Seine Welt steht Kopf

Münchner Breakdancer Jawad Rajpoot (21) von A bis Z

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Giesing: Von der Straße auf die große Leinwand! Der Münchner Streetdancer Jawad Rajpoot startet gerade mit zwei Kinofilmen durch.

Er sprüht vor Energie – und Ideen. Jawad Rajpoot tanzt Breakdance, seit er 13 ist: auf der Straße, in Werbespots, in Battles. Er unterrichtet, plant ein Tanztheater und soziale Projekte, mit denen er Kindern in Süd- und Mittelamerika Breakdance näherbringen will. Und jetzt startet er auch noch in der Schauspielerei durch. Im TV hatte er schon neben Uwe Ochsenknecht und Herbert Knaup eine Hauptrolle, auf der Kinoleinwand macht er gerade die ersten kleineren Schritte. In „Fack Ju Göhte 3“ hat er eine kleine Rolle als Schüler ergattert, ab dem 31. August wird er in „Jugend ohne Gott“ zu sehen sein. „Das war voll die coole Erfahrung“, so der 21-Jährige aus Sendling-Westpark im Hallo-Interview. „Bis jetzt habe ich viel mit alten Hasen gedreht, bei ,Jugend ohne Gott‘ mit den Nachwuchsstars Emilia Schüle und Jannis Niewöhner – für die war das Set ein riesiger Spielplatz.“ Maren Kowitz

Anfänge: Als ich 13 war, haben alle gesagt, man braucht einen normalen Job, einen normalen Lebensplan. Ich wollte allen beweisen, dass es anders geht. Wenn man schon in den Anfängen zweifelt, wird man später nicht weitermachen.

B-Boying: Ein anderer Name fürs Breaken. Das kommt daher, dass beim Entstehen in der Bronx kleine Jungs Kung-Fu-Moves und Comic-Bewegungen wie von Spiderman oder Batman miteingebaut haben.

Crew: Das sind eigentlich Freunde. Es ist wichtig, dass man sich gegenseitig pusht und verschiedene Stile einbringt. Vor Menschen, die man nicht so mag, vor denen kann man sich nicht so öffnen. Tanzen ist etwas sehr Intimes, wo man sein Inneres rauslässt.

Durchbruch: Für mich hatte ich ihn schon. Ich muss niemanden mehr was beweisen. Ich bin total glücklich. In Sachen Film und Berühmt­sein hatte ich noch keinen.

Ebanisation: Ich und drei Freunde aus der Crew haben das Projekt gegründet, mit dem wir Breakdance zu Kindern bringen wollen, die sonst keine Chance haben zu tanzen. Wir haben jetzt Kontakte in Peru, Mexiko und Kolumbien.

Fack Ju Göhte 3: Dabei sein ist alles. Ich habe nur eine ganz kleine Rolle. Ich hatte nur zehn Drehtage, habe aber dabei eine Menge gelernt.

Giesing: Dort in der Weißenseestraße ist die Tanzschule „Step2Diz“, in der ich unterrichte – mittlerweile allerdings nur noch einen Kurs. Aber wir planen ein cooles Projekt – ein großes Tanztheater, vielleicht sogar am Gärtnerplatztheater.

Handy: Beim Dreh von „Fack Ju Göhte 3“ hat Katja Riemann, die die Schulrektorin spielt, mal zu uns gesagt, wie wichtig die Umstell-Pausen sind, um sich neu einzustellen und zu konzentrieren. Wir waren dann nämlich meistens am Handy.

Integration: Mit der Sankofa-Crew sind wir so ein bisschen ein Aushängeschild von gelebter Integration, auch wenn wir selbst gar nicht darüber nachdenken. Ich habe pakistanische Wurzeln, andere uigurische, kurdische, ghanaische, vietnamesische, amerikanische. Bei uns ist es das Tanzen, was uns verbindet. Aber es kann alles sein, was einem Spaß macht. Auch Kochen beispielsweise.

Jugendtreff Biederstein: Über das Biederstein und den „School’s over Jam“ bin ich zum Breaken gekommen. Dort habe ich die Sankofa-Jungs getroffen. Heutzutage ist dort eher K-Pop der Trend: die koreanische Tanzrichtung im Boygroup-Style.

Klassik: Seit es die Cross­over-Sachen „Flying Bach“, „Breaking Mozart“ gibt, ist Breakdance wieder mehr in der Wahrnehmung. Zuvor dachte die Masse, er wäre ausgestorben.

Lebensmotto: Gut drauf sein und alles auf sich zukommen lassen.

München ist so eine Kulturstadt, in die Streetdance gut reinpasst. Deswegen versuchen wir mal zu jemanden vorzudringen, der uns erklärt, warum es hier so schwierig ist, Straßenshows zu machen.

Nachwuchs: In unserer Tanzschule gibt es sogar eine Baby-Break­dance-Gruppe ab drei Jahren. Das ist Breakdance spielen, Körper ausprobieren in Break­dance-Positionen. Das ist supersüß anzuschauen.

Offenheit: Ich bin ein offener Typ und wäre auch megaoffen, wenn ich berühmt wäre. Wenn man selbst authentisch bleibt, lohnt sich das. Ich würde nie eine Show abziehen oder anfangen, eine Mauer um mich zu bauen.

Pädagoge: Ich wollte meinen Tanzschülern immer viel Input geben. Aber sie haben jeden Tag ein anderes Programm – Fechten, Klavier, Fußball – und dann komme ich mit „Beim Tanzen musste Du frei sein...“. Für viele ist das einfach eine weitere Sportart.

Qual: Gerade wenn man bei einem Battle antritt, trainiert man die ganze Nacht auf dem Asphalt, bis die Handflächen bluten.

Rolle: Ich würde gerne eine historische Rolle spielen, in der ich komplett was anderes bin. Das Problem eines jeden Schauspielers ist, dass man immer für ein Schema gebucht wird.

Schauspielerei: Ich würde auch gerne auf die Schauspielschule gehen. Ich glaube, da lernt man superviel über sich selbst und seinen Charakter.

Training: Ich trainiere drei- bis viermal die Woche. Aber wir sind keine Fußballer, die für drei Stunden auf den Sportplatz gehen. Man trifft sich privat und es endet fast immer mit Tanzen. Letzte Nacht haben wir bis zwei Uhr nachts in der Tiefgarage trainiert.

U-Bahn: Für „Fack Ju Göhte 3“ haben wir in Fröttmaning die ganze Klasse in der U-Bahn gefilmt. Es gab viele Außendrehs in München, sonst waren wir in den Bavaria Filmstudios.

Vorbilder: Beim ARD-Film „Zwei Sturköpfe im Dreivierteltakt“ habe ich mir viel bei Uwe Ochsenknecht und Herbert Knaup abgeschaut. Sie haben mir auch viele Tipps gegeben.

Werbespots: Werde öfter für welche angefragt. Durch die Schauspielerei kann ich es mir jetzt leisten, nicht mehr jeden Job anzunehmen, wenn ich nicht hinter dem Produkt stehe.

Xundheit: Freunde von uns, Physiotherapeuten, die selber breaken, haben jetzt in Stuttgart etwas entwickelt, was sie „Urban Dance Health“ nennen. Sie können erklären, wie man einseitige Belastungen ausbalanciert.

Youtube: Ich will nicht so viel Energie in Social Media stecken. Aber ich habe mal meine Facebook-Seite gelöscht und daraufhin haben Leute gefragt, ob ich noch tanze. Es ist für viele so, als würde man nicht existieren.

Zukunft: Wir werden immer Breaker sein. Realistisch ist die körperliche Grenze bei Mitte, Ende 30. Aber ich kenne 70-Jährige, die im Geiste immer noch Breaker sind.

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