Wanda im Gespräch mit Hallo München

Wanda –„Verreißt uns doch endlich mal!“

Sänger Marco Michael Wanda und Gitarrist Manuel Christoph Poppe über ein Rockstarleben voller Lobgesänge, Schmähkritik und peinlichen Fanmomenten

Bevor wir loslegen: Ciao, bussi links, bussi rechts – wie sagt man richtig Hallo bei Wanda? 
Michael Marco Fitzthum: Zur Hallo natürlich Hallo. Ganz einfach.

Vom Hallo gleich zur Liebe. Die besingen Sie auf Ihren Platten recht oft. Welche Erfahrungen macht man als Rockstar mit Dating Apps?
Fitzthum: Gar keine. Ich hab nicht mal ein Smartphone. Übrigens: Weder sehe ich die Kollegen als Rockstars noch mich selber. Das geht gar nicht. Wenn man so viele Jahre auf Tour ist und so lebt wie wir, dann ist das eine Aneinanderreihung an entlarvenden Momenten. Wenn man jemanden duschen sieht, stirbt das Rockstar-Bild. Oder wenn sich jemand Parfüm aufsprüht. Das ist so gar nicht Rock'n'Roll.
Manuel Christoph Poppe: Ich hab ein Smartphone, aber Tinder habe ich nicht. Ich hab auch vor diesem Beruf kein Problem damit gehabt, jemanden kennenzulernen.

Zu Ihrem musikalischen Erfolg äußerten Sie sich in letzter Zeit häufig dankbar und demütig. Warum?
Fitzthum: Wir dürfen machen, was wir lieben und das kann ein Großteil der Menschen auf dieser Welt nicht tun. Wir sind um sehr viel interessantes Lebensmaterial reicher geworden. All die Momente, in denen tausende Menschen mit uns die Lieder singen. Ich weiß gar nicht, ob die Leute wissen, was sie einem da schenken. Umgekehrt haben wir auch einen Teil unseres Lebens hergeschenkt und etwas sehr Persönliches hergeben.

Wanda hat aber auch Kritiker.
Fitzthum: Es gibt viel zu wenig Kritik. Mehr Verrisse würden mehr Erfolg bedeuten. Skandale, Kritik, das ist das Geschäft.
Poppe: Diese vier kritischen Artikel, die es gibt, das reicht nicht. Und eine objektive Vernichtung, wieso wir wirklich scheisse sind, würde ich gerne lesen. Fitzthum: Wir haben immer 300 Lobgesänge und zwei, drei kritische Stimmen. Ich würde mir das so Hälfte-Hälfte wünschen. Wir sind eine Band, die mal eine der besten Rockbands ist und mal die schlechteste.

Wie gehen Sie damit um, wenn die Kritik ein persönlicher Angriff wird?
Fitzthum: Das Ganze hat eine Proportion erreicht, das kann man alles gar nicht ernst nehmen. Wenn du ein Foto postest, gibt es schnell beleidigende Kommentare. Die sensiblere Fraktion unserer Gesellschaft nennt das Bodyshaming. Selbst in Qualitätsmedien habe ich schon Diskurse über meine Halbglatze gehört. Aber das geht da rein und da raus.

Was John Lennon über Wanda denkt

Als wir vor zwei Jahren über das letzte Album gesprochen haben, meinten Sie, dass es John Lennon gefallen müsse. Und der würde im Himmel grinsen. Was sagt er denn zur neuen Platte?
Fitzthum: Süß! Ich glaube, einiges gefällt ihm, anderes nicht.

Haben Sie mal Paul McCartney getroffen?
Fitzthum: Nein, ich habe ihn aber mal live gesehen. Und ich bilde mir ein, dass ich in in der Ferne auf dem Parkplatz erkannt habe. Ich wüsste auch gar nicht, was ich machen würde, wenn ich ihn treffen würde. Brian Wilson von den Beach Boys hab ich Backstage in der Wiener Stadthalle getroffen. In solchen Moment versagt man. Ich stammelte ein „Danke für deine Musik“, dann hab ich seine Hand berührt und er hat sie zurück gezogen. Dann kam so ein Gorilla und hat gesagt: It's time! Und schon war ich draußen. Das Foto ist übrigens lächerlich. Er sitzt, ich stehe, einfach nur lächerlich.

Lassen Sie uns etwas versuchen – und ein wenig von der maritimen Stimmung des Albumcovers einfangen. Sie kennen sicher die Donaudampfschifffahrtsgesell...
Poppe: Die DDSG, ja klar.

Und dieses Wortspiel? Man fängt mit einem Wort an, dann geht es weiter. Ich würd anfangen, dann geht es der Reihe um weiter: Wien.
Fitzthum: Wieneraquarium. Poppe: Wieneraquariumssonderangebot. Wieneraquariumsonderangebotswochen. Fitzthum: Das macht ja sogar Sinn! (lacht)

Ok, noch eins. Gitarre.
Fitzthum: Gitarrenwald.
Poppe: Ähm, Gitarrenwaldrhyhthmus. 

Gitarrenwaldrhythmusmaschine.

Fitzthum: Gitarrenwaldrhyhtmusmaschinenfrage.
Poppe: Gitarrenwaldrhyhtmusmaschinenfragenkatalog! Bäm!

Fragenkatalog ist das Stichwort für mich, weiterzumachen. Sie schreiben für die Alben viele Songs. Von 200 schafft es nur eine Handvoll aufs Album. Was passiert mit dem Rest?
Fitzthum: Der verkommt auf dutzenden Diktiergeräten und Zetteln in meiner Wohnung.

Welche Lieder erwartet denn dieses Diktiergerät-Schicksal?
Fitzthum: Das spüre ich. Manche tauchen Jahre später wieder auf, das ist ein ewiger Prozess. Vor allem wenn ich mal nicht mehr weiterkomme, schalte ich eines von den Geräten ein. Da komme ich dann wieder auf was Neues. Zum Teil, weil es so schlecht ist, dass ich einen Mega-Antrieb hab, es so nicht mehr zu machen. Und zum Teil denk ich mir: Wie besoffen warst du, als du diese Idee verworfen hast?

von SEBASTIAN OBERMEIR

ZUR PERSON

Wie so viele Geschichten begann auch die der österreichischen Rockband Wanda mit der Liebe: Ihr Debütalbum „Amore“ machte die Band quasi über Nacht zu den Hoffnungsträgern der Rockmusik Österreichs: „Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag für Amore, Amore!“, dröhnte es 2014 aus Radios, von Festivalbühnen und auf tausenden heimischen Musik­anlagen. Mit Falco und Fendrich wurden die Wiener verglichen, dabei gehören die Beatles auch zu den Einflüssen der Band. Kein Wunder, die sangen ja schließlich schon „All You need is Love“. Doch bei aller Liebe: Ein wenig Wiener Morbidität darf auf keinem der mittlerweile vier Alben fehlen, die Sänger Michael Marco Fitzthum, der den Künstlernamen Marco Michael Wanda trägt, Gitarrist Manuel Christoph Poppe, Keyboarder Christian Hummer, Bassist Reinhold „Ray“ Weber und Schlagzeuger Lukas Hasitschka bisher veröffentlichten.

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