Gewinnen Sie Tickets für eine Stadtführung

Münchner Autorin und Stadtführerin Heidi Rehn über ihren neuen Roman - Hallo verlost Exemplare

Autorin Heidi Rehn im Interview über ihren neuen Roman
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Autorin Heidi Rehn im Interview über ihren neuen Roman „Vor Frauen wird gewarnt“.
  • Claudia Theurer
    VonClaudia Theurer
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Im Interview spricht die Münchner Autorin Heidi Rehn über Vicki Baum, ihre Recherchen, Stille beim Schreiben und ihren neuen Roman. Hallo verlost Exemplare...

Heidi Rehn ist bekannt für ihre perfekt recherchierten, historischen Geschichten. Die 55-Jährige hat soeben ihren Roman „Vor Frauen wird gewarnt“ (Knaur Verlag) veröffentlicht. Darin schildert sie das schillernde Leben der Vicki Baum, die 1929 durch ihren Roman „Menschen im Hotel“ berühmt wurde. Sie lebt mit ihrer Familie in Laim. Hallo verlost Bücher sowie Tickets für eine Stadtführung

Frau Rehn, wie sind Sie auf die Figur der Vicky Baum gekommen?

Seit einer Ewigkeit bin ich von dieser Frau fasziniert. Ich weiß gar nicht mehr, wann genau ich angefangen habe, mich intensiver mit ihr zu beschäftigen. Die Leseklubausgaben ihrer Romane waren früher ja sehr populär und wurden viel gelesen, obwohl sie nicht als gute Literatur galten. Das hat sie für mich aber nur reizvoller gemacht. Aber auch Vicki Baum selbst war für mich immer schon eine interessante Persönlichkeit. Ich habe mich mit ihr befasst, weil die 1920er- und 1930-er Jahre einfach meine Zeit sind.

Sie war ja das, was man heute eine Emanze nennt, ließ Mann und Söhne hinter sich, um in Berlin ihre Schriftstellerkarriere zu starten. Ist auch für heutige Verhältnisse ungewöhnlich, oder?

Leider schon, so erschreckend es klingt, weil es bereits 100 Jahre her ist. Frauen werden bis heute schief angeguckt, wenn sie aus beruflichen Gründen ihre Familie zurückstellen und sich auf ihre Karriere konzentrieren. Dabei machen Männer das seit Ewigkeiten. Höchste Zeit also, dass wir uns Vicki und ihren Ehemann zum Vorbild nehmen, die schon vor 100 Jahren beschlossen haben, völlig gleichberechtigt miteinander zu leben.

Baums Roman „Menschen im Hotel“ wurde von Kritikern wie Alfred Kerr oder Ludwig Marcuse als „Werk für die breite Masse“ abgetan. In den USA wurde er als Film mit Greta Garbo ein sensationeller Erfolg. Belegt das die leicht oberflächliche Mentalität, die den Amerikanern nachgesagt wird?

Das behaupten die Kritiker gern. Die USA aber war immer offener als wir. Dort existiert nicht dieses Schubladendenken von wegen anspruchsvolle und Unterhaltungsliteratur. Bei uns heißt es, wenn es alle verstehen, dann ist es seicht und damit anspruchslos. Dadurch fällt viel Interessantes unter den Tisch. Schade!

Autorin Heidi Rehn im Interview: „Am liebsten habe ich es still beim Schreiben.“

Wie lange haben Sie recherchiert und wie?

Das lässt sich schwer eingrenzen, da die 1920er Jahre seit langem ein Schwerpunktthema meiner Romane sind. Natürlich war ich trotzdem nochmals für den Roman in Berlin unterwegs, habe in der Akademie der Künste in Vicki Baums Nachlass recherchiert, war im Grunewald, wo sie gewohnt hat, aber leider gibt es das Haus nicht mehr, nur den Dianasee, in dem sie so gern geschwommen ist.

Vicky Baum brauchte zum Schreiben immer Hintergrundmusik. Wie ist das bei Ihnen?

Am liebsten habe ich es still beim Schreiben. Das, was gerade im Manuskript passiert, läuft wie ein Film vor mir ab, ich höre die Figuren reden, höre die Geräusche, die sie umgeben. Musik lenkt mich deshalb davon ab. Was ich allerdings mag: Vogelzwitschern und Waldgeräusche. Das spiele ich mir manchmal vom Band ein.

Sie kommen ja ursprünglich aus Rheinland-Pfalz und kamen 1986 nach München. Was hat Sie an dieser Stadt fasziniert?

München ist München. Ein riesiges Dorf und trotzdem eine Millionenstadt. Wenn man aus einer Kleinstadt kommt wie ich, fühlt man sich hier sofort zuhause. Zugleich hat man die Vorteile einer Metropole, ein vielfältiges kulturelles Angebot, Menschen aus aller Herren Ländern um sich herum, kann tun und lassen, was man will. In Berlin herrscht ständig Trubel und Aufruhr, dagegen ist München sehr behäbig. Auch wenn es klischeehaft klingt: München hat mehr Herz, eine ganz besonders heimelige Atmosphäre. Das mag ich sehr.

Ihr Lieblingsplatz?

Der Westpark morgens in der Früh und natürlich, nachdem ich am Rhein aufgewachsen bin, die Isar, denn ich brauche fließendes Wasser.

Veränderungen in München: „Spannend“ findet Autorin Heidi Rehn

Sie machen ja auch Stadtführungen auf den Spuren von Erika Mann, über das Nachkriegsmünchen, die Wirtschaftswunderzeit, aber auch die Geschichte der Münchner Kaufhäuser und die der Kinos. Wie schlimm ist das Kinosterben für Sie?

Es geht viel verloren. In Laim haben wir immerhin noch das Neue Rex. In der Stadt liebe ich vor allem das Theatiner, das Arena, die Museumslichtspiele und das Sendlinger-Tor-Kino, die jedes auf seine Art besonders sind. Das Gabriel als ältestes und am längsten bestehendes Kino ist inzwischen ja leider Geschichte. Meine Führungen versuchen einen Überblick über die wichtigsten Stationen der Münchner Kinogeschichte zu geben und an die frühere Vielfalt zu erinnern.

Wie erleben Sie die Veränderungen in München?

Ich finde sie spannend. Es muss weitergehen. Zum Glück ist die Zeit der autogerechten Stadt Geschichte. Die Natur erhält wieder mehr Gewicht. Davon profitieren wir alle. Die Renaturierung der Isar hat uns mehr Lebensqualität geschenkt. Außerdem wird der Radverkehr hoffentlich weiter ausgebaut. Das macht die Stadt lebenswerter für ihre Bewohner. Das ist gut so.

Wie erleben Sie die Coronazeit? Viele Künstler behaupten ja, sie wäre inspirierend.

Sie war vor allem gut für die Arbeitsdisziplin. Ich saß mehr am Schreibtisch, hatte weniger Ablenkung, weil Lesungen und Veranstaltungen ausfielen. Den direkten Kontakt zu anderen Menschen, vor allem das Gespräch mit meiner Leserschaft habe ich sehr vermisst und freue mich, dass es jetzt allmählich wieder mehr Gelegenheiten dafür gibt.

Verlosung

Hallo verlost drei Exemplare des Romans sowie 2x2 Karten für die Stadtführung am Sonntag, 10. Oktober, über die Nachkriegszeit.

Einsendeschluss: 6. Oktober.

Stichwort: Rehn

Das Gewinnspiel ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

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