Michael Altinger im Gespräch mit Hallo München

Wenn die Sicherheit vor der Umwelt kommt

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Kabarettist Michael Altinger steht mit seinem Programm "Schlaglicht" in den Startlöchern.

„Der hippe Münchner kauft bio, sein Bart ist sauber ausrasiert, er weiß, wo er die besten Goji-Beeren kriegt. Die fährt er dann mit seinem fahrenden Wohnzimmer holen. “

Überall diese Blender. Die gehen dem Wasserburger auf die Nerven. So sehr, dass er ihnen die Figur Hellmut Lux auf den Leib geschrieben hat. Und so macht er seinem Ärger über hippe Münchner, die ihrer Wohnung Räder verpassen, Politiker, die leere Sprüche klopfen und Omis, die ahnungslose Kabarettisten reinlegen, Luft. 

Michael Altinger ist ein Weihnachtsnarr, heißt es im Begleittext zu Ihrem aktuellen Buch „Auch das Christkind muss dran glauben“. Wie geht es Ihnen jetzt nach den Festtagen, Herr Altinger?
Oh, ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Gestern haben wir gleich den Christbaum abgeräumt, weil ich sofort ein widerliches Völlegefühl verspürt habe, sobald ich den gesehen habe. Ich bin froh, dass der Ernst des Lebens wiederkommt – das darf er jetzt auch. Ich bin gut ausgeruht und voller Tatendrang.

Trifft sich gut – mit „Schlaglicht“ steht der zweite Teil Ihrer Kabarett-Trilogie in den Startlöchern.
Im Zentrum steht die Figur des Hellmut Lux – eine Lichtgestalt, ein Heilsbringer, der sehnsüchtig erwartet wird, weil er uns Sicherheit bringt und uns an der Hand nimmt. Letztlich verarscht er alle, was man aber gerne in Kauf nimmt. Hellmut Lux steht exemplarisch für all die Gestalten wie Trump, Putin, Erdogan, die große Sprüche klopfen und dabei die ganze Welt aufs Spiel setzen.

Gibt’s auch Kritik an ganz normalen Menschen? Etwa am Münchner?
Aber nein. Der Münchner beschäftigt sich vorbildlich mit seiner Korrektness gegenüber der Umwelt. Und mit der Sicherheit. Die kommt für den Münchner noch vor der Umwelt. Am sichersten fühlt er sich sowieso daheim, warum also nicht gleich vier Reifen an die eigene Wohnung montieren und damit herumfahren. Der hippe Münchner kauft bio, sein Bart ist sauber ausrasiert, er weiß, wo er die besten Goji-Beeren kriegt. Die fährt er dann mit seinem fahrenden Wohnzimmer holen. Oder mit dem Designer-Rad für 5000 Euro. Und zum Shoppen fliegt er nach Amerika. Das darf er ja, denn seine Umweltbilanz stimmt.

Rahmenhandlung im Programm „Schlaglicht“ ist die Freundschaft zweier Männer, die mittlerweile schon seit 25 Jahren gemeinsam auf Tour sind.
Das ist eine Anspielung auf die Zusammenarbeit mit Martin Julius Faber, meiner Einmann-Band. Ich kenne ihn seit der Schulzeit.

Da haben Sie bestimmt einiges gemeinsam erlebt. Fällt Ihnen spontan eine Geschichte ein?
Auf dem Weg zu einem Auftritt haben wir uns mal unglaublich verfahren. Also haben wir einer älteren Dame die Adresse gezeigt und gefragt, wo das ist. Sie meinte: Oh, das ist gar nicht weit von mir, das liegt direkt auf dem Weg. Wir haben diese Frau bis vor ihre Haustür heimgefahren und als wir fragten, wo wir weiter müssen, sagte sie: Mei, da müsst’s halt wen fragen.

Woran erinnern Sie sich sonst noch gern zur silbernen Freundschaft?
An die vielen großartigen Auftritte natürlich, aber auch an welche, die nicht so liefen, wie man sich es wünscht. Ein Veranstalter, weiß ich noch, der wollte eine Vorrede halten. Und dann hat er dem Publikum ausführlich erzählt, dass seine Mama gestorben ist. Ich hatte ein Programm zum Thema Tod und die Leute dachten, der scherzt jetzt noch rum. Diesen Abend konnte ich nicht mehr retten.

Die Freundschaft muss durch gute und schlechte Zeiten. Was ist Ihr Rezept, dass Sie sich nicht in die Haare kriegen?
Ein Rezept für eine gute Zusammenarbeit ist, dass jeder seinen eigenen Bereich hat. Martin macht die Musik, den Bühnenaufbau. Ich bin der, der auf der Bühne draufhaut.

Dass er auf der Bühne nicht spricht, ist aber nicht vertraglich vereinbart, wie Sie auf Ihrer Website behaupten, oder?
Nein, nein, das ist schon ein wenig übertrieben. Im neuen Programm hat der Martin auch mal ein bisschen mehr Raum und wird alleine vors Mikro treten. Zum ersten Mal nach 25 Jahren. Viel mehr kann ich aber dazu nicht sagen.

Der dritte Teil der Trilogie trägt momentan den Arbeitstitel „Finster“. Wird es tatsächlich dunkel?
Wahrscheinlich schon. Die Sache entwickelt sich ziemlich eindeutig in Richtung Apokalypse. Eine lustige allerdings. Ich will auch am Ende was zum Lachen haben.

von SEBASTIAN OBERMEIR

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