Gerhard Maier ist seit August Ministerialbeauftragter für München

Raumnot, Corona, G9: Münchens Ministerialbeauftragter für Gymnasien im Gespräch

Ein Schüler meldet sich im Kreise seiner Klasse.
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Am Dienstag startet an Münchens Gymnasien das neue Schuljahr.
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
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Seit August hat München einen Ministerialbeauftragten für Gymnasien. Warum, was seine Aufgaben und Herausforderungen sind, verrät Gerhard Maier im Interview.

München - München hat seit August einen eigenen Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in der Stadt: Oberstudiendirektor Gerhard Maier. Damit ist der 58-Jährige für gut 60 Schulen der Vermittler zum Kultusministerium.

Ministerialbeauftragter in München formell auch Schulleiter

Formell ist er mit seinem Amt zudem Schulleiter des Max-Josef-Stifts. Dessen Amtsgeschäfte werden allerdings nach wie vor von der dortigen Schulleitung wahrgenommen.

Auch mit seinem Team sitzt Maier nicht an dem Gymnasium, sondern bis auf Weiteres in der Infanteriestraße 7 – in direkter Nachbarschaft zur Dienststelle der Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Oberbayern-West, den Schulberatungsstellen für München und für Oberbayern-West sowie dem Studienkolleg. Hallo hat mit ihm gesprochen.

Gerhard Maier ist seit August Münchens erster Ministerialbeauftragter für Gymnasien.
Herr Maier, welche Aufgaben hat ein Ministerialbeauftragter?
Alle neun Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Bayern beraten und unterstützen in ihren jeweiligen Bezirken die Schulen in allen schulischen Fragen, insbesondere im Bereich Schulrecht, Schulentwicklung und Qualitätsentwicklung. Dazu kommen schulaufsichtliche Aufgaben, wie zum Beispiel die Überprüfung der dienstlichen Beurteilungen der Lehrkräfte. Außerdem ist die Lehrerfortbildung bei uns angesiedelt.
Warum war es notwendig, dass München einen eigenen Ministerialbeauftragten bekommt?
Allein in der Landeshauptstadt gibt es eine sehr große Anzahl von Gymnasien: staatliche, städtische, aber auch welche in kirchlicher oder privater Trägerschaft. In den beiden bisherigen Ministerialbeauftragten-Bezirken Oberbayern-West und Oberbayern-Ost, auf die die Münchner Gymnasien gleichmäßig verteilt waren, befanden sich jeweils circa 90 Schulen. Durch die Gründung des neuen Bezirks München sind nun alle drei Ministerialbeauftragte in Oberbayern für jeweils gut 60 Schulen zuständig. Der Münchner kümmert sich ausschließlich um die Schulen im Stadtgebiet, kennt deren besondere Situation und kann auf dieser Basis mit dem Referat für Bildung und Sport konstruktiv zusammenarbeiten.
Was sehen Sie als die größte Herausforderung in München?
Wir haben in München viele Schulen auf begrenztem Raum. Bei den Einschreibungen verteilen sich die Schüler jedoch nicht gleichmäßig auf diese Schulen, weshalb jedes Jahr in Einzelfällen eine Umverteilung vorgenommen werden muss. Die Zahl dieser Fälle steigt von Jahr zu Jahr und wir müssen gemeinsam Strategien erarbeiten, um hier besser lenken zu können. Dazu kommt die Raumnot an vielen Schulen, die durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium noch verstärkt werden wird.
Haben Sie Beispiele?
G9 betrifft natürlich alle Gymnasien. Ein Fokus wird aber zum Beispiel auf dem Münchner Norden liegen.
Welche Ziele möchten Sie umsetzen?
Mir liegt insbesondere die Schulentwicklung sehr am Herzen, als ein stetiger Prozess, der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft mit auf den Weg nimmt und der in der Schule strukturell gut verankert ist. So können die Herausforderungen erfolgreich angegangen und die gefundenen Lösungen nachhaltig umgesetzt werden.
Was müssen Sie als Erstes anpacken?
Jeder Ministerialbeauftragten-Bezirk hat normalerweise einen größeren Apparat mit vier bis fünf allgemeinen Mitarbeitern und mehreren Teilzeitstellen, darunter zum Beispiel Berater für digitale Bildung, Ganztagskoordinatoren, Schulsozialpädagogen oder Fachreferenten für die Fächer. Diesen Stab werden wir jetzt sukzessiv aufbauen.
Natürlich wird Corona auch dieses Schuljahr beeinflussen. Wie sehen Sie die Münchner Gymnasien gewappnet?
Mit dem Kabinettsbeschluss von letzter Woche wurden die Weichen neu gestellt. Statt der 7-Tage-Inzidenz ist nun die so genannte Krankenhausampel entscheidend. Für die Schulen ist der Präsenzunterricht das erklärte Ziel. In den ersten Schulwochen soll eine konsequente Maskenpflicht sicherstellen, dass durch Reiserückkehrer keine neuen Infektionswellen kommen. Dazu kommen drei wöchentliche Selbsttests und eine Quarantäne mit Augenmaß, bei der nicht mehr gleich die ganze Klasse in den Distanzunterricht geschickt wird, wenn es einen Coronafall in der Klasse gibt. Die Stadt München hat bereits Vorbereitungen getroffen für den Einsatz von Luftreinigungsgeräten in den Klassenzimmern und für eine breit angelegte Impfkampagne für Schüler. Insgesamt sehe ich die Schulen im Moment gut gewappnet, aber gleichzeitig, das hat die Pandemie uns gelehrt, müssen wir die Entwicklungen gut im Blick behalten und falls nötig darauf reagieren.
Glauben Sie, dass es erneut zu Online-Unterricht und Schulschließungen kommen wird?
Hier bin ich sehr vorsichtig mit einer Prognose. Fakt ist, dass es der erklärte Wille der Politik ist, den Präsenzunterricht sicherzustellen. Wir alle haben im Verlauf der Pandemie erkannt, wie wichtig er ist, gerade auch für die soziale Entwicklung der Schüler. Gleichzeitig haben sich viele Lehrkräfte fortgebildet und es wurden an den Schulen viele neue innovative Wege gefunden, um Unterricht und Schulleben digital zu gestalten. Darauf können und müssen wir aufbauen. Nicht nur, weil es möglicherweise wieder Online-Unterricht geben wird, sondern auch, weil das Lernen mit digitalen Medien seinen festen Platz in der Schule verdient.
Was können Sie tun, um die Gymnasien in München zum Beispiel in Bezug auf immer wieder wechselnde Corona-Vorgaben zu unterstützen?
Hier ist aus meiner Sicht eine direkte, offene und transparente Kommunikation besonders wichtig, sowohl mit den Schulen als auch mit dem Referat für Bildung und Sport.

Zur Person Gerhard Maier

Oberstudiendirektor Gerhard Maier hat an der Universität München Englisch und Geschichte studiert. Nach seinem Vorbereitungsdienst in München unterrichtete er als Gymnasiallehrer am Willibald-Gymnasium Eichstätt, ehe er von 1998 bis 2003 an das Kultusministerium abgeordnet wurde. Anschließend wurde Maier stellvertretender Leiter des Hallertau-Gymnasiums Wolnzach. Von 2011 bis 2018 leitete er das Scheiner-Gymnasium Ingolstadt. Danach wechselte er nach München und übernahm die Leitung der Grundsatzabteilung am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung.

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