Seiler und Speer im Gespräch mit Hallo München

Seiler und Speer: „Noch an Wiesn-Hit? Brauchen wir nicht!“

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Mit „Ham kummst“ stürmten sie die österreichischen und deutschen Charts: Seiler und Speer.

Wiesn? Nein, danke! Wieso das Ham-kummst-Duo keinen Oktoberfest-Hit mehr braucht und jetzt auf ruhigere Songs setzt, verraten Seiler und Speer im Hallo-Interview.

Das Oktoberfest ohne Hits zum Mitsingen? Unvorstellbar. Zelte, durch die nicht ihr Song „Ham kummst“ schallt, ebenso wenig. Dabei ist das Duo selbst nicht so in Partystimmung. Nach dem schweren Autounfall von Bernhard Speer setzen die beiden auf nachdenklichere Lieder. Ein paar bewährte Hit-Zutaten dürfen aber nicht fehlen. von Sebastian Obermeir

Herr Seiler, Herr Speer, 37,5 Millionen Aufrufe hat „Ham kummst“ auf Youtube. Was würden Sie schätzen: Wie viele kommen aus München?
Speer: Weil wir damit quasi das Oktoberfest überschwemmt haben, werden da schon viele dabei sein.
Seiler: 17 Millionen!
Speer: Bist deppert? Sieben.
Seiler: Aber wir können es sowieso nicht auflösen, oder?

Leider nicht. Aber fest steht: Sie haben viele Fans hier. Oktoberfest steht übrigens an. Sind Sie dabei?
Seiler: Na. Wir haben’s letztes Jahr gesehen und das war schön. Aber jedes Jahr muss nicht sein.

Ihr Song wird eh vertreten sein.
Seiler: Sehen’s. Dann müssen wir nicht hin. Der Geist von uns ist dort.
Speer: „Ham kummst“ hat uns in Sphären gebracht, wo wir nie gedacht hätten, dass wir dorthin kommen. Und wenn es kurz abbiegt aufs Oktoberfest, dann freut es uns natürlich.

Gabaliers Hulapalu und dann Ihr Song. Da stößt es dann aber sauer auf, oder?
Seiler: Es muss jeder für sich entscheiden, wo er politisch steht. Und ich lebe Toleranz. Also ist uns das wurscht.
Speer: Hulapalu ist ja a Patzn-Nummer. Muss man a mal sagen.
Seiler: Lyrisch komm ich da net hin.
Speer: Wüst ja net! (lacht)

„Beim Wiesn-Hit dürfen jetzt andere ran“

Findet sich auf Ihrem neuen Album wieder ein Wiesn-Hit?
Seiler: Wir haben schon einen. Das reicht. Jetzt dürfen andere ran.
Speer: Manche sagen auch, dass es ein ruhiges Album ist. Dabei haben wir melancholische und tanzbare Lieder.

„Wir ohne Dialekt? Das wäre wie Rammstein ohne Feuer!“

Welche schreiben sich denn leichter?
Seiler: Die ruhigeren Songs.
Speer: Weil wir Gefühlsmenschen sind. Auch wenn wir manchmal härter rüberkommen, als wir sind. Wenn du mit Gefühl in die Gitarre zupfst, wie der ane beim Asterix, kommen die schönsten Sachen raus.
Seiler: Aber den hauen’s ja die ganze Zeit!

Einstecken haben Sie ja auch müssen, Herr Speer. Nach Ihrem Autounfall 2017 schwebten Sie in Lebensgefahr. Und die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Verdachts auf Suchtgiftmissbrauch.
Speer: Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem es so nicht mehr weiterging. Habe den Boden unter den Füßen verloren. Das Ganze ist aber gut ausgegangen und hat mich wieder dorthin gebracht, wo ich hingehör.

Auf die Bühne?
Speer: Ich musste einfach für meine Familie und Freunde wieder auf gerade kommen. Und das Beste aus meinem Leben machen.

„Ob die Deutschen den Dialekt verstehen, ist schlussendlich egal“

Was anderes: Welche Dialekt-Begriffe bereiten den Deutschen Probleme?
Speer: Den „Pücher“, also den Gauner, aus „Ham kummst“ kennt man glaube ich hier nicht.
Seiler: Da meinen alle, wir singen von einem Büchlein. Schlussendlich ist es aber egal. Wie viele Leute hören englische Lieder und verstehen genau nix.

Könntet ihr auf Hochdeutsch singen?
Seiler: Nein. Was tät denn Seiler und Speer sonst noch ausmachen, wenn wir auf einmal ohne Dialekt singen. Des wäre wie Rammstein ohne Flammen.

Was hat es eigentlich mit der Bank auf dem Album-Cover auf sich?
Speer: Wir wollten fürs Foto eine Parkbank, auf der wir sitzen. Ich bin acht Stunden rumgefahren, um so eine zu finden. 300 Bilder haben dann wir geschossen. Einmal schaut der blöd, einmal der andere.
Seiler: Es ist unser drittes Album und unsere Gesichter haben es noch nie aufs Cover gschafft.
Speer: Und diesmal wollten wir es, aber...
Seiler: ...dann haben wir gesehen, wie des ausschaut. (lacht)
Speer: Es soll außerdem zeitlos bleiben. Wir schauen jetzt anders aus als vor vier Jahren und wir verändern uns weiter. Die Bank wird aber hoffentlich für immer so bleiben. Der Bürgermeister sieht das wohl ähnlich. Es ist eine Verordnung von der Gemeinde ausgegangen, dass diese Bank niemals restauriert werden darf.

Zur Person

Ein Original seit 2014: Seiler (links) und Speer.

2014 gründeten der Kabarettist und Schauspieler Christopher Seiler und der Filmemacher Bernhard Speer die Band „Seiler und Speer“. Erste Erfolge feierten die beiden mit der Satire-Webserie „Horvathslos“ – und so begann auch die musikalische Reise vom Spaß- zum ernstzunehmenden Bandprojekt.

Das Debütalbum „Ham kummst“ wurde mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet und hielt sich wochenlang in den österreichischen und deutschen Charts. 

Ganz oben angekommen, folgte der tiefe Fall: 2017 hatte Bernhard Speer einen schweren Autounfall, woraufhin die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Suchtmittelmissbrauch ermittelte. 

Mit „Für immer“ veröffentlichten der 32-jährige Seiler und der 34-jährige Speer jetzt ihr drittes Album. Und darauf zeigen sie auch ihre nachdenklichere Seite. Beide leben in Wien.

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