A bis Z mit dem Wiesnwirte-Sprecher

Peter Inselkammer: "Das Geld wachst ned auf der Wiesn"

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Sprecher der 15 großen Wiesnwirte zu sein ist eine große Verantwortung für Peter Inselkammer - bringt aber auch mächtig Gaudi!

O' zapft is! Armbrustschützenzelt-Chef und Sprecher der großen Wirte Peter Inselkammer sprach kurz vor dem Oktoberfest mit Hallo über Verdienst, Sicherheit und Tradition

Es ist sein erstes Oktoberfest als Sprecher der Wiesnwirte – und gleich muss Peter Inselkammer seine berühmten diplomatischen Fähigkeiten beweisen. Denn in den meisten Zelten kostet die Maß heuer rund 50 Cent mehr als 2017. „Wir hatten fest vorgehabt, die Bierpreissteigerung moderat anzugehen – aber wegen der hohen Sicherheitskosten hatten wir eine Steigerung von über 50 Prozent bei den Platzgeldmieten. Da mussten wir entsprechend kalkulieren“, erklärt der 48-Jährige, dessen Familie seit 1990 das Armbrustschützenzelt betreibt. Seit 2014 sind er und seine Frau Katharina alleinige Wirte. Aber trotz Preis- und Sicherheitsdebatten – Inselkammer, der im Münchner Süden lebt, genießt sein neues Amt. „Es macht Spaß, etwas mitzugestalten. Ich vertrete die Wirte der 15 großen Wiesnzelte, bin Ansprechpartner für Politik und Verwaltung.“ Welche Ziele er dabei verfolgt und wann für ihn Sicherheit vor Brauchtum geht, verrät er hier. Maren Kowitz

Anstich: Seit ein paar Jahren zapfe ich das erste Fass bei uns im Zelt an. Letztes Jahr habe ich zweieinhalb Schläge gebraucht, davor waren es ein bisschen zu viele.

Bierpreisbremse wird kein Thema mehr sein. Ich bin froh, wenn ich mit dieser Diskussion nichts mehr zu tun habe. Aber uns ist klar, dass die Preise nicht endlos steigen können. Wir können nicht jedes Jahr um ein Fuffzgerl hochgehen. Deswegen führe ich Diskussionen mit Verwaltung und Politik. Jeder muss dazu beitragen, dass die Kosten nicht noch mehr steigen.

Christian Schottenhamel ist mein Stellvertreter als Wirte-Sprecher. Wir hatten 2012 eine Wiesn-WG. Meine Frau und ich haben umgebaut und unser Haus ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Da sind wir in seinem Gästezimmer untergekommen. Das war ganz praktisch, auch wenn wir uns auf der Wiesn öfter gesehen haben als daheim...

Diplomatie: Mein Vorgänger, Toni Roiderer, ist recht schlagfertig und deutlich. Für den versteckten Humor sind nicht alle empfänglich. Ich bin ein anderer Charakter, höre erst die Argumente der Gegenseite an, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Trotzdem vertrete ich klare Interessen konsequent. Ich bin jemand, der abwägt zwischen dem, was er denkt und was er sagt. 

Eigene Vorlieben: Ich kann beides – Party und Gemütlichkeit. Ich tanze schon auch auf der Bierbank und trinke ein paar Bier. Aber ich gehe gerne mittags ins Bierzelt und höre Blasmusik. 

Fahrgeschäfte: Als Bub bin ich alles gefahren, ich mag die Wilde Maus und den Fünfer-Looping. Aber letztes Jahr bin ich mit meinen Kindern Flip Flop gefahren, das sich auf zwei Ebenen um die eigene Achse dreht und das hat gar nicht mehr aufgehört. Danach musste ich mich echt kurz hinlegen.

Grantig werde ich, wenn... ich höre, dass die Wiesn nur für die Touristen gemacht wird. Das ist komplett falsch. Über 80 Prozent der Besucher sind aus München und Umland. Es ist nach wie vor ein Münchner Fest.

Heute und damals: Wenn wir Wiesn wie vor 20 Jahren machen würden, hätten wir keine vollen Zelte. Damals war die Wiesn gemächlicher, jetzt ist es eine größere Gaudi, die Leute wollen einen drauf machen. Die Musik hat sich geändert. Dementsprechend sind viel mehr junge Leute gekommen. Aber Tradition hat noch ihren Platz. 

Inselkammer-Imperium: Mein Vater Peter hat zwei ältere Brüder: Franz, dessen Familie die Brauerei in Aying leitet. Und den August, dessen Familie die Firma „Isartaler Holzhaus“ führt. Inzwischen verantworten meine Cousins die Unternehmen und wir sind geschäftlich eng verbunden. Hans Inselkammer, Miteigentümer der Augustiner Brauerei, ist ein Cousin meines Vaters.

Junior: Ich fühle mich nicht mehr als Peter Inselkammer junior. Da denke ich tatsächlich an meinen eigenen Sohn. Mein Vater ist jetzt 75 und seit 2015 nicht mehr aktiv im operativen Geschäft.

Konkurrenzdenken: In erster Linie ist jeder Wiesnwirt Unternehmer und denkt an seinen Betrieb. Aber wir wissen alle, dass wir als Gemeinschaft mehr erreichen als jeder für sich. Wir 15 sind ein überschaubarer Kreis, der sich gut kennt und auf der Wiesn gemeinsam groß geworden ist.

Lieblingsmoment: Beim Platzkonzert bei meist weiß-blauen Himmel auf der Bühne vor der Bavaria zur Bayern-Hymne die Luftballons steigen zu sehen, ist ein erhebender Moment. Da bin i dahoam.

Mehr: Ich vermute, dieses Jahr werden es wieder mehr Besucher als die 6,2 Millionen Besucher des letzten Jahres. Vielleicht knacken wir die sieben Millionen.

Nachwuchs: Ich habe vier Kinder zwischen 13 und 17 Jahren, zwei Buben und zwei Mädchen. Die beiden ältesten haben schon im Wiesn-Büro mitgeholfen. Es schadet ihnen nicht, zu merken, wie man sein eigenes Geld verdient.

Oide Wiesn ist die Gegenbewegung zur Gaudi-Wiesn. Sie repräsentiert die, die nicht soviel Trubel wollen, zum Beispiel Familien oder Senioren. Der Bedarf für dieses Traditions-Biotop ist da.

Prominente: Wir sind kein Promizelt. Da gibt es andere, wo die Prominenz besser hinpasst. Ins Hackerzelt oder zum Schottenhamel geht auch viel Jugend. Wir haben eine Tendenz zu Sport- und Schützenvereinen, viele Handwerker.

Quertreiber: Es gibt Gäste, die schwierig sind. Bei einem Zelt mit 5800 Sitzplätzen muss man eine gewisse Konsequenz haben, Leute leiten. Aber es gibt immer wieder jemand, der dir dann erklären will, dass du einen Schmarrn machst.

Ritual: Am letzten Wiesn­abend machen wir gegen 22.15 Uhr einen Rundgang mit den Bedienungen, verteilen Rosen an die Gäste. Und dann verabschieden wir uns auf der Bühne, während erst die Bayernhymne und dann „Bergwerk“ gespielt wird.

Sicherheit: Die Lautsprecher auf der Theresienwiese mussten sein, aber so eine überdimensionale Anlage dort zu installieren, halte ich für übertrieben. Und der Sicherheitsdienst-Markt ist leergefegt. Man muss deutschlandweit Leute rekrutieren, die zum Gehalt auch noch Verpflegung und Unterkunft während der Wiesn benötigen.

Tradition: Auf dem Dachauer Volksfest durfte man heuer erstmals keine Hirschfänger mitnehmen. Auf der Wiesn ist das seit zwei Jahren schon so. Sicherheit geht vor Brauchtum.

Umzug: 2017 war ich Schützenkönig der Armbrustschützengilde „Winzerer Fähndl“, die ich deswegen beim Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesn-Sonntag anführen durfte. Ich konnte den Thron leider nicht verteidigen.

Verdienst: Das Geld wachst net auf der Wiesn, wie schon Hubert von Goisern singt. Das ist alles hart verdient – auch für einen Wiesn-Wirt.

Wiederaufbau: Meine Großeltern, Maria und Franz, haben das Platzl nach dem Krieg wiederbelebt. Sie haben die alte Volksbühne wiederaufgebaut. Mein Vater hat die Bühne „Platzl“ von 1970 bis zur Schließung 1994 geführt. Und er hat in den 80ern das kleine Platzl-Hotel meiner Großeltern komplett neu gebaut.

Xundheit: Mein Rezept, um während der Wiesn gesund zu bleiben? Eine Prise Schnupftabak tötet die Keime in der Nase. Und meine Frau macht jeden Tag frische Fruchtsäfte und Smoothies im Wiesn-Büro.

Youtube: W-Lan in den Zelten braucht man nicht. Es würde den Leuten gut tun, mal aufs Handy zu verzichten und den Moment zu genießen.

Zapfenstreich ist gut so wie er ist. Wer nach 22.30 Uhr noch weiterfeiern will, hat ja mittlerweile immer mehr ­After-Wiesn-Angebote.

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