Rainhard Fendrich im Gespräch mit Hallo München

Rainhard Fendrich – „Meine Generation hat eigentlich versagt“

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Zwischen Pop und Populismus: Viele verbinden ihn mit Songs wie „Macho Macho“ und „I Am From Austria“

Auf seinem neuen Album „Starkregen“ geht Fendrich mit der Politik ins Gericht. Warum wir nicht nur einen meteorologischen Klimawandel erleben und die Münchner freier sind als die Wiener, erklärt der 64-Jährige hier. 

Herr Fendrich, Sie behandeln in Ihren Songs moderne Volkskrankheiten wie Burn-out. Ein persönliches Thema?
Überhaupt nicht. Ich bin als Künstler von der Gefahr, Burn-out zu bekommen, ausgeschlossen. Weil kreative Menschen nicht fleißig sein können. Sie müssen warten bis ihnen etwas einfällt. Da ist man manchmal der Verzweiflung nahe, aber nicht in diesem Stress. Da sind Ruhepausen eigentlich schon eingeplant. Burn-out entsteht dann, wenn man permanent erreichbar ist. Wenn das über einen längeren Zeitraum geht, dann steht der Herzinfarkt vor der Tür.

Sie hingegen haben das aktuelle Album eineinhalb Jahre liegen lassen.
Ich hatte es fast fertig. Damals bin ich an einem Plakat der Volkshilfe vorbeigefahren, auf dem ein Mädchen wie Sterntaler drauf war und sagte: „Wenn ich groß bin, werde ich arm“. Das hat mich so berührt, dass ich den Kampf gegen Kinderarmut in Österreich aufgenommen, drei Benefiz-Konzerte veranstaltet und ein Benefiz-Album aufgenommen habe. Als ich mir dann das aufgeschobene Studioalbum noch einmal angehört habe, habe ich 80 Prozent weggeworfen. Daraus ist jetzt eines der besten und ausgereiftesten Alben entstanden, die ich je geschrieben habe. Ich bereue es, mir bei manchen Alben nicht soviel Zeit gelassen zu haben.

In unserer Zeit muss aber alles schnell gehen. Auch die Kommunikation wie bei den von Ihnen besungenen „Social-Media-Zombies“?
Die sozialen Medien haben den großen Vorteil, dass man sofort weiß, wenn was wichtiges auf der Welt passiert ist. Auf der anderen Seite verlernt man den Dialog. Man kann sich hinter einem Profilbild verstecken und aus der Anonymität heraus bösartig sein. Es wird alles oberflächlicher. Manche glauben, ein Emoji sagt mehr als tausend Worte. Ich finde es bedenklich, dass die menschliche Kommunikation verstümmelt.

Und doch haben auch Sie jetzt einen Instagram-­Account...
Aber nur beruflich, da es heute nicht anders geht. Das wäre genauso, wie wenn man das Telefon verweigert, wenn’s plötzlich erfunden wird.

Auch politisch kritische Songs sind auf dem Album wie „Heiße Luft“ über die rechtspopulistische Partei...
Ich suche mir die Themen nicht aus, sie begegnen mir im täglichen Leben und lassen mich einfach nicht mehr los. Zum Beispiel, dass im österreichischen Wahlkampf fast mit religiöser Begeisterung versucht wurde, den Gegner schlecht zu machen. Anstatt, dass man versucht Wähler zu gewinnen, indem man das bessere Programm liefert. Mich beschäftigt, dass der Begriff alternative Fakten mittlerweile gesellschaftsfähig ist, dass man eine Lüge nur so lange herausbrüllen muss, bis sie zur Wahrheit wird.

Woran, glauben Sie, liegt das?
Wir haben nicht nur einen meteorologischen Klimawandel, sondern auch in der Gesellschaft. Der Ton ist rauer geworden, es gibt Hass-Postings. Doch das ist lösbar. Man kann den Hass wieder bekämpfen, man kann den Menschen wieder eine Perspektive geben.

Lösbar, im Gegensatz zum echten Klimawandel?
Meine Generation hat eigentlich versagt. Wir haben relativ wenig beigetragen unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Und auch jetzt haben einige Menschen nicht begriffen, dass wir uns selbst auslöschen. Die Natur kennt keine Probleme, die kennt nur Lösungen. Aber wenn die Temperatur der Erde nur um fünf Grad raufgeht, können 80 Prozent der Menschheit nicht mehr existieren. Die Welt selber, die wird noch lang bestehen.

In München gibt es auch ein paar Dinge, die nicht ideal laufen. Sie haben mal gesagt, sie sind in München „dahoam“. Verfolgen Sie mit, wie sich die Stadt weiterentwickelt?
Ich erlebe München als Wiener – und die Städte kann man schon ganz gut vergleichen. München ist die viel freiere Stadt, mit weniger Verboten als in Wien. Ich habe einen Hund, und mit einem Hund in München im Englischen Garten zu gehen ist kein Vergleich zu Wien. Es wäre undenkbar, dass mitten in der Stadt welche an einem Fluss nacktbaden. Nicht dass ich drauf warte, dass jemand nackt badet (lacht). Aber ich finde, dass das eine gewisse Freiheit darstellt.

von SABINA KLÄSENER

ZUR PERSON

„Man hat in einem fortgeschrittenen Alter eine andere Ruhe, um die Dinge zu betrachten“, erklärt Rainhard Fendrich, der am 27. Februar 65 wird. „Man schreibt andere Gedanken auf als mit 35.“ Anfang der 80er-Jahre gelang dem Wiener der Durchbruch – 18 Studioalben erschienen seitdem, 14 davon erreichten Platz 1 der österreichischen Charts. 

Mit Hits wie „I Am From Austria“, „Macho Macho“ und „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ wurde der Austropopper auch in Deutschland bekannt. Vor kurzem gab er seinen Zweitwohnsitz auf Mallorca auf. Nicht, weil dort im Juli eingebrochen wurde, sondern: „Ich will einfach nicht mehr so viel fliegen. 

Das geht mir so auf die Nerven. Die Umweltverschmutzung, überfüllte Flieger, die teilweise sinnlosen Sicherheitskontrollen, dann sind da Verspätungen und dann frag ich mich: Wozu eigentlich?“

Wie Lieder schreiben funktioniert...

 „30 Prozent Euphorie, 70 Prozent Verzweiflung“, erklärt Rainhard Fendrich. Doch mittlerweile sei es mehr und mehr zum Vergnügen geworden: „Es ist ein gutes Gefühl sein eigener Herr zu sein – ohne Plattenfirma im Rücken.“ 

Aber auch dann bleibt die Frage: Wie findet man einen passenden Albumtitel? Der Zufall spielte Rainhard Fendrich in die Hände – in Form seiner Flugbestätigung einer ausländischen Fluggesellschaft. Dort stand: „Starkregen Fendrich“ – ein amüsanter Übersetzungsfehler von „rain hard“. Thematisch erwies er sich als Glücksgriff, da sich Fendrichs neues Album auch mit dem Klimawandel beschäftigt. 

Wie er den musikalisch verarbeitet hat, zeigt er beim Münchner Konzert am Freitag, 22. Mai, in der Olympiahalle, Spiridon-Louis-Ring 21. Tickets ab 65 Euro unter Telefon 54 81 81 81. 

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