„Dickwiese ist unsere Alternative“

Kiesabbau: Chef der Gräfelfinger Kiesfirma Glück äußert sich zu den Vorwürfen

+
Findet Glück keine neuen Abbauflächen wird das Kieswerk Gräfelfing in sieben Jahren ohne Rohstoffe auskommen müssen, so Geschäftsführer Markus Wahl.

Kommt jetzt der große Kiesabbau auch nach Planegg? Anwohner sind von dieser Idee nicht gerade angetan. Im Hallo-Interview erklärt Markus Wahl die Situation aus Sicht der betroffenen Kiesfirmen.

Gräfelfing – Informationsveranstaltungen, Bürgergruppen, Demonstrationen: Große Wellen haben die Pläne für neue Kiesabbauflächen auf der Planegger Dickwiese und im Forst Kasten geschlagen. Ganz unberührt scheint das auch die örtliche Kiesfirma Glück nicht zu lassen, die seit kurzem mit einer Presseagentur zusammenarbeitet. 

„Natürlich auch im Hinblick auf die großen Projekte“, wie Geschäftsführer Markus Wahl sagt. Hallo hat mit ihm gesprochen. von Romy Ebert-Adeikis

Herr Wahl, Sie pochen darauf, dass Ihre Firma neue Flächen braucht, um zu überleben. Ist die Lage wirklich so drastisch?
Wir haben bei unserer aktuellen Abbaumenge von rund 800 000 Tonnen im Jahr noch Vorräte für rund sieben Jahre, dann ist Schluss. Wir wissen, die Baukonjunktur ist gut, es stehen in München viele große Bauprojekte an.

Etwa die zweite Stammstrecke.
Dafür werden vier Millionen Tonnen Baumaterial gebraucht, ein ganzer Jahresbedarf von München. Kein Werk hat daran Interesse, das allein zu stemmen, weil jedes mit seinen Vorräten haushalten muss. Wir könnten die Menge zwar bedienen. Aber dann müssten wir in drei Jahren vielleicht zusperren und 250 Leute entlassen. Das ist definitiv nicht unser Ziel.

„Wir möchten weiter in Forst Kasten auskiesen“

Sondern?
Wir möchten weiter in Forst Kasten auskiesen. Deswegen haben wir uns schon vor Jahren dafür eingesetzt, im Regionalplan dort eine 40 Hektar große Vorrangfläche Kies festzusetzen. Alle Gemeinden haben dem auch zugestimmt.

Aber bei der Ausschreibung der Heiliggeistspital-Stiftung dort kommt Glück nicht zum Zug...
Ich bin aber zuversichtlich, dass es noch klappt. Wir stehen aktuell im Rechtsstreit mit der Stiftung, weil wir mit ihr 2007 einen Vorvertrag über die Fläche geschlossen haben. Trotzdem wurde sie europaweit ausgeschrieben, mit Kriterien, die wir als Mittelständler nicht erfüllen konnten. Ich hoffe, dass der Prozess im Winter beendet ist und wir eine gute Lösung finden. Wenn nicht ist unsere Alternative die Dickwiese.

Gibt es noch andere?
Den Lochhamer Schlag, aber dort will eigentlich keiner Kiesabbau. Sonst könnten wir nur viel weiter raus, etwa nach Landsberg, was alles teurer machen würde. Das Problem ist aber auch da, dass immer weniger Grundstückseigentümer bereit sind, überhaupt Flächen bereitzustellen.

„Man könnte die nächsten 50 Jahre weiter auskiesen“

Wie zeitgemäß ist ihr Geschäft dann überhaupt noch?
Kies gibt es vor allem im Würmtal ja noch in irrsinniger Menge. Eigentlich könnten wir die nächsten 50 Jahre peu a peu weiter auskiesen. Jedes Jahr drei neue Hektar und die vom Jahr davor wieder verfüllen...

Stichwort Verfüllen: Viele Kiesgegner argumentieren, dass der Abbau unwiederbringlich Natur zerstört. Gerade in Neuried kennt man ja die Bilder der Grube, die ja eigentlich seit 2002 wieder verfüllt und rekultiviert sein sollte...
Das ist so nicht korrekt. Die Frist von 2002 galt für die erste Genehmigung, die wir in den 80er Jahren bekommen hatten. Damals haben wir noch über zwei Millionen Tonnen pro Jahr ausgekiest. Das haben wir deutlich zurückgeschraubt, deswegen können wir jetzt länger abbauen. Im aktuell gültigen Bescheid von 1991 sind überhaupt keine Endfristen mehr gesetzt. Es ist nur definiert, wie viel Fläche wir bearbeiten dürfen. Und das werden wir auch nicht überschreiten.

Für die Dickwiese versprechen Sie, dass jedes Abbaufeld nach fünf Jahren wieder voll bepflanzt, der Wald sogar ökologisch aufgewertet ist. Das ist doch Utopie.
Wir verpflichten uns, fünf Jahre nach dem Kiesabbau einer Parzelle diese wieder vollständig aufzuforsten. Natürlich sind dann die Bäume erst mal klein und brauchen 15 Jahre, bis sie richtige Stämme haben. Aber dieser Mischwald auf einer übrigens auch drei- bis fünfmal so dicken Humus- und Rotlagen-Schicht ist dann wesentlich artenreicher, vielfältiger, widerstandsfähiger und gesünder als die jetzige, mancherorts schon vertrocknete Fichtenmonokultur mit teilweise starkem Borkenkäfer-Befall.

Abbau bei Planegg: So finden’s die Orte

  • Regionaler Planungsverband:
    Der RPV hatte mehrheitlich keine Bedenken gegen den Kiesabbau auf der Dickwiese. Dies gelte aber laut Beschluss nur, wenn stufenweise abgebaut und zeitnah mit Laubwald rekultiviert wird. Zudem müsse das Grundwasser geschützt und Lkw-Fahrten maximal reduziert sein.
  • Gräfelfing:
    Der überörtliche Ausschuss gab vorberatend eine negative Stellungnahme ab. Es würde eine „enorme Menge“ CO2 ausgestoßen sowie Bannwald gerodet. Da die Waldbestände „vier bis fünf Jahrzehnte benötigen, damit diese ihre volle Funktionsfähigkeit wieder erreicht haben“ sei auch die Klimaschutzfunktion gefährdet. Gegen die Stellungnahme stimmten nur CSU und BVGL. Endgültig muss noch der Gemeinderat beschließen.
  • Gauting:
    Grünes Licht hat der Bauausschuss der Gemeinde Gauting für den Abbau gegeben. Man habe keine Einwände, so der mehrheitliche Beschluss.
  • Germering:
    Geschlossen hat der Stadtrat Germering das Vorhaben abgelehnt. Als Grund wurde der hohe Erholungs- und Freizeitwert des Waldgebiets am Germeringer Ortsrand angeführt.
  • Planegg und Krailling:
    Beide Gemeinden haben beantragt, später Stellung zu nehmen. Kraillings Gemeinderat debattiert am Dienstag, 23. Juli. Planegg will im September entscheiden.

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

Klüpfel und Kobr – Überlebenstraining für Allgäuer Autoren
Klüpfel und Kobr – Überlebenstraining für Allgäuer Autoren
Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour
Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour
Rainhard Fendrich – „Meine Generation hat eigentlich versagt“
Rainhard Fendrich – „Meine Generation hat eigentlich versagt“

Kommentare