Martin Schmitt im Gespräch mit Hallo München

Mit Chuck Berry ins kalte Wasser – Musikkabarettist Martin Schmitt im Interview

Martin Schmitt: „Bayern und Blues – das gehört für mich zusammen. “
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Martin Schmitt: „Bayern und Blues – das gehört für mich zusammen. “

Er kennt den Mississippi wie die Isar: Der Musikkabarettist hat den Blues im Blut. Bevor er sein neues Programm präsentiert, versammelt er jetzt „Best of Bayern“ beim Konzert um sich. Warum Sie dort lieber mitklatschen sollten und was Maxi Schafroth und Chuck Berry gemeinsam haben, verrät er im Interview . 

Herr Schmitt, wie oft werden Sie mit Ihrem skispringenden Namensvetter verwechselt?
Als er Weltmeister wurde, war der Name in aller Munde. Martin Schmitt war zudem so ein Teenie-Star. Da gab es schon ein paar, die im Gästebuch auf meiner Website irritierte Nachrichten hinterließen. Mittlerweile kommt das kaum mehr vor, trotzdem hängt das oft so diffus im Raum, wenn ich auftrete. Dem wirke ich mit einem Stück entgegen. Es geht da um einen Hausmeister in Dresden, der fragt: „Habn’s mit der Skispringerei jetz aufgehört?“

Genau wie ich mir diese Verwechslungen vorgestellt habe! Hat sie sich denn so zugetragen?
Mei, Wahrheit und Dichtung sind manchmal nah beieinander (lacht).

Vom Sport zur Musik: Bei Ihrem nächsten Konzert mischen Willy Astor, Claudia Koreck, Maxi Schafroth und weitere mit. Wie kommt es zu dieser illustren Runde?
Ich versuche alle zwei Jahre so ein Programm zusammenzustellen. Das ist dann immer eine Mischung: Wen hätte ich ganz gern, mit wem funktioniert die Musikkabarett-Kombination gut? Und meistens kenne ich die Leute schon vorher – wie auch heuer.

Meistens?
Mit Chuck Berry war es anders. Den hat es auch gar nicht so interessiert, ob ich dabei bin (lacht). Bei seiner Europatournee hat er nur seinen Bassisten dabei gehabt und vor Ort Schlagzeuger und Pianisten gesucht. Ich bin voll ins kalte Wasser geworfen worden. Klar, jeder Blueser kennt Chuck Berry und seine Nummern. Aber wir wussten nicht, welche Stücke wir spielen, welche Reihenfolge, welche Tonart, welches Tempo. Manchmal konnte man seinen Ansagen entnehmen, was kommt. Aber ansonsten: Er hat eingezählt und es ging los. Der Bassist hat dann schnell noch ein paar Handzeichen gegeben, mit Daumen und Zeigefinger ein C zum Beispiel.

Mit Willy Astor und Co. verzichten Sie aber auf die Handzeichen?
Ja, da machen wir das schon vorher aus. Aber der Maxi legt tatsächlich viel Wert auf Improvisation. Er macht das gern.

Bairisch und Blues – wie passt das eigentlich zusammen?
Das ist keine Neuerfindung. Den Willy Michl gibt es seit vielen Jahren – er hat das mit etabliert.

Und für Sie persönlich?
Blues spiele ich seit Beginn meiner Karriere. Das ist die Musik, die mir am meisten liegt. Dann begann ich mit kabarettistischen Moderationen, zuerst Englisch, dann auch auf Hochdeutsch. Aber Bairisch ist viel singbarer. Und die Emotionen kann ich besser ausdrücken. Bayern und Blues – das gehört für mich zusammen.

Sie seien „ein Stück Bayern“ hat ein Kollege in einer Konzertkritik mal geschrieben.
Ich verkörpere auf der Bühne das bayerische Lebensgefühl. Das Selbstverständnis, die Frotzelei, das Hintergründige. Und ich bin schon auch offensiv. Wenn einer vorne sitzt und keine Lust hat mitzuklatschen, dann kriegt er schon eine blöde Bemerkung.

Wie zeigt sich das bayerische Lebensgefühl in den Stücken?
Eines zum Beispiel heißt „Des werd scho wieder“. In einem anderen geht es um die Großmutter im Altenheim, die nicht mehr lang hat. Ich versuche Themen zu finden, mit denen sich die Leute identifizieren können.

Ihren Publikumsliebling „Sex Bomb“ singen Sie aber auf Sächsisch. Ist Bairisch dafür zu unsexy oder zu sexy?
Da hat es sich einfach aufgedrängt. Ich wollte das Lied persiflieren. Es war zuerst hochdeutsch, aber um es auf die Spitze zu treiben, dacht ich mir, das mach ich auf Sächsisch. Und das kommt sehr gut an, egal wo! Sogar in Sachsen.

Was würden Sie sagen, hat sich in den 33 Jahren, die Sie Konzerte spielen, verändert?
Gar nicht so viel. Was aber weniger wird, ist die Kneipen- und Kleinkunstkultur. Gerade in Großstädten gehen die Leute eher in größere Theater.

Wie würden Sie die Situation in München einschätzen?
Wir sind gut aufgestellt. In München ist alles da. Auftrittsmöglichkeiten, Agenturen. Ich spiele alle zwei Jahre im Prinzregententheater und in den Jahren dazwischen mit prominenten Gästen in der Philharmonie. Was will ich mir noch mehr wünschen!

ZUR PERSON

Martin Schmitt wurde 1968 in München geboren, aufgewachsen ist er in Gräfelfing, dann wohnte er eine zeitlang in Schwabing und vor 20 Jahren verschlug es ihn an den Pilsensee, wo er auch heute noch lebt. Doch wenn Martin Schmitt über seine Vita spricht, wird schnell klar: Fast noch wichtiger ist ihm seine musikalische Heimat, der Blues. „Da kann ich – ohne rot zu werden – sagen, dass ich vorne mitmische.“ 

Von den Münchner Clubs aus legte er los, bis zu Auftritten und Zusammenarbeiten mit Joe Cocker, Tom Jones, Chuck Berry und vielen weiteren. Ebenso zuhause ist Schmitt aber im Kabarett. Und so verbindet er beides: „Ich mache Klavier-Kabarett. Manchmal ist das Klavier einfach nur der harmonische Hintergrund, manchmal lasse ich ein bisschen Virtuoseres rausblitzen.“ 

Seine Kabarett-Programme „Aufbassn“ und „Von Kopf bis Blues“ brachten ihm diverse Preise ein, in Kürze soll sein neues Programm „Jetzt ist Blues mit lustig“ erscheinen.

von SEBASTIAN OBERMEIR

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