Großes Mutter- und Vatertagsinterview

Nepo Fitz: "Mein Vater gehört zu mir wie ein Arm"

Nepo Fitz und Vater Ali Khan verbindet viel mehr als nur ihr Beruf.
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Nepo Fitz und Vater Ali Khan verbindet viel mehr als nur ihr Beruf.

Ein Hoch auf die Eltern! Zum Vatertag sprechen Nepo Fitz und Vater Ali Khan über Trennung und Liebe

Nicht nur Mama, Ex-Frau und Kabarettistin Lisa Fitz verbindet beide für immer. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich Schlagzeuger Ali Khan (64) und sein Sohn, der Kabarettist Nepo Fitz (36), nicht persönlich hören.

Feiern Sie den Vatertag? 

Nepo: „Vatertag, wie feiert man so was? Ich glaube wir haben für den Vatertag das falsche Verhältnis. Dafür sehen wir uns viel zu oft, reden zu oft. Außerdem zerstören wir jedes Fest.“ 

Ali: „Die ganze Generation, die es toll findet, auf der Straße rumzurennen mit Bierflasche und Lederhosn - also meine Generation ist das nicht. Wir brauchen keinen Vatertag. Die Hucke vollgießen, mit Bierflasche losziehen, das tut keiner von uns.“ 

Nepo: „Ich trinke nix und hasse Tracht. Mit Drei hab ich meine Lederhosn runtergezogen, hineingekackt und geschrien: Sauerei, alles verschissen!“

Wie gehen Sie denn als Vater und Sohn miteinander um? 

Ali: „Ich bin immer erreichbar. vierundzwanzig Stunden. Ich rufe immer zurück. Wir reden viel miteinander, manchmal täglich. Manchmal zweimal täglich.“ 

Nepo: „Das stimmt, ich kann meinen Vater immer anrufen. Er mich auch.“

Ali: „Das ist dann so: Er ruft an, sagt ‚Hallo, Du, Ali wie geht es Dir?’, hört kurz zu und dann kommt: „Was ich Dir noch sagen wollte...“ Und dann redet und redet und redet...“ 

Nepo: „Genau, als Ausgleich zu meinem bekanntlich besonders schweigsamen Vater.“

Können Sie Ihren Papa alles sagen? 

Nepo: „Ja, aber was ich nicht zu ihm sage, ist „Papa“. Kommt beim Rockband-Soundcheck blöd: „Mach mal Papili am Schlagzeugili lauter.“ Ich nenne ihn lieber Ali. Er nennt mich ja auch nicht ‚Buberl’.“ 

Haben Sie Geheimnisse vor ihrem Sohn? 

Ali: „Ich glaube mein Sohn weiß alles, mehr als ihm oft lieb ist. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn man nicht mehr miteinander reden kann. Meine Mutter ist gestorben, jetzt meine Schwester. Ich möchte nicht, dass ich oder meine Umgebung das Gefühl hat, irgendetwas nicht getan zu haben. Weil: es kann ganz schnell passieren, dass jemand nicht mehr da ist und fehlt. Ich möchte alles gesagt haben, was mir wichtig ist. Das ist für mich essentiell. Das muss ich ihm antun, weil ich durch den frühen Tod meines Vaters nicht die Möglichkeit hatte, einen Mann - vor allem mit seinen Schwächen - kennengelernt zu haben. Also weiß er ois von mir. Nicht so in der Jammertour. Er hat auch seine Antworten. Die oft sehr gut sind. Da merk’ ich dann, dass er mein Sohn ist. Aber es gibt nichts in der Art: ‚Das werde ich ihm eines Tages mal, wenn er alt genug ist...’ Das gibt es nicht bei mir.“ 

Kann Sie was erschrecken, was der Sohn macht? 

Ali: „Ja, das sind die ganz normalen Ängste. Das sind Sachen, wenn er in der Pubertät gesoffen, oder Rauschgift genommen hätte. Heute lebt Nepo ein gefährliches Leben, er ist ja ständig unterwegs.“ 

Nepo: „Ich war in der Pubertät gar nicht da. Ich war in Amerika und hab eine wildfremde Familie belästigt. Obwohl die Gasteltern sehr bemüht und herzlich waren, hab ich das Austauschjahr als hart und einsam empfunden, da ich von meiner „Hood“ und meiner elterlichen „Gang“ abgeschnitten. Aus diesen Erfahrungen ist dann mein erstes Kabarettprogramm „Pimpftown - Wie werde ich ein Mann“ entstanden, das ich zusammen mit meiner Mutter konzipiert habe. Und Ali, Du wärst nicht enttäuscht gewesen über einen Alkohol- oder Drogenexzess meinerseits, sondern Du wärst 100 Prozent da gewesen und hättest mich aus dem Schmarrn rausgewatscht.“

Ali: „Ich bin froh, dass er nicht abgerutscht ist. Nix mit Drogen, Saufen, Rauschgift am Hut hatte. Ich war ja immer da. Ich wollte ja nie weg von meinem Sohn, meiner Familie. Mir war immer wichtig: Der Nepo darf nicht zu kurz kommen. Als Nepo Fünfzehn war, wollte ich ein richtiges Vater-Sohn-Gespräch.“ 

Nepo: „Mein Vater sagte: „Sohn, wir müssen reden über das, was Du wissen musst vom Leben...“. Er hat geredet, geredet und geredet: ‚Was Du wissen musst, nicht nur... sondern auch... in allen Bereichen... dann musst Du nur... und wenn Du das eine dann weißt... und eines Tages kommt es, dass... oh Gott schon Halb Zehn!’“ 

Ali: „Ich hab einmal versucht, dieses Vater-Sohn Klischee zu leben. Einmal wollte ich so ein Vater-Vater sein. Wir sind auf einen alleinstehenden Bauernhof gefahren, dann haben wir einen krummen Bogen gebaut, der Pfeil dazu ist zwölf Zentimeter geflogen. Dann haben wir alles zusammengepackt und sind wieder heim, ein normales Leben führen.“

Waren Sie ein Wochenendpapa? 

Ali: „Nie. Für mich war die Trennung von Lisa und mir nicht relevant. Ich habe meine Rolle nie geändert. Ich war für Nepo immer da. Er hat es nicht einfach gehabt bei zwei solchen Eltern wie Lisa und mir. Für das Kind ist es wichtig, dass es geliebt wird. Mein Sohn ist in ein Verhältnis reingewachsen, in dem beide Menschen- Vater und Mutter- das extreme Bedürfnis hatten, sich auszudrücken. Er kann viel mehr als ich. Er ist versierter. Schwierig bei einem genialen Vater (lacht). Es tut manchmal fast weh zu sehen, wie gut er ist. Aber er weiß es ja nicht!“ 

Nepo: „Die Trennung – die beiden haben vorher viel gestritten und diskutiert – oft auch sehr unterhaltsam und immer bühnentauglich. Und nachher auch noch. Es ist ein großes Geschenk, dass ich ein gutes Verhältnis zu beiden Eltern habe. Sie sind für mich da.“ 

Ali: „Das sind verschiedene Ebenen. Liebe ist ja auch, wenn man das Rascheln erträgt, das man auslöst.“ Nepo: „Eines muss ich sagen: es ist schön, dass beide immer da sind. Ich streit manchmal sogar gern mit ihnen. Man weiß ja auch, wie man sich gegenseitig auf die Palme bringen kann – und dann wieder runter. Bei uns ist selbst das Gegeneinander ein Miteinander –ein ständig fließender Kreativ-Stromkreis.“ Ali: „Ich mag die alten Werte. Loyalität. Familie. Brutpflege. Lieben, was man hat. Da sein. Das ist mir wichtig. Ich versuche auch meinen beiden Töchtern Lana (26) und Maria (knapp 1 Jahr) soviel wie möglich davon mitzugeben.“

Nepo, Ihr Vater sagt, dass er Sie liebt: Und Sie ihn? 

Nepo: „Wenn ich so einen Satz zu oft höre, kommt er mir vor wie ein Facebook-Post. ‚Ich liebe Dich wie Du bist’, „Lebe nicht Dein Leben, träume Deinen Traum.“ „Wenn’s regnet, ist es nass.“ Das ist mir zu platt. Fragt mich ja auch keiner ‚Lieben Sie ihren Arm?’ Er ist ein Teil von mir. Und meine Familie auch.“

Wenn Sie sich eine Scheibe vom Papa abschneiden könnten? 

Nepo: „Ich möchte- wie er- meine eigene Autorität bleibe und auch in einem Umfeld, in dem alle gegen mich sind oder mich nicht mögen, ’Standing’ beweisen und nicht aus Harmoniesucht zurückrudern.“

Der Ali hat viel beruflich gemacht. Als Schlagzeuger, Musiker, Moderator war und ist er erfolgreich. Wie ist es, wenn er Sie kritisiert? 

Nepo: „Alis Kritik ist nicht immer angenehm. Aber er denkt immer zwei Gedankenschritte weiter. Wenn er sagt ‚Wunderbar, geht nicht besser!’, dann passt es. Bis er das sagt, ist er hart. Der Meister der Härte. Und der Meister der Inspiration.“

Wie soll der Ali sein, wenn er mal Opa wird? 

Nepo: „Genauso wie er ist und vor allem: da. Ich hoffe, dass meine Eltern viel Zeit mit den Enkeln verbringen. Es wär ja blöd, wenn ich sagen müsste ‚Schaut mal, ich hab da ein Video!’“ Ali: „Meine Mutter war da vorbildlich. Sie ist in die Nähe von der Lisa gezogen, wegen dem Nepo. Das fand ich gut.“ Nepo: „Die Herzensgröße meiner Oma müsste man als digitale Blaupause für die Großmütter-Updates der Zukunft abspeichern.“

Ist der Nepo mehr Papa oder Mama? Optisch ist er ja mehr wie die Mama.

Ali: „Selber schuld! Blöd wär es ja wenn er ausschaut wie der Gärtner! Er hat das Beste von beiden Seiten.“ 

Nepo: „Ich bin vor allem ich. Und wichtiger als die Frage, wer von beiden Elternteilen ich mehr bin, ist, dass ich beide habe. Meine Eltern sind die krassesten Tiere, die ich kenne.“

Nicht nur zum Vatertag, sondern auch zum Muttertag hat Hallo mit einem ganz besonderen Duo gesprochen: Den Schauspielerinnen Johanna und Veronika Bittenbinder

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