Weiherer im Gespräch mit Hallo München

Über die Hürden des Lebens ohne Vornamen und Protest im Kleinen

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Weiherer im Gespräch mit Hallo München

So recht mag sich der 39-Jährige nicht entscheiden, ob er sich als Liedermacher oder Kabarettist sieht. Geht es nach ihm, reicht Weiherer.

Herr Weiherer, ein bisserl komisch ist es ja schon, Sie so anzusprechen, wo Sie eigentlich einfach nur der Weiherer sind. Wie machen wir’s also? 
Ganz wie Sie wollen, aber wenn ich mit meinem Vornamen angesprochen werde, dann passiert es mir immer wieder, dass ich nicht gleich darauf reagiere.

Der wäre in Ihren Presseunterlagen sowieso nicht zu finden.
Ich dachte mir immer: Das ehrlichste ist, wenn ich auf der Bühne derjenige bin, der ich für meine Freunde bin: der Weiherer. Ich habe sogar Freunde, die überlegen müssten, wie ich mit Vornamen heiße. Trotzdem gibt es Leute, die glauben, der Vorname gehört halt dazu. In Programmheften war ich schon Stefan oder Rüdiger Weiherer. Die Veranstalter haben sich vermutlich vergoogelt. Wenn’s denn dieses Wort überhaupt gibt.

Jetzt wo der Name geklärt ist: Wie würden Sie sich als Künstler beschreiben? 
Man könnte mal mit Mensch anfangen. Da kann keiner widersprechen. Mann. Auch noch nicht. Musiker, da könnten schon welche sagen: Du bist ja nicht nur Musiker, sondern auch Kabarettist. Aber bin ich kabarettistischer Musiker oder musizierender Kabarettist? Bei meinen Bandmitgliedern sind gestandene Musiker dabei, die können ja nur lachen über das, was ich an der Gitarre fabriziere.

Was war denn Ihr schlimmster Auftritt in 17 Jahren Bühnenleben? 
Es fing schon gut an: Bei meinem ersten Auftritt, das war im Musikcafé Kaktus in Bad Reichenhall, ich singe und spiele und irgendwie haben sich die Leute von mir gestört gefühlt. Nach dem dritten Lied kommt die Wirtin und sagt: Da hast die 50 Mark. Aber bitte hör jetzt auf!

Da konnte es ja nur bergauf gehen! 
Ich hab mal fünf Kilometer vor der dänischen Grenze gespielt, da war ein Däne im Publikum, der natürlich kein Wort verstanden hat. Er war total begeistert. Das sind schöne Sachen, da rechnet man nicht damit. Es ist ja schon unglaublich genug, dass ein Norddeutscher bei mir im Publikum klatscht! 

Für die neue CD haben Sie jetzt eine Handvoll Auftritte mitgeschnitten. Ist das eine besondere Herausforderung? 
Das ist die direkteste Form ein Album zu machen und man kann wenig beschönigen. Es ist so, wie es im Konzert war. Im Studio nimmst du es zehn Mal auf – bis alles sitzt. Meine Konzerte sind auch immer Lieder und lustige Geschichten im Wechsel. Da brauche ich das Publikum. Meine Auftritte sollen Stammtischcharakter haben. Ein Miteinander. Ohne Publikum wäre ich kein Künstler.

Das Publikum spannen Sie auch für Protest gegen die Datensammelwut ein. Seit ein paar Jahren rufen Sie ihre Fans dazu auf, an der Kasse die Postleitzahl von Brunsbüttel anzugeben. 
Genau, 25541! Wenn jeder das macht, müsste alle Werbung in Brunsbüttel landen. Alle Geschäfte würden in Brunsbüttel eröffnen, weil dort alle Kunden herkommen.

Aus dieser Geschichte ist ein richtiger Hype entstanden. Hat sich der Bürgermeister mal gemeldet? 
Die Ehrenbürgerschaft ist quasi beantragt. Leider besagt die Stadtsatzung aber, dass man einen Wohnsitz dort braucht. Dafür bin ich zum Brunsbüttel-Botschafter ernannt worden. Sogar mit Urkunde! Ich habe bisher drei Auftritte in Brunsbüttel gespielt, wo der Bürgermeister auch war. Mittlerweile ist er übrigens aufgestiegen und Landrat geworden. Ob das mein Verdienst ist?

Wogegen lohnt es sich sonst noch zu protestieren? 
Ich will im Kleinen was bewegen. Wenn ich einen einzigen zum Nachdenken bringe, dann habe ich etwas erreicht. Weltfrieden entsteht nicht, weil ich Lieder gegen den Krieg singe. Das hat nicht mal Bob Dylan geschafft, wie stehen dann meine Chancen? Wenn man diesen Anspruch hat, resigniert und verbittert man irgendwann.

Zur Person

Als Kind wollte Christoph ­Weiherer furchtbar gern Bäcker werden. „In der Backstube mit dem weißn Gewand, zu Weihnachten Platzl backen, das war meine romantisch-verklärte Vorstellung“, sagt der heute 39-Jährige rückblickend. 

Doch es kam anders: Schon in der Schulzeit legte er den Vornamen ab, wurde von allen nur noch Weiherer genannt und begann zuerst als Chemielaborant zu arbeiten, bis er als Liedermacher durchstartete. 

Dazu ist Weiherer aus dem niederbayerischen Burghausen 2007 nach Obergiesing gezogen. Dieser künstlerische Nährboden lieferte seither Stoff für acht Alben, in denen Weiherer sich auch gesellschaftskritisch äußert und Missstände aufzeigt. 

„München ist eine attraktive Stadt, aber verheiratet sind wir nicht“, urteilt er entsprechend. „Vielleicht reicht es mir irgendwann und ich gehe wieder aufs Land“. Aber die Berufswahl als Liedermacher ist mittlerweile gefestigt: „Ins Chemielabor möcht ich bestimmt nicht mehr zurück.“

SEBASTIAN OBERMEIR

Weiherer live in Concert

„Im Prinzip aus Protest“ heißt das neue Album von Weiherer. Warum? „Weil es nicht nur Protest ist, sondern mehr“, wie der Liedermacher erklärt. 

Für die Aufnahme hat er sich auf verschiedensten Bühnen Bayerns gestellt, Gitarre und Mundharmonie ausgepackt und einfach die Aufnahme laufen lassen. 

Herausgekommen ist ein Mix aus Liedermacherei und Kabarett, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit umso mehr Stoff zum Nachdenken und Schmunzeln.Tiefsinnig und absurd, kantig und verquert und absolut hörenswert! Wer davon nicht genug kriegt, kann Weiherer am Sonntag, 10. November, live sehen. Ab 19 Uhr spielt er auf der Iberl Bühne, Herzogspitalstraße 6. Tickets für 18 Euro unter 79 42 14. 

Verlosung

Hallo München verlost fünf signierte Exemplare des neuen Albums. 

Teilnahmeschluss ist der 3. Oktober.

Das Gewinnspiel ist beendet.
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