Interview von A bis Z

Zwischen Pointe & Politik – Wie Moderator Christoph Deumling die Nockherberg-Nachspielzeit meistert

BR-Moderator Christoph Deumling
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BR-Moderator Christoph Deumling

München – Nach Maxi Schafroths Fastenrede und dem Team des Singspiels tritt er am 11. März am Nockherberg auf: Christoph Deumling moderiert auch heuer, um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen, die schon traditionelle Politiker-Talkrunde „Sauber derbleckt“ am Nockherberg. Die wird dieses Jahr etwas anders ausfallen: „Die Gästeliste ist noch nicht fest, steht aber ganz im Zeichen der bevorstehenden Kommunalwahl, doch wahrscheinlich ohne Politiker in Amt und Würden“, erklärt der beliebte Fernseh- und Radiomoderator, der auch 20 Jahre lang „Heute im Stadion“ präsentierte. „Ziel ist es, über das Singspiel und die Fastenrede zu sprechen. Wir wollen da keine Leute haben, die Wahlkampf machen.“ Wer dabei schon mal Zuschauer-Sympathien aufs Spiel gesetzt hat und welchem Politiker das Starkbier gut geschmeckt hat, verrät Deumling im A bis Z. 

BR-Moderator Christoph Deumling (62), von A bis Z

Aktuelles: Ich bin vor dem Nockherberg besonders gut informiert. Man liest und liest und bereitet sich vor. Doch von den 100 Prozent Vorbereitung braucht man in der Sendung maximal 30 Prozent.

Bayern 1: Meine Sendung „Bayern 1 am Vormittag“ ist heute mein Kerngeschäft – mit der Abendschau, die ich im Wechsel moderiere. Angefangen habe ich 1984 beim Fernsehen.

Charivari: Ich habe eine Original maßgeschneiderte Berchtesgadener Tracht: Meine Eltern und Großeltern haben in Berchtesgaden gewohnt.

Derblecken ist Lebenselixier. Gerade heute ist es extrem wichtig, eine Bühne zu schaffen, auf der einer austeilen kann.

Erster Nockherberg: Seit 2012 moderiere ich „Sauber derbleckt“. Davor war ich als Gast im Publikum.

Fastenrede: Eine gute oder schlechte Fastenrede gibt es nicht – die Geschmäcker sind verschieden.

Geboren: Ich bin ein echtes Münchner Kindl, aufgewachsen in Bogenhausen – in einem der Wohnblöcke hinter dem Prinzregentenplatz.

Heute im Stadion: Ich habe mich Anfang der 80er als Sportreporter beim BR beworben, dafür hat es leider nicht gereicht. Dass ich 1996 als Moderator zu „Heute im Stadion“ gekommen bin, war ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

I

mprovisieren: Bei „Sauber derbleckt“ haben wir einen Leitfaden, welche Themen wir abdecken wollen – meist ist der nach fünf Minuten hinfällig. Aber das mögen die Leute ja.

Jubeln für... Ich bin Lebensmitglied bei 1860 München, mein Verein ist 60. Aber wenn Du Spaß haben willst am Fußball, gehst Du zum FC Bayern – wenn Du Karten kriegst.

Katharina Schulze und Natascha Kohnen waren vor der Landtagswahl 2018 bei der Talkrunde kaum einzubremsen. Jeder zeigt sich so, wie er ist. Manchmal schätzen Politiker falsch ein, wie sie wirken, wenn sie eine Bühne nutzen. Wenn man sich sehr hartnäckig zeigt, sich nicht an Regeln hält – dann setzt man Sympathien aufs Spiel.

Liebe am Arbeitsplatz: Meine Frau Heike Götz und ich haben uns 1994 bei Bayern 3 kennengelernt. Wir haben hintereinander eine Sendung moderiert, sie am Mittag, ich am Nachmittag.

Ministerpräsident: Markus Söder ist ein Profi und beherrscht die Klaviatur des Nockherbergs perfekt. Mit ihm habe ich auch oft kleine Gefechte gehabt, immer ein Stück weit humorvoll.

Nockherberg: Den einen ist er zu brav, den anderen zu scharf. Aber das ist gut so. Der goldene Mittelweg ist verstopft, weil da alle unterwegs sind. Der Nockherberg muss Ecken und Kanten haben.

Offensive: Ich habe beim Fußball als Verteidiger angefangen und vor 15 Jahren als Mittelstürmer geendet. Die Bänder, die Knochen und die Gelenke halten in meinem Alter nicht mehr das aus, was man im Kopf glaubt noch zu können.

Praktisch: In meiner Ausbildung zum Industriekaufmann habe ich systematisches Arbeiten und Ordnung halten gelernt.

Quote: Ich lass mich von einer schlechten Quote nicht frustrieren, werde auch nicht euphorisch bei einer guten.

Rente mit 63? Ich werde noch bis 2023 arbeiten. Einerseits mache ich das gerne, andererseits hätte ich große Lust dazu, daheim ein bisschen Hausmann zu spielen und mehr Zeit für die Familie zu haben.

Starkbier: Die Politiker haben die freie Wahl, was sie trinken. Sehr unterhaltsam war Gregor Gysi, der vor fünf Jahren am Ende ordentlich einen sitzen hatte und auch davon sprach, er hätte gerne „noch so einen Becher Bier“.

Traumgesprächsrunde hängt nicht davon ab, wer die Gäste sind, sondern wie sie sind.

Umständehalber: Ich habe mich lange für diesen Verein engagiert. Es geht um Frauen, die während der Schwangerschaft verlassen werden.

Versprecher: Mein bekanntester war, als ich in einer Silvestersendung gesagt habe: „Wenn um Mitternacht die Sexkorken knallen...“ Das hat es dann sogar auf ein T-Shirt im Giftshop geschafft.

Wiesn: Zum Anstich moderiere ich gemeinsam mit Eva Meyer aus dem Schottenhamel-Zelt. 2019 war es mein 30. Mal.

X-chen machen: Vier Tage vor der Kommunalwahl wird die Talkrunde am Nockherberg bestimmt besonders spannend und besonders beobachtet. Klar ist, dass wir dieses Jahr keine Kommunalpolitiker einladen, nicht einmal den Oberbürgermeister.

Youngsters: Ich versuche nie, jünger zu sein als ich bin. Aber ich habe eine zwölfjährige Tochter und einen siebenjährigen Sohn – da muss ich Gas geben, um in deren Welt mitzukommen.

Z

wida: Ich mag Spaß im Leben und mag keine Leute, die keinen Spaß haben oder einem den Spaß verderben.

Maren Kowitz

Aus Aktuellem Anlass

Der Chef der veranstaltenden Paulaner-Brauerei, Andreas Steinfatt, sagte am Freitag in München: Das Landesamt für Gesundheit habe den geladenen Politikern empfohlen, die Veranstaltung am Mittwoch nicht zu besuchen. „Wir sind in engem Kontakt auch mit der Gesundheitsministerin. Und auch da gehen die Signale in die Richtung, dass der Nockherberg so nicht stattfinden soll beziehungsweise wird“. 

Auch wenn die Signale hoffnungslos seien, sei dies noch keine „offizielle Absage“. Gleichwohl sei es aber so „dass wir das Derblecken am Mittwoch nicht durchführen können“, sagte Steinfatt. Er kündigte an, dass er sich dafür einsetzen werde, dass es eine alternative Lösung geben werde, damit die erfolgte Arbeit der Beteiligten nicht umsonst gewesen sei. „Sie sehen mich hier ein bisserl erschöpft, enttäuscht und frustriert“, sagte Steinfatt. 

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