Schauspielerin im Gespräch mit Hallo München

Rosalie Thomass: "Das Känguru ist wie Pippi Langstrumpf"

"Das Känguru rüttelt uns auf", erklärt Rosalie Thomass, die in der Verfilmung des Kultbuchs die Maria spielt.
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"Das Känguru rüttelt uns auf", erklärt Rosalie Thomass, die in der Verfilmung des Kultbuchs die Maria spielt.

Warum die Schauspielerin (32) hofft, dass Kinder dem Känguru, an dessen Seite sie jetzt in den Kinos zu sehen ist, zuhören, verrät sie im Interview.

Frech, liberal und mutig – diese Eigenschaften hat die 32-jährige Schauspielerin mit dem Känguru, an dessen Seite sie jetzt in den Kinos zu sehen ist, gemeinsam. Warum sie hofft, dass Kinder dem anarchischen Beuteltier zuhören und wieso sie selbst ihren Sohn nicht in ihrer Heimatstadt aufwachsen lassen will, verrät die gebürtige Münchnerin hier. von Maren Kowitz

Frau Thomass, was ist eine Känguru-Weisheit, die Sie unterschreiben?
Ein Ausspruch ist bei mir tatsächlich schon ein geflügeltes Wort geworden: „Es jibt sone und solche, und dann jibt es noch janz andre, aba dit sind die Schlimmstn.“ Oft passiert es in Gesprächsrunden, dass man über andere Leute spricht und schnell ins Urteilen verfällt und ich finde, da passt der Spruch, um die Verbissenheit aus der Diskussion nehmen.

Wie erklären Sie sich den Erfolg der Känguru-Chroniken?
Das Tollste an dem gesamten Werk von Marc-Uwe Kling ist, dass es nachdenklich stimmt – über den Spaß hinaus. Extreme, provokante Gedanken schiebt er dem Känguru unter, das man einfach lieb hat. Und dadurch bleiben sie hängen. Außerdem ist die Kunstfigur Marc-Uwe Kling wie wir, die wir irgendwie an der Welt kranken, aber nicht so genau wissen was wir anders machen wollen und können. Und das Känguru rüttelt uns auf und sagt, wir müssen alle was dagegen tun.

Ihre Filmrolle der Maria ist sehr anders als in der Buchvorlage, in der sie auch erst in Band drei und vier auftaucht.
Ich finde es inspirierend, wenn es eine Vorlage gibt – aber man muss sich auch die Frechheit nehmen, sich davon zu lösen. Film ist einfach eine andere Kunstform. Es gibt diesen verkopften, verdrucksten Typen, der nicht kommunizieren kann, und ein Känguru – da braucht man einen Gegenentwurf wie Maria. Eine Figur, die für Emotionalität steht, für das Vitale, das Handfeste.

Im Original ist Maria ja Gott. Sollte es eine Fortsetzung geben, hätten Sie dann Respekt davor, Gott zu spielen?
Wieso? Ist doch eine Traumrolle. Ich liebe die Szene, als Marc-Uwe Kling sie in einem Handykostüm beim Flyer verteilen trifft, heimkommt und meint: „Ich finde Gott ja ziemlich gut.“ Und das Känguru sagt: „Ja, das geht ja einigen so.“ Es ist toll, dass Marc-Uwe Kling ganz nebenbei Gott eine Frau sein lässt, keinen weißen, alten Mann.

Haben Sie sich viel mit Marc-Uwe Kling ausgetauscht?
Er war beim Dreh nur bei der großen Party dabei, weil er einen Gastauftritt als Band hatte. Ansonsten hat er sich vornehm zurückgehalten. Aber natürlich war er beim Casting dabei. Ich war sehr aufgeregt, ob ich in seine Vorstellungen der Figur passe. Es ist ja sein Baby.

Waren Sie vor den Dreharbeiten ein Känguru-Fan?
Nein, das ist komplett an mir vorübergegangen. Ich dachte ehrlicherweise, das ist was für Kinder. Und erfreulicherweise fahren tatsächlich auch total viele Kinder richtig darauf ab. Da stecken so viele gute Gedanken drin – es kann nicht so schlecht sein, wenn Kinder damit aufwachsen. Ich bin mit Figuren wie Pippi Langstrumpf groß geworden. Wir müssen auch mal anarchisch sein und uns etwas trauen, das darf uns nicht verloren gehen.

Der Film transportiert ja sehr das Berliner Lebensgefühl. Hätte er auch in München funktioniert?
Ich glaube, Berlin glaubt man eher die schrägen Figuren, die Nazis, die Späti-Besitzer, die Hausbewohner. Die Rahmenhandlung würde fast noch besser nach München passen: Der Bauinvestor, der einen Wohnungsblock abreißen lassen will, um ein Hochhaus zu bauen. In München würde man bloß daran scheitern, einen arbeitslosen Kleinkünstler so zu erzählen. Hier hätte er ein fensterloses Kammerl, nicht so eine charmante, riesige Altbauwohnung.

Das klingt nach schlechten Erfahrungen mit dem Münchner Mietmarkt?
Ich wohne ja mittlerweile auf dem Land. München so wie es jetzt ist, gefällt mir nicht mehr. Hier hast Du nur noch die Wahl über deine Verhältnisse zu leben. Ich kenne viele, die sagen: Wir haben jetzt eine Wohnung, die ist eigentlich viel zu teuer, aber wir werden es schon irgendwie hinbekommen. Das ist eine solche Belastung für die Person, für die Beziehung, für die Familien – irgendwie muss das Geld ja rangeschafft werden und woanders fehlt es dann an Lebenszeit. Das finde ich eine unfassbare politische Verfehlung, dass man es so weit hat kommen lassen.

Zur Person

Rosalie Thomass ist am 14. August 1987 in München geboren und in Sendling aufgewachsen. „Ich kann mich erinnern, dass wir schon im Grundschulalter irgendwo auf der Straße oder im Hinterhof waren – ohne Handys, unbeobachtet. Der Bewegungsradius von Kindern hat sich sehr eingeschränkt, vielleicht auch weil es jetzt gefährlicher ist, weil in der Stadt mehr los ist.“ Mit ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Aron Lehmann, und ihrem 2016 geborenen Sohn wohnt die Schauspielerin heute auf dem Land. „Da gibt es auch mehr Freiheit für Kinder.“ Die vielbeschäftigte 32-Jährige („Eine heiße Nummer“, „Eine unerhörte Frau“, „Grüße aus Fukushima“) spielt am 9., 10. und 11. März jeweils um 20.15 Uhr im ZDF-Dreiteiler „Unterleuten“, einer Juli Zeh-Verfilmung. Außerdem wird sie dieses Jahr in der neuen Netflix-Serie „Das letzte Wort“ neben Anke Engelke zu sehen sein – und in dem neuen Film von Regisseurin Emily Atef.

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