„Auf der Bühne stehen ist wie Urlaub“

Ralf Schmitz im Interview: Warum man trotz Corona und Ukraine-Krieg lachen darf

Urlaubsgefühl in Comedy-Form: Ralf Schmitz kommt mit neuem Programm in den Circus Krone.
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Urlaubsgefühl in Comedy-Form: Ralf Schmitz kommt mit neuem Programm in den Circus Krone.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Wenn der Kabarettist und Moderator über sein neues Programm „Schmitzefrei“ spricht, führt ihn das rasch zu Adam, Eva und Homer. Nur dass es bei seinen Reisen ins Urlaubsparadies viel peinlicher hergeht. Ein Gespräch über Spontanität, unvergessene Erlebnisse – und warum Humor in schwierigen Zeiten besonders wichtig ist.

„Schmitz komm raus“, „Schmitzenklasse“. Die Titel Ihrer Programme sind voller Wortwitz. Ich hätte mir ein paar Vorschläge für weitere überlegt, aber Sie sagen, worum es gehen könnte. Ok?

Ich bin gespannt!

Zu Beginn: Geistesschmitz!

Oh, hier kann es um viel gehen: Spontanität, da braucht man Geistesschmitze, das passt wegen der Improvisation fast zu jedem meiner Programme. Wäre ein guter Titel, den ich sogar schon mal aufgeschrieben hatte…

Der nächste: Dein Hosenschmitz ist offen!

(lacht) Das ist ein Programm für Leute über 18. Die Show darf erst um 22 Uhr starten. Da kann man herrlich über Anzüglichkeiten lachen. So unter der Gürtellinie. Das wäre über die Zeit aber zu monothematisch, also könnte es auch um, ja, das wär’s, um Ungeschicklichkeiten im Alltag gehen. So kleine Fettnäpfchen, vom offenen Hosenschlitz bis zum Rülpser, der einem im Sternerestaurant raus rutscht.

Sie müssen ja nicht eine Sekunde überlegen! Kann man Schlagfertigkeit üben?

Man kann herausfinden, ob es einem liegt. Wenn die große Angst einfach nicht weggeht, sollte man es lassen. Wenn man nach dem ersten Schock aber Spaß hat, kann man sich dem stellen. Über die Hälfte meines neuen Programms ist übrigens improvisiert.

Lassen Sie uns über dieses Programm, „Schmitze­frei“, sprechen.

Der schönsten Titel (lacht).

Hallo München verlost Karten für Ralf Schmitz im Circus Krone.

Wo geht die Reise hin?

Der Urlaub bildet den roten Faden durchs Programm. Es geht außerdem um das Gefühl von plötzlicher Freiheit, als der Direktor in der Schule hitzefrei verkündet. Ich kann mich noch gut an dieses pure Glück als Kind erinnern.

Sie schöpfen also aus eigenen Erfahrungen?

Auch. Eine Geschichte, die ist schon eine Weile her, aber ich traue mich erst jetzt, sie zu erzählen. Ich schlief im Hotel, musste nachts aus dem Bett. Doch hinter der Tür, hinter der ich das Badezimmer vermutete, war der Hotelflur. Peng, der Bewegungsmelder geht an, Flutlicht berührte meinen leicht bekleideten Körper. Ich stand nackt dort und musste an meinen Schlüssel kommen. Der Horror, diese Odyssee im Adamskostüm.

Oje, wie peinlich!

Da gibt es noch mehr! Heute kann ich dazu stehen. Auch zu der Peinlichkeit, als ich in Amerika vor meiner Freundin mit meinem Englisch angeben wollte und wir im McDonalds bestellten und es ein Missverständnis nach dem anderen gab. Der Mann hinter dem Tresen hasst mich wohl bis heute.

Wie schaut’s mit Bairisch aus? Waren Sie schon mal in München im Urlaub?

Jein, ich war viel in München, weil wir mit den „Dreisten Drei“ dort gedreht haben. Mit den Kollegen Boes und Majowski. Da hatten wir eine WG an der Isar. Wir haben eine solche WG im Sketch simuliert, aber auch ganz spontan eine bezogen. Die Drehpausen waren wie Urlaub. Da sind wir oft losgezogen, im Haxnbauer waren wir gern. Urig, lecker, das war eine schöne Zeit.

Momentan herrschen hingegen schwere Zeiten. Und kürzlich haben Sie sich in einem Instagram-Post gefragt, ob Comedy dann überhaupt angebracht ist. Jetzt erst recht, lautete Ihre Antwort.

Auf der einen Seite war es mir wichtig, meine Haltung zu dieser Situation zu zeigen. Ich wollte aber auch eine Grundlage schaffen, damit man miteinander sprechen kann. Denn für viele ist es vielleicht ein neuer Gedanke, ob man gerade jetzt zu einer Comedy-Show gehen darf. Wenn ich das als Kraft tanken verstehe, und das finde ich wichtig, dann ist es keine Ignoranz und keine Respektlosigkeit. Sondern ich tanke Gemeinschaftsgefühl und dadurch fühle ich mich stärker, um dann andere zu unterstützen. Die Show ist eine Möglichkeit, den Schalter kurz auszuschalten.

Themenwechsel: Sie haben mehrere Kuppelshows moderiert. Wurden Sie schon einmal zu einer Hochzeit eingeladen?

Ja, ich konnte aber leider nicht, weil ich Auftritte hatte. Bei ein, zwei wäre ich nämlich echt gern dabei gewesen. Manche haben geheiratet, andere haben Kinder. Das ist so schön zu sehen – denn es geht ja erst einmal nur um ein Date, noch nicht um das Versprechen für die Ewigkeit.

Würden Sie in einer Ihrer Shows mitmachen?

Sagen wir mal so: In einer meiner Shows kann ich ja nicht mitmachen, weil ich sie ja selbst moderiere (lacht). Nehmen wir also mal an, ich würde bei einer anderen Dating-Show mitmachen. Hmmm, mal überlegen: Ich würde mir den Moderator oder die Moderatorin sehr genau angucken. Um sicherzustellen, dass die Moderation und die Haltung der Sendung nicht zynisch ist. Dass die Singles nicht ausgenutzt werden und nicht mit dem Finger auf Menschen gezeigt wird, sondern dass man miteinander lacht. Auf spielerische Art und Weise jemanden zu treffen, das wäre doch was.

Gewinnen Sie Karten für Ralf Schmitz‘ neues Programm „Schmitzefrei“ im Circus Krone.

Zur Person

2003 war er der „Beste Newcomer“ beim Deutschen Comedy-­Preis, heute ist er aus der Szene nicht wegzudenken: Ralf Schmitz, geboren 1974, macht im Fernsehen, im Kino und auf der Bühne von sich Reden: Viele kennen den in Bonn lebenden Schauspieler und Comedian noch mit Zipfelmütze aus Otto Waalkes‘ 7-Zwerge-Filmen, in denen er „Sunny“ spielte. Andere haben ihn aus zahlreichen TV-Sendungen wie „Schillerstraße“, „Die Dreisten Drei“ oder seinen neuesten Shows „Paar Wars“, „Halbpension mit Schmitz“ oder „Voll verschossen“ im Kopf. Bei so einem Workload wundert es nicht, dass er den Urlaub auf die Bühne verlagert: In seinem neuen Programm „Schmitzefrei“ geht der Kabarettist auf Reisen. 

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