Markus Wasmeier im Gespräch mit Hallo München

Markus Wasmeier: „Ganz gemütlich? Ist nicht mein Naturell!“

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„Unsere älteste Alm, der Wahlkaser, ist aus dem 19. Jahrhundert. Ihr energetischer Baustoff Holz hat Jahrhunderte überlebt.“

Beim Wasi läuft's rund: Vor 25 Jahren ließ der Ski-Star mit zwei Goldmedaillen ganz Deutschland jubeln. Jetzt kehrt ­Markus Wasmeier in olympische Gefilde zurück – allerdings mit dem Rad...

München – Die bayerische Ski-Legende ist noch lange nicht im Ruhestand. Der Doppel-Olympiasieger von 1994 hat in seiner Heimatgemeinde Schliersee ein historisches Freilichtmuseum geschaffen. Warum er jetzt den Oly-Berg hochradelt und sich sehr für Landleben und Sport engagiert, erzählt der 55-Jährige im Interview. von Marie-Julie Hlawica

Herr Wasmeier, jetzt sind Sie auch E-Bike-Botschafter.
Ich fahre seit Jahren Rennrad, Mountainbike und eben auch E-Bike. 2009 hat mich ein 80-Jähriger grinsend auf einem E-Radl überholt, danach wollte ich sogar selbst eine Firma gründen, E Bikes bauen. Das E-Bike nehme ich, wenn ich mit meiner Frau radle, oder wenn ich weiß, es steht ein schöner Sonnenuntergang an und ich komme spontan in einer Stunde auf den Gipfel, wenn ich Vollgas gebe. Wer als Nicht-Radler aufs E-Bike wechselt, tut sich schwer. Berg rauf geht’s – Berg runter wird es zu steil, viele stürzen. Es gibt E-Bike-Fahrer, die haben am Berg nichts zu suchen.

Was sagen Sie zur Radl-Situation in München?
Der einzige Ausweg für das Verkehrs-Chaos in München ist ein Konzept. Es ist an der Zeit, großzügig zu planen. Ideales Vorbild als Fahrradstadt ist für mich Bozen. Dort gibt es Radwege, eigene Kreuzungen, Mittelstreifen, Unterführungen, die Verkehrsrichtungen verlaufen getrennt.

Sie sind Ex-Profisportler. Gibt es heute Tage ohne Sport?
Ja, immer mehr, der Museumsbetrieb braucht mich (Hallo verlost Eintrittskarten). Drei- bis viermal pro Woche nehme ich mir zwei Stunden, dann geht es auf den Berg: Ich fahre eine Runde, bin dann aber nicht gemütlich unterwegs. Das ist nicht mein Naturell.

Früher war es das Skifahren, heute ist Ihr Museum Ihre Herzensangelegenheit.
Ich will unsere bayerische Geschichte in die Neuzeit bringen, das frühere Leben im altbayerischen Dorf zeigen. Bei den Menschen damals hatte alles seinen Sinn: Handwerk, Leben, Traditionen. Kinder können hier buttern, Weißwürste selber drehen, Brot backen. Wir haben Hühner, Bergschafe, Gänse und drei Mangalica-Schweine, eine seltene, alte Rasse, Wasserspiele oder alte Wurfspiele für die Kinder. Leider meckert immer wer. Neulich hat sich eine Besucherin beschwert, dass ihr Nachwuchs beim Spielen heroben nass geworden ist. Was mich dagegen freut: Ich hab hier noch nie ein Kind mit einem elektronischen Gerät in der Hand gesehen.

Bleibt auch nach Ende seiner Karriere dem Sport treu: Markus Wasmeier.

Wie wichtig sind Ihnen ökologische Aspekte?
Wir nutzen für unser Gasthaus Erdwärme. Aber natürlich sind die alten Häuser, etwa unsere älteste Alm aus dem 19. Jahrhundert, der Wahlkaser von der Gotzenalm, nicht energetisch saniert. Die Bauweise war früher genial, das sieht man am Alter der Häuser – man hatte traditionell nur einen Raum, der gewärmt wurde. Unser Lukashof, der über 500 Jahre alt ist, ist ein Beispiel, wie Tiere und Menschen hier unter einem Dach lebten. Der Wohnbereich war aus Holz, der Stallbereich gemauert.

Wie kommen Sie an die alten Häuser?
Entweder ruft der Bauer mich an oder das Denkmalamt, oder ich sehe selbst eine Hütte, die langsam verfällt. Es dauert bis zu sieben Jahren, ein historisches Haus zu transferieren.

Sie sind am Schliersee daheim.
Ich bin Einzelkind, hier groß geworden, habe drei Söhne, bin seit 28 Jahren mit meiner Frau verheiratet, meine Eltern leben hier. Familie ist wichtig: Nur gemeinsam schafft man was!

Welche Rolle spielen Ihre Eltern bis heute in ihrem Leben?
Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Mein Vater ist ein lebendes Lexikon der Natur. Er hat mich mit allem, was ich im Leben angefangen habe, infiziert. Heute arbeiten meine Eltern hier mit, meine Mutter backt Schmalznudeln. Mein Vater, der im Sommer 80 wird, packt auch an. Eigentlich wollte ich ja Schreiner werden, aber der Lehrbetrieb hätte mich nicht zu den Skirennen weggelassen und das war mein Talent. Also wurde ich Maler und Lackierer – und Weltmeister! Aber beim eigenen Hausbau gab es zuerst die Werkstatt im Keller.

Sind Sie gerne berühmt?
Heute schreien einige im Museum „Kimm amoi her“ als ob wir uns ewig kennen, oder stellen sich dazu, wenn ich gerade zu Mittag esse – so lange ich esse! Die wollen am besten jetzt gleich sofort ein Foto und ein Autogramm. Mei, aber das gehört dazu, ich bleib entspannt. Es gab Zeiten zu meiner aktiven Zeit, da kamen die Fans direkt ins Wohnzimmer, wenn unsere Terrassentür offenstand.

Gibt es eine Anekdote, die Sie an Olympia erinnert?
Ja klar! In der deutschen Kantine gab es Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln... Als ich die Pasta der Italiener sah, gingen mir die Augen über, doch die bekam nur die italienische Mannschaft. Ich muss mordstraurig geschaut haben. Da schob mir der Südtiroler Rodler Hansjörg Raffl einen Berg Nudeln rüber, sagte: Dafür musst’ gewinnen. Und ich habe den Super G gewonnen! Vor dem Riesenslalom kam er wieder mit einem Teller Nudeln an. Ich habe zum zweiten Mal gewonnen, mit den italienischen Glücksnudeln – heute sind Raffl und ich befreundet.

Zur Person

Am 25. Mai fordert der Olympia-Gewinner Markus Wasmeier im ­Rahmen der E-Bike-Days Besucher zum Radrennen heraus.

Vor 25 Jahren gewann der junge Skifahrer, 1963 in Schliersee geboren, in Lillehammer für Deutschland Olympia-Gold im Super G und Riesenslalom. 

Familie steht für den heimatverbundenen Sportler an erster Stelle. Ehefrau Brigitte lernte Wasmeier bei einem Trabrennen kennen, vor seinen Sport-Erfolgen wurde 1991 geheiratet. Ein privater Schicksalsschlag veränderte 2012 vieles: Als Autor schreibt Wasmeier im Buch „Dahoam“ offen über die Krebserkrankung seiner Frau Brigitte, die das Paar gemeinsam überstanden hat. 

Die Wasmeier-Eltern Johanna und Günther arbeiten seit Gründung im Freilichtmuseum (Hallo verlost 5x2 Eintrittskarten) aktiv mit. Kilian, der jüngste der drei erwachsenen Söhne, unterstützt den Vater ebenso. 

Jetzt, vom 24. bis 26. Mai, bei den Münchner E Bike Days am Olympiaberg, stellt sich das Ski-Ass den Besuchern bei der „Haibike Challenge: Schlag den Wasi!“

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