Juliane Köhler im Gespräch mit Hallo München

Juliane Köhler: „Abschiede gehören beim Theater dazu“

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„Wenn ich von der Bühne gucke, erkenne ich ein paar Gesichter. Und beim Applaus merke ich, dass die Leute mich kennen. Das fühlt sich gut an.“

1993 betrat Juliane Köhler erstmals die Residenztheater-Bühne – heute ist sie dort nicht wegzudenken. Warum der „Nirgendwo in Afrika“-Star seiner Theater-Heimat sogar für Hollywood treu bleiben würde...

Sie hat Intendanten und Schauspiel-Kollegen kommen und gehen gesehen – sie bildet die Konstante am Residenztheater. Auch nach Hollywood-Erfolgen mit „Nirgendwo in Afrika“ und „Der Untergang“ blieb sie der Bühne treu. Im Interview blickt die 53-Jährige zurück und erklärt, wie das Münchner Publikum tickt. von Sebastian Obermeir

Frau Köhler, als langjähriges Ensemblemitglied werden Sie jetzt mit dem Kurt-Meisel-Preis geehrt. Gratulation!
Ich freue mich sehr! Ich spiele am Residenztheater seit 1993. Mit einer kleinen Unterbrechung. Für mich ist es vom Gefühl her so, dass ich seit 26 Jahren hier bin.

Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Natürlich der Anfang. Zusammen mit elf anderen Schauspielern kam ich mit dem damaligen Intendanten Eberhard Witt aus Hannover. Das Engagement hier am Residenztheater (Hallo verlost 5x2 Tickets) war erst mein zweites. Am ersten Probentag haben wir uns am Viktualienmarkt getroffen, dann sind wir gemeinsam ins Theater gelaufen.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?
Ich wollte früher Clown werden, war aber nicht akrobatisch genug. Dann dachte ich: Als Notnagel werde ich eben Schauspielerin. Das war aber gar nicht so einfach. Ich hatte mich an neun Schauspielschulen in ganz Deutschland beworben. Und wurde überall abgelehnt.

Ihre Ausbildung erhielten Sie dann in den USA.
Als ich zurück kam, habe ich 70 Bewerbungen abgeschickt. Und 70 Absagen bekommen, weil ich keine deutsche Ausbildung und kein Diplom vorzuweisen hatte. Schließlich bin ich zu Eberhard Witt und habe ihn quasi gezwungen, mich anzuschauen. Glücklicherweise hat er mich genommen. Das war mein erstes und einziges Vorsprechen in meinem ganzen Leben.

„Die Münchner sind nicht so überkritisch mit dem Theater“

Wie nahm Sie das Münchner Publikum auf?
Ich habe es sofort als ein sehr empathisches Publikum erlebt. Die waren von Anfang an neugierig, haben es sehr geschätzt, was wir gemacht haben. Auch wenn mal was daneben ging. Ich musste am Anfang echt noch viel lernen. Das Publikum ist mit mir mitgewachsen.

Würden Sie sagen, dass München eine Theater-Stadt ist?
Von Berlin hört man ja immer, dass das Publikum sehr streng und kritisch ist. Trotzdem lieben auch sie ihre Theater. Das ist die Münchner Mentalität: Man ist nicht so überkritisch mit dem Theater. Man sagt erstmal: Ihr leistet große Arbeit, auch wenn uns ein Stück gerade nicht so gefällt.

Martin Kusej wird nach Wien wechseln. Werden Sie ihn vermissen?
Natürlich bin ich traurig, dass er mit einigen Schauspiel-Kollegen das Residenztheater verlässt. Aber am Theater gehört Abschied nehmen dazu. Es gibt immer Kollegen, mit denen man sich total anfreundet, man ist wie eine Familie. Dann gehen sie wieder.

Dafür lernen Sie neue Kollegen und Intendanten kennen.
Der neue Intendant Andreas Beck und ich kennen uns sogar bereits. Er war Dramaturgie-Assistent, als ich hier anfing. So schließt sich in gewisser Weise ein Kreis. Er kommt wieder und ich bin immer noch da.

Gibt es Stücke, auf die Sie sich schon freuen?
Nein, ich weiß nichts! Wirklich nicht. Ich würde es sagen, ehrlich.

Sie haben auch Hollywood-Erfolge gefeiert. Hatten Sie nie das Verlangen, dort durchzustarten?
Ich hätte versuchen können, dort irgendwie Fuß zu fassen. Das wollte ich aber nie. Auf gar keinen Fall. Ich hab es sehr genossen, dort zu sein, aber ich wusste: Ich liebe das Residenztheater und fühle mich hier zu Hause. Auch im Theater an sich mit seinem Live-Erlebnis. Dass man auf der Bühne steht und den Atem der Zuschauer hört. Dann gucke ich runter, und erkenne ein paar Gesichter. Und beim Applaus merke ich, dass die Leute mich kennen. Das fühlt sich gut an.

Zur Person

Freut sich auf ein Wiedersehen mit dem neuen Resi-Intendanten Andreas Beck: Juliane Köhler.

Ihre Heimat ist das Residenz­theater (Hallo verlost 5x2 Tickets), ihre Schauspielausbildung erhielt Juliane Köhler jedoch bei Uta Hagen in New York. 1989 folgte ihr erstes Engagement am Staatstheater Hannover, dann wechselte die am 6. August 1965 in Göttingen geborene Schauspielerin ans Bayerische Staatsschauspiel – wo sie seither tätig ist. 

Doch auch im Filmgeschäft machte sich Köhler einen Namen – mit den Filmen „Aimée und Jaguar“, „Pünktchen und Anton“, „Der Untergang“ und dem Oscar-prämierten „Nirgendwo in Afrika“ von Caroline Link. 

Ausgezeichnet wurde auch ihr Schaffen: zum Beispiel mit dem Bundesfilmpreis als beste Schauspielerin, dem Bayrischen Filmpreis, dem Silbernen Bären der Berlinale und jetzt mit dem Kurt-Meisel-Preis des Vereins der Freunde des Residenztheaters.

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