgten (Hallo verlost DVD-Packages). Immer dabei: jede Menge Humor und ein ganz besonderer Blick auf das alltägliche Leben – zwischen Land und Stadt. 

„Ich bin in Marktschwaben aufgewachsen und in Erding aufs Gymnasium gegangen. Ich hatte immer den Vorteil, dass ich beides erleben konnte. Wenn ich mich in den Zug gesetzt habe, war ich in 20 Minuten in der Stadt.“ Heute lebt er mit seiner Frau und vier Kindern in Neubiberg. „87 Meter vor der Stadtgrenze. Das habe ich schon einmal ausgemessen!“

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