Simone Rethel im Gespräch mit Hallo München

Simone Rethel: „Ein Anruf und die Welt sieht anders aus“

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Ruhelos wie einst ihr Jopie: Mit neuem Buch und neuem Stück startet die Schauspielerin zurück ins Karriereleben. Warum sie noch lange nicht an den Ruhestand denkt, verrät sie im Hallo-Interview.

Aufgewachsen in Schwabing, groß geworden im Fernsehen. Doch ans Aufhören denkt die Witwe von Bühnen-Star ­Johannes „Jopie“ Heesters (†108), noch lange nicht. Und schon gar nicht an Ruhestand – der könne nämlich schaden. Da startet die 70-Jährige lieber durch: mit einem neuen Stück und einem neuen Buch-Projekt. von Marie-Julie Hlawica

Frau Rethel, was bedeutet es für Sie, wieder einmal in der Komödie im Bayerischen Hof aufzutreten?
Das ist wie nach Hause kommen. Ich kenne wirklich jede Ecke des Theaters, bin hier erstmals schon 1969 mit Sonja Ziemann im Stück „40 Karat“ vor Publikum aufgetreten. Das ist jetzt genau 50 Jahre her – Wahnsinn. Daran merkt man, dass man doch älter geworden sein muss (lacht).

Jetzt, in der Komödie „Wir sind die Neuen“ (Hallo verlost Tickets) feiern Senioren das Leben, tanzen lebensfroh auf den Tischen – und den jungen Mitbewohnern auf der Nase herum. Tanzen Sie selbst auch mal auf dem Tisch?
Ich bin auf jeden Fall sehr neugierig und an vielem interessiert. Langeweile kenne ich nicht. Ich male ja auch, fotografiere und bin handwerklich in meiner Werkstatt zugange. Mit den jungen Kollegen im Stück gehe ich gern nach der Vorstellung in eine Kneipe. Es ist ein tolles Team, wir verstehen uns gut.

Das heißt, Ruhestand ist für Sie kein Thema?
Nein, ich glaube eher, mit der Arbeit aufzuhören, schadet vielen Menschen. Ruhestand ist gleich Stillstand. Rentner, die sich zur Ruhe setzen müssen, weil es der Gesetzgeber so will, stehen plötzlich vor dem Problem, wie sie die vielen Jahre vor sich ausfüllen sollen. Wir werden doch alle viel älter. Ich finde, mein Mann Johannes Heesters ist das beste Beispiel. Er hat vorgelebt, wie jung Arbeit halten kann, wenn man seinen Beruf so liebt.

„Ich freue mich sehr, dass ich so viel Theater spiele!“

Sie sind nach Heesters Tod 2011 wieder in Ihren Beruf zurückgekehrt?
Ich hatte das Glück, von Regisseur René Heinersdorff, angefragt zu werden. Die Gelegenheit habe ich ergriffen, seitdem bin ich wieder da. Ich freue mich sehr, dass ich so viel Theater spiele! Es ist so, wie mein Mann immer sagte: Ein Anruf und die Welt sieht wieder anders aus.

Es heißt, der Schauspieler lebt vom Applaus allein.
Ich spiele nicht für den Applaus, sondern weil mich das Schauspiel erfüllt. Ich spiele ja für das Publikum, der Applaus ist eine sehr schöne Reaktion, die mir zeigt, dass ihm meine Arbeit gefällt.

Aktuell schreiben Sie auch noch an einem Buch.
Ja, nach meinem Sachbuch „Sage nie, Du bist zu alt“, bereite ich ein weiteres Mammut-Werk vor: Ich führe Gespräche mit älteren Menschen, zum Teil auch Prominente, und ich fotografiere sie. Es sind sehr intensive Einzel-Interviews. Für jede Person benötige ich zwei Wochen, um mich mit ihrem Leben zu beschäftigen. Vielleicht erscheint das Buch noch in diesem Jahr, aber da lasse ich mich nicht festlegen.

Frau Rethel, Sie sind echte Schwabingerin und am Nikolaiplatz aufgewachsen. Erkennen Sie die Gegend noch?
Dort sieht alles noch so ziemlich aus wie früher. Die Seidl-Villa, die beiden kleinen Häuschen. Mein Kindergarten war dort, wo der heutige Fuchsbau steht. Seit damals kenne ich meine Freundin Impala Lechner, telefoniere auch heute täglich mit ihr. Im Fuchsbau habe ich jetzt noch eine Wohnung, wenn es spät wird nach einer Vorstellung, übernachte ich gerne hier.

Sie werden heute bei öffentlichen Anlässen oft umlagert. Jeder will ein Bild mit Ihnen!
Ach, bin ich froh, dass man nicht mehr so viel Autogrammpost erledigen muss. Selfies sind so praktisch, ich mag sie, das gehört dazu. Ich stehe aber auch nicht so im Rampenlicht wie Boris Becker. Was ich bis heute jedoch schlimm finde, war, als Reporter meinem Mann auf unserem Grundstück mit dem Teleobjektiv aufgelauert haben.

Zur Person


In Schwabing groß geworden, kehrt Simone Rethel (70) wieder in ihre Heimatstadt und auf die Bühne der Komödie im Bayerischen Hof zurück. Die Witwe von Bühnen-Star Johannes „Jopie“ Heesters, der 2011 mit 108 Jahren verstorben ist, lebt in Herrsching und München, ist mit Dreh­arbeiten und Theaterstücken viel auf Reisen. 

Ihr Beruf ist ihr Lebenselixier, egal ob im Fernsehen – etwa bei „Sturm der Liebe“ oder auf Theater-Tournee, wie jetzt (Hallo verlost Tickets für die Komödie). Dazu fotografiert Rethel gerne und arbeitet viel und kreativ in ihrer Werkstatt am Ammersee. Seit 2005 arbeitet Simone Rethel als Botschafterin für die Initiative „Altern in Würde“.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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