Interview von A bis Z mit Robert Werner

Der Kicker der Munich Cowboys erklärt vor dem Super Bowl wichtige Begriffe von A bis Z

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Kicker Robert Werner in Aktion. Letzte Saison versenkte er 16 von 22 Field-Goal-Versuchen.

Vor dem Super Bowl erklärt der Kicker der Munich Cowboys Robert Werner wichtige Begriffe und die Situation im Interview von A bis Z.

München – Nur noch wenige Tage, dann findet in den USA das größte Sportereignis der Welt statt: der Super Bowl, das Finale der National Football League (NFL). Das Spiel wird jedes Jahr von Millionen Fans auf allen Kontinenten verfolgt (Montag, 3. Februar, 0.30 Uhr auf Pro7). 

Auch in München ist der Sport langsam angekommen, wie Robert Werner weiß. Der 33-Jährige ist Kicker bei Münchens größtem Footballclub, den Munich Cowboys, und spielt in Deutschlands höchster Footballliga, der GFL. „Zwar ist Football hier noch eine Randsportart, jedoch merke ich, dass das Interesse an der Sportart jedes Jahr zunimmt“, so der Neuperlacher. 

Robert Werner, Kicker bei den Munich Cowboys.

Das Problem: „Viele der Football-Begriffe sind nicht immer einfach zu verstehen“, erklärt Werner. In Hallo München spricht er über einige der wichtigsten Ausdrücke, Unterschiede zwischen deutscher und amerikanischer Liga sowie besondere Momente.

Robert Werner (33), Kicker der Munich Cowboys, von A bis Z

Auftakt: Unsere Saison mit den Cowboys beginnt am 3. Mai mit einem Auswärtsspiel in Marburg. Daheim geht es am 16. Mai gegen den gleichen Gegner los.

Auswärtsspiele: Unsere Fans müssen sich die Anfahrt zu Auswärtsspielen selbst organisieren. Natürlich sind dann nicht immer allzu viele dabei, aber selbst für Fahrten nach Marburg begleiten sie uns. Unser Fanclub, die Wild Bells, sind auch fast immer dabei. Gerade, wenn wir auswärts punkten, ist es sehr cool, die eigenen Anhänger jubeln zu hören.

Auszeit: Pro Halbzeit hat ein Team drei Auszeiten zu je 30 Sekunden. Diese sind vor allem gegen Ende der Halbzeit sinnvoll, wenn nicht mehr viel Zeit für einen Spielzug bleibt, da die Uhr während dieser Unterbrechungen angehalten wird.,

Besonders: In einem Trickspielzug durfte ich einmal den Quarterback spielen und einen Touchdown-Pass werfen. Die Kommentatoren bezeichneten meinen Wurf später als „Kugelstoßen“. Mir ist das egal, der Ball kam an.

Challenge: Ist ein Trainer mit einer Entscheidung der Schiedsrichter nicht einverstanden, besitzt er die Möglichkeit, per Wurf einer roten Flagge auf das Feld diese noch einmal überprüfen zu lassen, also zu challengen. Bei einer Fehlentscheidung ziehen die Schiedsrichter ihr Urteil zurück, bei erfolglosem Reklamieren verliert das klagende Team eine seiner Auszeiten. Die rote Flagge gibt es aber nur in der NFL, nicht in Deutschland.

Concussion ist Englisch für Gehirnerschütterung. Kopfverletzungen sind für Spieler extrem gefährlich. Um diese bestmöglich zu vermeiden und die Spieler vor weiteren Schäden zu bewahren, gibt es ein sogenanntes „Concussion-Protocol“. Besteht bei einem Spieler der Verdacht, dass er bei einem Zusammenprall im Spiel eine Gehirnerschütterung erlitten hat, wird er in dieses aufgenommen und muss das Feld verlassen. Er macht dann Tests zu Reaktionszeit oder physischer Verfassung. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wird der Spieler zeitweise gesperrt, um seine Gesundheit nicht weiter zu gefährden.

Dantestadion: Hier tragen wir unsere Heimspiele aus. Da kommen jeweils knapp 2000 Fans. Darunter sind auch immer wieder Freunde von mir und Teamkollegen vom Fußball.

Downs sind die Anzahl an Versuchen, die ein Team zum Erreichen von 10 Yards Raumgewinn hat. Grundsätzlich hat jedes Team vier Versuche dafür. Meist werden drei davon ausgespielt. Bei erfolgreicher Überwindung von mindestens 10 Yards bekommt das angreifende Team erneut vier Downs. Scheitert man mit drei Versuchen, wird der vierte meist dazu benutzt, den Ball möglichst weit in die gegnerische Hälfte zu kicken, um dem Gegner eine schlechte Ausgangsposition für seinen Angriff zu geben.

Erfolg: Wenn ich sehe, wie sich die anderen Sportarten in München entwickeln, hoffe ich , dass der Football auch irgendwann an diesen Punkt kommt. In Eishockey, Fuß- und Basketball sind wir schon die Nummer eins, warum dann nicht auch demnächst im Football?

Field Goal: Hat ein Team drei Downs aufgebraucht ohne 10 Yards voranzukommen, befindet sich aber nahe genug an den gegnerischen Torpfosten, kann der Kicker mit dem vierten Down versuchen, den Ball zwischen den Pfosten durchzuschießen, um so drei Punkte für sein Team zu erzielen. In der NFL spricht man ab der 35 Yard Linie in der Regel davon in Field-Goal-Distanz zu sein, in der GFL liegt der Richtwert zwischen 30 und 35 Yards. Ich persönlich fühle mich ab 30 Yards sicher genug, um auf das Field Goal zu gehen.

Fumble: Hat ein Spieler einen Ball gefangen, lässt ihn jedoch wieder fallen, spricht man von einem Fumble. In solchen Momenten wird der Ball frei und das Team, welches sich ihn zuerst sichert darf angreifen.

German Bowl heißt das Finale der deutschen Footballliga, der GFL. Letztes Jahr fand dieser in der Commerzbank-Arena in Frankfurt vor über 20000 Zuschauern statt.

GFL ist die deutsche Footballliga. Sie ist in zwei Divisionen - Nord und Süd - aufgeteilt. Beide enthalten acht Teams, gegen die eigene Division spielt man in der Vorrunde jeweils zweimal. Danach folgen die Play-Offs, wo man je nach Platzierung auf stärkere oder schwächere Gegner der anderen Division trifft. Anders als in den USA sind die Teams hier keine Franchises. Sie haben keinen festen Ligaplatz, spielen also auch um Auf- und Abstieg.

Halbzeitshow: Die Spielunterbrechung zur Halbzeit des Superbowls bietet einen weiteren Hingucker: Bekannte Musiker – heuer Shakira und Jennifer Lopez - treten auf und verwandeln das Stadion kurzzeitig zu einer Konzertbühne. Auch die Werbung ist explizit für dieses Event vorbereitet worden und bietet Unterhaltung. Ein Teil der Zuschauer schaut es bestimmt allein deswegen.

Interception wird ein vom Gegner abgefangener Pass genannt. Wenn das passiert, ergibt sich für das verteidigende Team eine gute Möglichkeit, in die Offensive überzugehen.

Job: Ich arbeite als Sales-Manager bei Infineon in Neubiberg. Da wir unser Training in der Görzer Straße abhalten, ist der Weg zwischen Arbeit und Training nicht weit. Beim Football werde ich nicht bezahlt, das ist mit unseren Mitteln nur für die Spieler aus den USA mit Profiverträgen möglich. Für mich ist das aber kein Problem, ich spiele Football, weil es mir gefällt.

Karriereende: Wenn es nach mir geht, werde ich noch einige Jahre spielen. Sowas steht und fällt jedoch mit der Gesundheit, ob man fit bleibt. Ans Aufhören denke ich noch nicht.

Kommunikation: In der NFL sind die Spieler per Mikro verkabelt und kommunizieren so mit ihren Coaches vor den Spielzügen. In Deutschland ist das nicht der Fall, hier wird viel mit Gestik und Handzeichen gearbeitet. Unter anderem greifen sich die Trainer mal an die Nase, machen Flügel mit den Händen oder ziehen an ihrer Mütze.

Kultur: Ein Spiel in Deutschland gleicht - ähnlich wie in der NFL - einem Event für Groß und Klein. Es gibt Halbzeitshows mit Hüpfburgen für die Kinder oder Wettbewerben, wo Fans versuchen können, ein Field Goal zu erzielen. Zudem sind Parties mit Burgern und Bier auf den Tribünen zu beobachten. Man trifft sich nicht nur zum Spiel, sondern auch für die Zeit davor und danach.

Lieblingssport: Wenn sich Spiele überschneiden, gehe ich eher zum Football als zum Fußball. Die Möglichkeit, sich mit Deutschlands besten Spielern auf höchstem Niveau zu messen und meine Liebe zum Sport sind da ausschlaggebend.

Löwe: Ich spiele auch Fußball bei den Amateuren von 1860 München. Da die Trainings an denselben Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten stattfinden, lässt sich beides gerade noch mit meinem Privatleben vereinbaren.

Meine Position ist die des Kickers. Er kommt nur für bestimmte Situationen auf das Feld, etwa zum Erzielen eines Field Goals oder um den Ball weit weg von der eigenen Endzone zu schießen. Der Kicker darf zudem nicht getackelt werden, weswegen ich manchmal scherzhaft Kommentare von meinen Mitspielern anhören muss. Für mich ist die Position aber ideal, ich spiele sie gerne.

München Rangers: Die Rangers sind ein weiteres Footballteam in München. Wir haben aber nicht viel miteinander zu tun, teilen uns ein Stadion. Im Raum München gibt es auch die „Fursty Razorbacks“ in Fürstenfeldbruck. Die Anzahl Teams in Bayern zeigt meiner Meinung nach, dass der Sport immer mehr an Beliebtheit gewinnt.

Nationalmannschaft: Leider sind der deutsche und der Weltverband im Football derzeit im Streit. Aus diesem Grund gibt kann die deutsche Nationalmannschaft nicht an internationalen Turnieren teilnehmen. Das finde ich schade, weil so jungen Spielern die Chance genommen wird, sich auf der großen Bühne zu zeigen.

Odell Beckham jr. habe ich in München kennengelernt. Zuerst hat er sich über mich lustig gemacht, weil ich nur Kicker bin. Als ich dann aber vor seinen Augen im Training zwei 55 Yard Field Goals hintereinander erzielt habe, war er beeindruckt. Er hat mich später auch in New York einmal eingeladen, bei einem Training der Giants zuzuschauen. Leider durfte ich damals nicht aufs Feld und kicken, das wäre etwas Einzigartiges gewesen.

Probetraining: Als ich 2012 beim Probetraining der Cowboys war, wurde mir ein Ball zum Kicken hingelegt. Nachdem ich diesen aufs Stadiondach geschossen hatte, sagte man zu mir: „Du kannst wiederkommen.“ Ob der Ball immer noch da oben liegt, weiß ich nicht (lacht).

Quarterback ist der Spielmacher. Er verteilt die Bälle an seine Mitspieler, sagt die Spielzüge an. Er ist Dreh- und Angelpunkt der Offensive, der Star des Teams. Ihn gilt es vor Angriffen der gegnerischen Defensive zu schützen.

Randsport: Noch sehe ich den Football in Deutschland als Randsportart. Diese Saison sollen aber 16 GFL-Spiele in der Gruppenphase live auf Sport1 übertragen werden. Auch werden deutsche Spieler in den USA häufiger wahrgenommen, wechseln dorthin. Diese Entwicklung finde ich erfreulich.

Receiver sind die Ballfänger. Diese spielt der Quarterback mit kurzen und langen Würfen an. Unterschieden wird zwischen zwei Arten: den Wide Receivern, die weiter entfernt vom Quarterback positioniert sind, und den Tight Ends, die nahe des Spielmachers und der Offensive-Line starten.

Respekt ist das Wichtigste im Football. Ich schätze es sehr, dass wir Spieler uns nach dem Spiel die Hand geben und normal miteinander reden können. Man merkt es in den Spielsituationen, es wird nicht versucht, jemanden bewusst zu verletzen. Auch wird jedes Spiel, unabhängig von der Ausgangslage, ernst genommen und will von beiden Teams gewonnen werden.

Runningback bekommt den Ball vom Quarterback für Laufspielzüge. Es wird also kein Pass geworfen, der Ball lediglich übergeben und dann stürzt sich der Runningback ins Getümmel. Gerne wird so ein Spielzug gewählt, um die letzten paar Meter zur Linie zu machen. Ein Runningback zeichnet sich dadurch aus, dass er sowohl kompakt, klein, schnell und wendig ist, als auch keine Angst davor hat, sich in die gegnerische Defensivlinie zu werfen.

Sack: Kommt ein Defensivspieler zum Quarterback des Gegners durch und bringt ihn zu Boden, spricht man von einem Sack. Für die Defensive ist das eines der höchsten Gefühle, das feiern die Jungs wie einen Geburtstag.

Song: Wenn ich eine Musikempfehlung zu meiner Position aussprechen müsste, wäre das „Lonesome Kicker“ von Adam Sandler. Der Song beschreibt die Position sehr treffend.

Special Teams: Neben der Offensive und der Defensive gibt es noch sogenannte Special Teams. Diese führen spezielle Spielzüge aus, kommen dafür aufs Feld, zum Beispiel für das Erzielen eines Field Goals. Als Kicker gehöre ich zu einem solchen Team.

Super Bowl: Das Finale der NFL. Hier spielen die zwei besten Teams der Saison um den Titel. Es ist das größte Sportereignis der Welt. Dieses Jahr findet der Super Bowl in Miami zwischen den Kansas City Chiefs und den San Francisco 49ers statt. Ich werde das Spiel gemeinsam mit Freunden schauen.

Touchdown: Schafft es ein Spieler des angreifenden Teams, den Ball bis in die Endzone des Gegners zu tragen, erzielt er damit einen Touchdown. Dadurch bekommt sein Team sechs Punkte. Anschließend bekommt das Team noch die Möglichkeit, per Field Goal einen oder per Two-Point-Conversion zwei zusätzliche Punkte zu erzielen.

Two-Point-Conversion ist ein Spielzug nach einem erfolgreichen Touchdown. Anstelle vom Field-Goal-Versuch wird ein weiterer Spielzug von der Zwei-Yard-Linie gestartet. Resultiert dieser wieder in einem Touchdown, bekommt das Team zwei weitere Punkte.

Unparteiische: Begeht ein Spieler ein Foul, wirft ein Schiedsrichter eine gelbe Flagge auf das Feld. Anschließend erklärt er den Verstoß des Spielers und meist auch, welche Strafe ausgesprochen wird. Die Schiedsrichter sind sowohl in den USA als auch in Deutschland aufgrund des Lärms mit den Stadionsprechanlagen verbunden, damit die Entscheidungen besser verstanden werden.

Verletzungen: Als Kicker genieße ich ein Privileg, weil ich nicht angegangen werden darf. Daher habe ich bis auf kleine Blessuren bisher keine Verletzung beim Football erlitten. Natürlich hoffe ich, dass das so bleibt.

Vorbilder habe ich im Football zwei: Adam Vinatieri von den Indianapolis Colts und den mittlerweile nicht mehr aktiven Pat McAfee. Vinatieri aufgrund seiner jahrelangen Leistungen und Ausdauer, er ist immer noch im Sport aktiv. McAfee bewundere ich aufgrund seiner besonderen Spielzüge.

Weitester Kick: Im Spiel habe ich schon 54 Yards geschafft, im Training sogar 75 Yards.

Wunsch: Ich habe einen 14 Monate alten Sohn. Ab und an war er schon bei Spielen dabei, ich würde mich aber freuen, wenn er auch noch einmal bewusst mitbekommt, was sein Papa auf dem Platz macht.

X-mal muss ich erklären, ob Football wegen der Brutalität gefährlich ist. Natürlich ist ein hohes Risiko dabei, jedoch schreiben die Ligen genaue Regeln vor, um schlimmere Verletzungen einzugrenzen. Man ist durch die Rüstung auch gut geschützt, meist sieht es im Fernsehen brutaler aus als es tatsächlich ist.

Yards sind die Maßeinheit im Football. Dabei werden sowohl von den Spielern gelaufene als auch vom Quarterback erfolgreich geworfene Strecken gemessen. Pro Angriff muss ein Team mindestens 10 Yards, ungefähr 9,1 Meter, an Raum gewinnen, um in Ballbesitz zu bleiben.

Zukunft: Ich hoffe, dass der Football in Deutschland weiterhin an Beliebtheit gewinnt. Die Zahlen sprechen dafür, die Medienpräsenz wächst. Auch hoffe ich auf eine Neuauflage der NFL Europe und die Austragung eines NFL-Spiels in Deutschland.

Benedikt Strobach

Haben wir ihr Interesse geweckt? Mehr spannende Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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