A bis Z mit Leslie Mandoki

Leslie Mandoki: „Musik war eigentlich meine zweite Berufswahl“

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Nach 40 Jahren ist Leslie Mandoki zurück auf einer Münchner Bühne: „Da habe ich tatsächlich Lampenfieber.“ An seiner Seite: Till Brönner, Bobby Kimball von Toto, John Helliwell von Supertramp und viele mehr. 

Musiker, Produzent und „Dschingis Khan“-Star Leslie Mandoki ist in der ganzen Welt unterwegs und kennt die Großen der Musikszene. Nun tritt er – erstmals seit 40 Jahren – öffentlich in München auf. 

München – An seiner privaten Wall of Fame in seinem Studio mit Blick auf den Starnberger See sieht man Leslie Mandoki mit Lionel Richie, Chris de Burgh, Angela Merkel, David Garrett, Sido, Andreas Bourani, Heino und Udo Lindenberg. Dokumente der Karriere eines großartigen Musikers, der den bekanntesten kommerziellen Erfolg mit der Discoformation „Dschingis Khan“ feierte. 

Und Beweis eines unvergleichlichen Netzwerks in der Musikszene. Seit 28 Jahren holt er unter dem Namen „Mandoki Soulmates“ verschiedene Musikgrößen zusammen. Im November bringt er einige davon – Trompeter Till Brönner, Bobby Kimball von Toto, Chris Thompson von Manfred Mann’s Earth Band und John Helliwell von Supertramp – auf die Bühne des Circus Krone und tritt selbst erstmals seit 40 Jahren wieder öffentlich in München auf. 

„Davor habe ich tatsächlich Lampenfieber“, gesteht der 66-Jährige, der in Tutzing lebt. Wieso er fast einmal im Starnberger See gekentert wäre, wie oft er schon verhaftet worden ist und wie er Umweltaktivisten unterstützt, lesen Sie im A bis Z. 

Marie-Julie Hlawica

Musiker und Produzent Leslie Mandoki (66) von A bis Z

Anrufe tätige ich, wenn ich mit meinen Soulmates über neue Musik reden will. Wir sind seit 28 Jahren eine musikalische Wertegemeinschaft – wir haben uns immer dem Mainstream verweigert. Unsere Musik ist wie ein musikalischer Liebesbrief an unser Publikum, und keine SMS.

Bela Bartok spielte mir mein Vater, ein klassischer Geiger, abends vor. Jetzt wird ein Kindheitstraum wahr: Im Herbst spielen wir bei den Konzerten inspiriert von Bartoks Themen „Hungarian Pictures“.

Cool sollten wir Münchner uns wieder selbst empfinden. Nicht nur die Coolness in Berlin loben. Ich glaube, die Bohème kehrt nach München zurück, als eigene Szene mit Kunst, Musik und Film. Das habe ich bei Gesprächen auf dem Münchner Filmfest bemerkt.

Deutschland: Budapest ist meine Geburtsstadt, aber München ist meine Heimat, mein Hafen. Aber ich habe auch einen kleinen Koffer in Los Angeles und einen noch kleineren in New York.

Emotionen: Lionel Richie hat einmal gesagt: We are working in a passion industry. Wir Musiker glauben, dass man mit Musik die Welt verändern muss, soll und kann. Der Bedarf ist da – heute mehr als früher. Man sollte mit Kunst Einfluss nehmen, um eine humanere Gesellschaft zu bauen.

„Meine Kinder sollen ihren eigenen Weg gehen“

Familie: Es ist eine besondere Verantwortung, Vater zu sein. Ich habe meine Kinder zu Widerspruch erzogen, dazu, ihren eigenen Weg zu gehen. Das denke ich ist bei Lara, Gabor und Julia gelungen.

Gap – die Spaltung, die ich heute erlebe. Es ist für mich ein politischer Aufruf. Ich vermisse in Zeiten des Wohlstands, dass jeder Mensch die gleichen Chancen auf Bildung hat.

Hambacher Forst: Da stürzte meine Tochter Julia, die auch engagierte Umweltaktivistin ist, bei einem Unfall von der Leiter und verletzte sich. Ich hatte Angst, aber Kinder müssen ihren Weg gehen. Zum Glück sind ihr keine dauerhaften Verletzungen geblieben.

Irrtum war, dass ich dachte, Social Media setzt sich nicht durch, weil jeder seine Intimsphäre schützen möchte. Heute nutze ich Social Media aber nicht, um zu zeigen, was ich gegessen habe, wie leider viele meiner Freunde. Sondern um mit unserem Publikum zu kommunizieren.

Jammen ist, wenn man ganz spontan und improvisiert Musik macht. So wie ich erst gestern mit meinen Kindern. Wir wollten an den See, aber es regnete – da haben wir zu den Instrumenten gegriffen. Auch vor den großen Konzerten spielen wir Soulmates uns warm, indem wir improvisieren. Das Aufnahmegerät läuft immer mit. Da kommen die tollsten Sachen dabei raus.

„Wir geben unsere Klimaprobleme an unsere Kinder weiter“

Klimaschutz: Seit ich Vater geworden bin, frage ich, was hinterlassen wir eines Tages unseren Kindern? Unsere Klimaprobleme haben wir geschaffen und geben sie an die nächsten Generationen weiter.

Lampenfieber habe ich tatsächlich vor dem Konzert in München, denn ich spiele zum ersten Mal seit 40 Jahren hier! Wir spielen in New York, Los Angeles, in Budapest vor 48 000 Leuten. Aber jetzt im Circus Krone – das ist etwas ganz besonderes.

Musik war eigentlich meine zweite Berufswahl. Ich wollte Poet werden, habe mit 14 einen Wettbewerb in Ungarn gewonnen. Und bis heute male ich gerne. Aber es kam anders.

Neue Wege: Vor 40 Jahren bin ich in Deutschland mit „Dschingis Khan“ bekannt geworden, das war ein Bruch in meinem musikalischen Weg – zuvor hatte ich Rock gespielt. Aber ich habe viel gelernt, auch viele meiner Freunde kennengelernt, zum Beispiel Peter Maffay, der heute sein Studio neben meinem hat.

Otto Waalkes zählt zu meinen Freunden. Ebenso wie Udo Lindenberg oder Klaus Doldinger, der mir damals den Weg in die Münchner Musiker Szene gezeigt hat.

Politik: Ich habe gemerkt, dass aktive Politik nichts für mich ist, das ist mir zu kurzatmig. Ich sage, was ich denke, mit der Musik.

Quasi gekentert wäre ich fast einmal mit dem Familienkanu auf dem Starnberger See. Ich hatte weder Handy noch Sandsack dabei, um Hilfe zu holen und das Boot zu stabilisieren. Das passiert mir nicht nochmal.

Rebell: Ja, so sehe ich mich. Ich bin ein unangepasster Mensch. Was ich als kleiner Junge in Ungarn erlebt habe, die Rebellion, das steckt heute auch in meiner Musik.

Seelenverwandte – das sind die Mandoki Soulmates, ein Künstlerkollektiv, das handgemachten Rock spielt.

„Im Kampf gegen Zensur wurde ich mehrmals verhaftet“

Traumfrau: Meine Frau Eva und ich sind verkuppelt worden. Freunde sagten mir: „Wir wollen dir deine zukünftige Frau vorstellen“ – und haben uns zusammengebracht. Wir sind seit 33 Jahren verheiratet.

Udu ist mein Lieblingsinstrument, eine afrikanische Tontrommel. Vor gut 35 Jahren hat mir ein Freund in Amerika meine erste Udu geschenkt. Heute habe ich etwa 30.

Verhaftet worden bin ich 17 Mal, jedesmal haben sie mich von der Bühne geholt – weil ich gegen die Zensur gekämpft habe. Auf dem Sterbebett habe ich meinem Vater versprochen, dass meine Kinder unzensierte Presse lesen werden. Deshalb bin ich 1975 aus Ungarn geflohen.

Wasser: Ich liebe die bayerischen Seen. Ich bin Wasserballspieler – mein Vater meinte immer, Künstler brauchen Kondition. Deswegen halte ich mich fit.

X: Den Buchstaben kennt das Ungarische Alphabet nicht, dabei ist es doppelt so groß wie das deutsche. In der Familie sprechen wir ungarisch. Nur wenn es in fachliche, philosophische Diskussionen geht, wechseln wir ins Deutsche.

Young Rebels heißt ein Lied auf der neuen CD, die im Oktober erscheint. Das ist den jungen Menschen, die mit „Fridays for Future“ auf die Straße gehen, gewidmet. Ich gehöre zu den Old Rebels und unterstütze die Young Rebels mit Begeisterung.

Zufälle: Zum Glück gibt es Dinge, die nicht steuerbar sind im Leben, aber ich versuche diesen Anteil des Unsteuerbaren klein zu halten.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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