Für die Interessen der Schüler

„Nutzt mich aus!“ – Neuer Landesschülersprecher für Bayerns Schüler

Christian Mancin bringt viel Erfahrung mit: Er war bei der Bundeswehr, hat für den Polizeidienst trainiert, war Security, Staubsaugervertreter, Postbote und auf der Schauspielschule.
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Christian Mancin bringt viel Erfahrung mit: Er war bei der Bundeswehr, hat für den Polizeidienst trainiert, war Security, Staubsaugervertreter, Postbote und auf der Schauspielschule.

Christian Mancin aus Laim ist der neue Landesschülersprecher – und vertritt 1,7 Millionen Schüler Bayerns. Im Hallo-Interview spricht er über seine Aufgaben und Ziele.

München – Der 33-Jährige Christian Mancin sitzt für die Berufsschüler im Landesschülerrat. Er macht gerade im zweiten Jahr eine Ausbildung zum Erzieher in einem Hort im Münchner Norden und besucht die Fachakademie für Sozialpädagogik der AWO in Aubing. 

Herr Mancin, warum sind Sie Schülersprecher?
Tatsächlich war ich schon immer Klassensprecher, weil ich mich gerne für die Meinungen anderer einsetze.

Was macht man als Landesschülersprecher?
Ich finde es grandios, dass ich nun beim bildungspolitischen Geschehen an vorderster Front stehe. Ich sage auch meiner Klasse immer: Nutzt mich aus! Ich bin der Lobbyist der Schüler, das Sprachrohr zwischen Kultusministerium und Schülern. Der Landesschülerrat hat ein Anhörungs- und Vorschlagsrecht. Wir stellen viele schulübergreifende Anträge.

Warum wurden Sie gewählt?
Man hatte zwei Minuten Zeit um sich vorzustellen. Ich habe meine drei Hauptziele genannt: Eine Verbesserung der Zusammenarbeit der verschiedenen Schulen sowohl schulintern als auch Schularten übergreifend. Außerdem das Thema Umwelt. Und die Themen Rassismus und Mobbing.

Gibt es denn da an Ihrer Schule Probleme?
Ich tue mir schwer, es auszuschließen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man als Mobbingopfer nicht offen mit dem Thema umgeht. Was Probleme mit Rassismus angeht, weiß ich das von anderen Berufsschulen. Auch dieser Alltagsrassismus: kleine Dinge, die vermeintlich als Scherz gemeint sind. Man muss nicht gleich die Moralkeule rausholen – aber zumindest ein Bewusstsein schaffen, dafür, was man eigentlich sagt.

Wie kann man dem entgegenwirken?
Die jeweiligen Schülersprecher müssen an ihren Schulen die Augen offen halten. Und falls es Probleme gibt, könnte der Landesschülerrat dorthin Redner einladen, die Podiumsdiskussionen abhalten. Außerdem sind wir dabei, ein eigenes Projekt umzusetzen: Bei dem Redeformat „Halt, stopp! Jetzt rede ich.“ kann außerhalb des Unterrichts über Tabuthemen gesprochen werden, was wiederum das Selbstbewusstsein stärkt.

Sehen Sie sich gezwungen, auf den Nachhaltigkeits-Zug aufspringen, weil es „in“ ist?
Natürlich ist das Thema gerade ein Hype, aber ich bin froh darum. Ich möchte die Aufmerksamkeit nutzen, um etwas zu verändern. Bei der großen Fridays-for-Future-Demo hat unsere Schule auch teilgenommen und von unserem Direktor wird uns das auch freigestellt.

Was möchten Sie konkret verändern?
In meiner Schule haben wir einen Kaffeeautomaten, der bei jedem Getränk einen Plastikbecher raushaut. Das muss nicht sein und ich bin bereits dabei, mit der Firma zu sprechen. Auf Recyclingpapier haben wir bereits umgestellt und fast überall haben wir Bewegungsmelder. Auch die Organisation der Essensversorgung an manchen Schulen ist zum Teil fatal.

Gibt es ein Thema, an dem Sie sich vermutlich die Zähne ausbeißen werden?
Ich bin gnadenloser Optimist, daher glaube ich, dass sich hoffentlich alles umsetzen lässt, was ich mir vornehme. Ein Punkt, der mich persönlich betrifft, ist eine Veränderung der Optiprax-Ausbildung (Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen, Anm. d. Red.). Wenn ich zwei Wochen in der Hortgruppe bin und dann zwei Wochen in der Schule – bis ich wieder zurück bin, brauche ich ein paar Tage um wieder eine Beziehung mit den Kindern aufzubauen. Oder die finanzielle Unterstützung für Schüler und Azubis ist auch so eine Sache. Berufsschüler, die in München nicht zu Hause leben, haben es mit ihrem Gehalt wirklich schwer.

Wie gehen Sie mit „Andersdenkenden“ um?
Beim Landesschülerkongress (LSKo, siehe unten) wird es auch verschiedene Podiumsdiskussionen geben, zu denen wir Politiker einladen. Es wurde auch diskutiert, ob wir die AfD einladen sollen. Nachdem die erste Empörungswelle abgeflaut war, haben wir es doch einstimmig beschlossen. Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei, ob es uns passt oder nicht. Wenn wir sie ausladen, bestärken wir sie nur in ihrem Opferstatus. Manchmal ist es nicht verkehrt, solche Leute für sich selbst sprechen zu lassen. 

So funktioniert der Landesschülerrat in Bayern

Der Landesschülerrat ist die demokratisch gewählte Vertretung aller Schüler und seit August 2008 im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen verankert.

Er setzt sich zusammen aus sechs Landesschülersprechern und ihren sechs Stellvertretern. Sie vertreten die folgenden Schulzweigen: Mittelschulen, Förderschulen, Realschulen, Berufs- und Fachoberschulen, Gymnasien sowie Berufliche Schulen.

Bei die Schüler betreffenden schulischen Angelegenheiten hat er das Recht, angehört zu werden, zum Beispiel bei Änderungen des Bayerischen Gesetzes zum Erziehungs- und Unterrichtswesen oder der Schulordnungen. Außerdem kann er Vorschläge der bayerischen Schüler an das Kultusministerium richten.

dbo

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