Werner Schmidbauer im Gespräch mit Hallo München

Werner Schmidbauer über die Sehnsucht nach Süden: „Jeder trägt sie in sich“

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Passionierter Gipfelstürmer: In den Bergen tankt Werner Schmidbauer Kraft.

In hallo München spricht Werner Schmidbauer über die Sehnsucht nach Süden, sein  Trio mit Martin Kälberer und Pippo Pollina und Musik mit seinem Sohn.

Solidarisch, humanistisch: Was als musikalischer Ausdruck von Gemeinsamkeiten von Bayern und Sizilianern begann, hat nun für den Liedermacher und seine Trio-Kollegen Martin Kälberer und Pippo Pollina eine neue Dimension. Warum Süden mehr als eine Himmelsrichtung ist und diese auch im Norden, Osten und Westen funktioniert, erklärt er hier. 

Herr Schmidbauer, Sie feiern mit Martin Kälberer und Pippo Pollina jedes Jahr Silvester auf Sizilien. Herrscht da Arbeits- oder Feierstimmung?
 Unsere mittlerweile traditionellen gemeinsamen Tage in Pippos Heimat über den Jahreswechsel sind jedes Mal ungemein inspirierend. Direkt am Meer mit seinen Freunden ins neue Jahr hineinzutanzen, ist ein wunderbares Futter für die Fantasie. Es sind eine ganze Menge neuer Ideen dazugekommen, die vielleicht irgendwann einmal in neue Lieder münden könnten.

Süden ist nicht nur der titelgebende Begriff, sondern auch die besondere Gemeinsamkeit von Bayern und Sizilianern. Ein Begriff, der sich weiterentwickelt oder verändert mit der Zeit?
 Ja, definitiv! Die politische Dimension des Begriffs hat sich enorm verstärkt. Immer mehr Menschen auf der Südhalbkugel unseres Planeten verlieren durch Klimawandel und politische Krisen ihre Lebensgrundlage und müssen ihre Heimat verlassen. Millionen von Menschen befinden sich auf der Flucht in den reicheren, friedlicheren und stabileren Norden. Wir stellen uns mit unserem aktuellen Programm ganz klar auf hinter die solidarischen und humanistischen Grundprinzipien unserer demokratischen Verfassungen. Wir wollen und sollen mit diesen Menschen leben und eine gemeinsame Zukunft gestalten.

Die große Flüchtlingswelle ist nun rund fünf Jahre her. Vor Weihnachten kam die Debatte auf, ob man Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern nach Deutschland holen solle. Wie sehen Sie die Lage?
 Ich kann den Grundgedanken dieses politischen Vorschlags zu Weihnachten zwar gut verstehen. Ich halte aber nicht viel von solchen an Feste wie Weihnachten gebundenen karitativen einmaligen Geschenken. Die Politik muss einen langfristigen Plan entwickeln, die geflüchteten Menschen willkommen zu heißen und zu integrieren.

Sprache ist dabei ein wichtiger Faktor. Bei Süden wird auf Italienisch und Deutsch gesungen. Sprechen Sie eigentlich Italienisch?
Ehrlich gesagt: Leider nein. Ich singe die italienischen Textstellen und Chöre von Pippo Pollina immer lautsprachlich nach, weiß aber natürlich, von was Pippo da spricht. Im Laufe der Tour verstehe ich immer mehr, wenn die Italiener in unserem Team miteinander reden, aber selber sprechen kann ich nur sehr wenig. Pippo würde sich sehr wünschen, dass ich mehr italienisch lerne, wer weiß, vielleicht schaff ich es ja irgendwann mal mit einem Italienisch-Kurs.

Sie treten mit Süden II auch in Köln und in der Nähe von Bremen auf. Wie kommt der Süden im Westen oder Norden an?
 Überraschend gut! Wir werden in Städten wie Köln, Hamburg und Berlin vom Publikum äußerst euphorisch begrüßt und regelrecht gefeiert. Die Menschen verstehen unsere Musik, unsere Sprachen und unsere Inhalte sehr gut und sind uns emotional offen zugewandt. Vielleicht ein kleiner Dialektbonus innerhalb der Sehnsucht nach südlichen Emotionen, die jeder in sich trägt.

Zum Süden gehören untrennbar die Berge. Zieht es Sie Sommer wie Winter dorthin?
Ja, ich war erst wieder mit dem Schlitten bei strahlendem Sonnenschein auf der Altkaseralm unterhalb des Spitzstein im Inntal. Es gibt für mich einfach nichts Schöneres und Entspannenderes, als auf einen Berg zu gehen, mich oben hinzusetzen, die Gedanken schweifen zu lassen und das Leben zu genießen… Nur Skifahren tu ich nicht mehr so gern.

Sie und Martin Kälberer waren bereits ein eingespieltes Team, als Sie sich mit Pollina zusammengetan haben. Ist es vom Gefühl her ein 2+1-Trio? Oder hat sich das mit den Jahren verändert?
Es war eindeutig jetzt ein Jahr lang ein gleichberechtigtes Trio, zumal Martin und ich ja seit 2017 eine kreative und unbefristete Duo-Pause eingelegt haben. Dennoch werden wir im Frühjahr für ein einziges Konzert wieder im Duo als Schmidbauer & Kälberer auf der Bühne stehen.

Sie sind auch schon mal mit Ihrem Sohn zusammen aufgetreten. Pollina singt mit seiner Tochter. Wie ist es für Sie, die Begeisterung für Ihre Arbeit an eine neue Generation weiterzugeben?
 Das ist ein großartiges Gefühl! Mit meinem Sohn Valentin (32) gemeinsam auf der Bühne zu stehen, ist jedes Mal wieder ein wunderbares Erlebnis und macht mich sehr dankbar und auch stolz. Aber es ist nicht nur so, dass ich meine Begeisterung an ihn weitergebe, auch er gibt mir viel musikalischen Input und ich lerne viel von seiner Art, Lieder zu schreiben und zu spielen.

ZUR PERSON 

Seit 40 Jahren zieht es ihn auf die Bühne: Seit Ende der 70er-Jahre tritt Werner Schmidbauer als Liedermacher auf. Ob alleine mit seinem Programm „Bei mir“, im Duo mit Martin Kälberer oder eben zu dritt mit Pippo Pollina bei „Süden“ – ein Leben abseits der Bühne kann er sich nicht vorstellen. „Ich werde wahrscheinlich immer Lust haben, auf der Bühne zu musizieren und zu singen, so lange die Gesundheit das erlaubt.“ 

Fit hält er sich mit seiner „Walkshow“: So nennt der 58-Jährige die TV-Sendung „Gipfeltreffen“. Seit 18 Jahren wandert er gemeinsam mit einem prominenten Gast die Berge rauf – heuer soll die Marke von 100 Folgen fallen. Mit wem, da hält sich der Münchner bedeckt: „Wir sind gerade dabei, die Gästeliste zusammenzustellen.“ Schmidbauer wohnt in Bad Aibling.

von S. KLÄSENER

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