Caroline Link im Gespräch mit Hallo München

Münchner Regisseurin Caroline Link: „Ein Oscar macht noch keinen guten Film“

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Die Münchner Regisseurin Caroline Link hat für ihren Film "Nirgendwo in Afrika" einen Oscar gewonnen.

Nach „Der Junge muss an die frische Luft“ bringt die Caroline Link ihren neusten Film ins Kino. Über das Projekt und Kinder als Schauspieler, spricht sie im Interview...

Mit der Verfilmung von Judith Kerrs „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ kommt nach Weihnachten der neue Film der Münchner Regisseurin in die Kinos. Was sie an der Jugendbuch-Vorlage so reizte, wie junge Studenten von ihr lernen können und warum Kinder anders schauspielern, erzählt die 55-Jährige im Interview. 

Frau Link, eben erst ist das Kino Münchner Freiheit gewandelt worden – es gehört jetzt zu Karstadt. Wie kann man Ihrer Meinung nach das Kleine-Kino-Sterben verhindern
Kinobetreiber müssen sich etwas einfallen lassen und flexibel auf ihren Kiez reagieren. Für meinen Geschmack könnte es mehr Kinos geben, die Filme in der Original Fassung zeigen.

Sie haben für „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ eine Szene, die in Paris spielt, in München gedreht.
Ja, aber das kleine Antiquariat in der Schellingstraße, in dem wir für eine Szene in „Rosa Kaninchen“ gedreht haben, gibt es schon nicht mehr.

War es schwer Originalschauplätze für den Film entstehen zu lassen?
In Prag haben wir die Außenszenen für Paris gedreht. Es war schwer eine Ecke für das Paris in den dreißiger Jahren zu finden. Prags Innenstadt ist heute so gut renoviert und herausgeputzt. Susann Bieling war bei allen meinen Filmen die Szenenbildnerin. Sie hat ein gutes Händchen für Motive.

Warum haben Sie das Buch von Judith Kerr jetztt verfilmt?
Ich habe das Buch schon als Kind gelesen, wollte es auch vor fünf Jahren schon einmal verfilmen. Es war ein langes Vorhaben. Mich hat besonders die Figur des Alfred Kerr gereizt: zu zeigen, wie es ist, wenn man als Schriftsteller, als Autor durch Flucht seine Sprache und damit seine Arbeit verliert.

Sie drehen sehr gerne mit Kindern heißt es, wie beim „Rosa Kaninchen“ mit Riva Krymalowski.
Ja. Ich achte bei Kindern darauf, dass sie noch nicht gefilmt haben. So wie jetzt Riva. Sie war beim Drehen neun Jahre alt, agierte vor der Kamera ganz natürlich. Kinder reflektieren noch nicht so sehr sich selbst, wie sie beim Betrachter rüberkommen. Sie überlegen nicht lange, wie sie eine Szene spielen sollen, sondern sind einfach, wie sie sind. Gemeinsam finden wir Gesten und Positionen, um auch traurige Szenen darzustellen. Julius Weckauf, der zuletzt den jungen Hape Kerkeling gespielt hat, konnte das besonders gut.

Regisseurin Caroline Link bei der Arbeit am Filmset: Als „Spielleiterin“ schätzt sie die Natürlichkeit von Kindern beim Filmdreh.

 Wollen Sie mit dem neuen Film an „Der Junge muss an die frische Luft“, Ihren großen deutschen Film-Erfolg aus dem vergangenen Jahr, anknüpfen?
Nein, so denke ich überhaupt nicht. Nicht die Zuschauerzahl ist entscheidend oder die Auszeichnungen. Ich möchte mit meinem Film selbst zufrieden sein.

Welcher war denn für Sie Ihr wichtigster Film, bei dem Sie Regie führten?
Meine Filme sind meine Kinder und ich mag sie alle. „Im Winter ein Jahr“ mit Josef Bierbichler und Corinna Harfouch war kein kommerzieller Erfolg, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf ihn.

Sind Sie auch stolz darauf, den Oscar bekommen zu haben?
Der Oscar war eine große Ehre, klar hat er mich sehr gefreut! Aber genauso wichtig wie Preise ist mir das Urteil von ein paar nahestehenden Menschen, die mir ehrlich ihre Meinung zu meiner Arbeit sagen.

Wo bewahren Sie Ihre Auszeichnungen für Ihre Arbeiten auf?
Ich habe ein altes Bäckerei-Regal, das hab ich zum Bücherregal umfunktioniert. Da stehen alle Preise drauf. Gezählt, wie viele es sind, habe ich aber nicht.

Wer übt bei Ihnen Kritik an Ihrer Arbeit?
Mein Mann, Dominik Graf, bekommt als erstes meine Drehbücher und Besetzungsideen zu hören. Wir machen beide ganz unterschiedliche Filme. Er sagt mir auch nicht, wie er es machen würde, sondern, wie meine Idee wachsen kann.

Arbeiten Sie an neuen Projekten?
Ich schreibe gerade eine Serie. Es geht um eine Kinderpsychotherapeutin.

Eine Dokumentation wäre nichts? Schließlich haben Sie an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) Dokumentarfilm studiert.
Obwohl ich Dokumentarfilm an der Filmhochschule studiert habe, mache ich lieber Spielfilme. Damals hab ich mich so in die Schule reingemogelt, weil mir die Aufnahmebedingungen beim Dokumentarfilm mehr lagen. 

Ihre Botschaft als Regisseurin an Studierende der HFF?
Beim Filmemachen gibt’s kein Richtig und Falsch. Manchmal erzähle ich an der HFF, wie ich es mache. Wer etwas damit anfangen kann, nimmt das mit.

von MARIE-JULIE HLAWICA

Zur Person

Geboren im hessischen Bad Nauheim kam die Filmemacherin zum Studium an die Hochschule für Film und Fernsehen nach München, lehrt dort heute auch. Ihre Beobachtung: „In der HFF studieren zur Hälfte Frauen und Männer. Doch in der Realität führen nur wenige Frauen Regie.“ Link lebt mit Regisseur Dominik Graf und ihrer Tochter Pauline (17) in Schwabing. Der Oscar für den Film „Nirgendwo in Afrika“ 2001 machte sie international bekannt. Ihr Kinohit „Der Junge muss an die frische Luft“ lockte 2019 drei Millionen Menschen in die Kinos.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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