Zwischen Heimatfilm, Hollywood & Star Wars

Philipp Moog im Gespräch: Über seinen neuen Roman und wie er Ewan McGregor im Bergdoktor unterbringen würde

Philipp Moog
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Der Autor, Synchronsprecher und Schauspieler Philipp Moog legt seinen neuen Roman „Anderwelt“ vor.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Seine Stimme kennt man als Obi-Wan Kenobi oder von Barney in „How I Met Your Mother“. Jetzt hat der Synchronsprecher und Schauspieler Philipp Moog einen neuen Roman geschrieben.

Seine Stimme – unverkennbar. Er leiht sie Ewan McGregor und Owen Wilson, zahlreiche Hörbücher und Dokumentationen hat er aufgenommen. Und auch die literarische Stimme des 60-Jährigen ist vielseitig, wie sein neuer Roman „Anderwelt“ zeigt. Hallo hat ihn getroffen – und über Sprechen, Schreiben und Synchron-Mathematik geredet.

Herr Moog, Sie haben acht Jahre an „Anderwelt“geschrieben. Weil als Schauspieler und Synchronsprecher wenig Zeit fürs Autor-Sein bleibt?
Vor allem, weil ich immer wieder Pausen gebraucht habe, um Abstand zu gewinnen, damit ich das große Ganze wie ein Fremder betrachten konnte.

Zumal der Roman recht komplex ist. Die Todesanzeige als Figurenregister zu Beginn hat mir geholfen, die Konstellationen im Kopf zu behalten.
Das war die Überlegung. Ich glaube, es ist kein Buch, das man nach drei Gläsern Wein vorm Schlafengehen anfängt. Man muss sich schon konzentrieren.

Und auf die Thematik einlassen: Ein Familienoberhaupt hadert damit, ob er sein großes Geheimnis aus der NS-Zeit mit ins Grab nimmt oder seiner Familie davon erzählt.
Ich wollte unter anderem davon erzählen, wie junge Leute vom NS-System verführt wurden, wie das die Familien infiltriert hat und wie sie damit umgegangen sind. Ich habe bei der Recherche mit Zeitzeugen gesprochen, etwa einer älteren Dame, die damals beim Bund Deutscher Mädel war. Sie sieht das heute sehr kritisch und ist geschockt – auch über sich selbst.

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Haben Sie sich eigentlich wegen des Lockdowns wieder mehr dem Schreiben gewidmet?
Nicht unbedingt. Dass ich in die heiße Phase des Romanschreibens komme, hat sich schon vor dem Lockdown abgezeichnet. In der Zwischenzeit habe ich auch ein paar Sachen gedreht. Und die Studio-Aufträge waren nur ganz am Anfang der Pandemie komplett heruntergefahren. Meine Sprecher-Agentur hat mir empfohlen, ein Mikrofon zu besorgen. Jetzt habe ich neben dem Schreibtisch ein kleines Zelt aus Molton-Tüchern aufgebaut, in dem ich aufnehme.

Homeoffice für Synchronsprecher.
Genau. Ich kann hier aufnehmen, Dokumentationen einsprechen. Und mir den ganzen Wahnsinn mit dem Flieger sparen.

Wo wir beim Synchronsprechen sind: Wer wünschen Sie sich, sollte Sie mal synchronisieren?
Es wäre doch toll, wenn Ewan McGregor mich sprechen würde. Im Bergdoktor, das wäre was!

Wie wird man eigentlich die regelmäßige Synchronstimme eines bestimmten Schauspielers?
1994 habe ich Ewan McGregor in „Shallow Grave“ synchronisiert. Nach einer Weile kam man auf mich mit einem anderen seiner Filme zu, aber ich konnte aus Termingründen nicht. Die Aufnahmen wurden verschoben und ich dachte mir, Donnerwetter, nur weil ich den einmal gesprochen habe. Ich hab mir dann den Film angesehen. Mir fiel die Kinnlade runter. So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Film wurde Kult und ich hatte die Stimme von „Trainspotting“. Als ­Mc­Gregor dann Obi-Wan Kenobi spielte, wurde es noch fester.

Das heißt, es gibt keine Garantie oder einen Vertrag?
Manchmal möchten Studios immer noch eine Sprachprobe. Ich vertraue darauf, dass die Star-Wars-Fangemeinde nicht glücklich wäre, wenn Obi-Wan eine andere Stimme bekäme. Aber eine Garantie gibt es nicht.

Sind Sie Star-Wars-Fan?
Ehrlich gesagt hab ich mich reinfinden müssen. Als ich das Hörbuch, die Originaldrehbücher von George Lucas, eingelesen habe, hieß es: Innerhalb eines halben Jahres müssen wir das aufnehmen. Das war im Mai und die 1800 Seiten standen auf meinem Fensterbrett. Mein Büro war dunkel hinter dem Stapel. Und dann bin ich in diese andere Welt eingetaucht.

Und wie fanden Sie das Ende von „How I Met Your Mother“, wo sie Barney sprachen? Die Reaktionen darauf waren ja gemischt.
Allein durch den Titel war die Spannung unermesslich groß. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich gar nicht mehr genau, wie die Auflösung war (lacht). Der Weg war das Ziel, oder?

Wie viel Schauspiel steckt im Synchronsprechen?
Sehr viel. Es wird gerne unterschätzt, was man alles in die Figur legen muss. In der Mathematik gibt es diese Kurven, bei der sich die X-Achse der Y-Achse immer weiter annähern, sich aber nie berühren. So ist es mit Synchron und Original. Es geht immer näher ran, aber zu 100 Prozent wird man es nicht treffen.

Sind Sie beleidigt, wenn jemand sagt: Ich finde das Original besser?
Wenn jemand sagt, dein Deutsch finde ich nicht gut, dann schlucke ich schon. Aber das Original zu sehen, finde ich selbst ja auch toll. Ich schaue mir alles im Original an. Nicht nur Englisch. Auch Französisch oder Hebräisch mit Untertiteln.

Zur Person

Die Schauspiel-Karriere von ­Philipp Moog begann am Gymnasium Starnberg. „Da habe ich in ‚Der Besuch der alten Dame‘ den Pfarrer gespielt“, erzählt der 60-Jährige im Interview. Danach ging es auf die Schauspielschule in München und New York. Und von dort weiter auf die Fernsehschirme und Kinoleinwände: In Krimis wie Derrick, Der Alte oder Tatort, in Serien wie „Hindafing“ und Filmen wie „Lang lebe die Königin“ war er zu sehen.

Moog arbeitet auch als Synchron­sprecher und Autor: Er ist die deutsche Stimme von Ewan McGregor (Obi-Wan Kenobi), Neil Patrick Harris in „How I Met Your Mother“ und Owen Wilson. 2008 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Lebenslänglich“.

Heute lebt Moog mit seiner Frau in Berg am Starnberger See.

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